Den restlichen Tag verbrachte ich in meinem Zimmer. Ich wollte niemanden sehen oder hören. Als Waise hatte ich noch nie jemanden gehabt, sodass ich den größten Trost in der Einsamkeit fand. Tonks hatte zwar einmal ihren Kopf zur Tür herein gesteckt, doch als sie den Ausdruck sah, den ich ihr entgegen geschleudert hatte, war sie schnell wieder verschwunden.
Die meiste Zeit lag ich auf meinem Bett und starrte Löcher in die Luft. Wie spät es bereits war, wusste ich nicht.
Es klopfte an der Tür.
Ich reagierte nicht.
„Armstrong, ich weiß, dass du wach bist!", drang Kingsleys Stimme durch die Tür.
„Ich will meine Ruhe!", blaffte ich zurück.
„Du machst jetzt sofort die Tür auf oder ich mache es!"
Ich ließ es drauf ankommen. Eine schlechte Idee. Mit einem Knall fiel die Tür auf den Boden. Erschrocken setzte ich mich auf und schaute entgeistert zu Kingsley. Dieser zuckte nur mit den Achseln.
„Ich habe dich gewarnt."
„Was willst du?", fragte ich bissig.
„Molly hat sich für dich stark gemacht."
Irritiert verzog ich das Gesicht.
Kingsley stöhnte und verdrehte die Augen. „Bekommst du eigentlich noch irgendetwas mit? Du hast die Besprechung eben verpasst?!"
Mit einem Schlag war ich wieder da. „Moment, wir hatten eine Besprechung?"
„Ja, aber du schienst sie vergessen zu haben und als Tonks dich holen wollte, hast du sie mit einem Blick aus dem Zimmer gejagt. Dumbledore meinte, wir sollten dich in Ruhe lassen. Und dann hat Molly gesprochen. Nun, wir haben ein Geschenk für dich."
Er trat zur Seite und schubste eine Person in den Raum. Die Hände waren hinter dem Rücken mit einer Kordel gefesselt, die Haare hingen wirr ins Gesicht, doch ich wusste augenblicklich, wen man mir gerade ins Zimmer gebracht hatte.
Barty grinste mich an.
„Er ist dein Problem! Sorg dafür, dass er keine Scheiße baut!" Damit flog die Tür zurück in die Angeln und anschließend ins Schloss und Barty und ich waren allein.
Er richtete sich auf und versuchte die Haare aus dem Gesicht zu pusten. Mit mäßigem Erfolg.
Ich konnte ihn nur ungläubig anstarren. Was hatte das jetzt wieder zu bedeuten?
„Könntest du mir vielleicht helfen?", sprach Barty mich genervt an.
Wie in Trance stand ich auf und lief zu ihm. Mit einem kleinen Schlenker meines Zauberstabs hatte ich den Knoten gelöst. Barty entspannte seine Muskeln im Arm und rieb sich über seine Handgelenke.
„Warum bist du hier?", fragte ich ihn.
Er zuckte nur mit den Achseln. „Woher soll ich das wissen? Mit mir redet niemand! Shaklebolt kam zu mir, fesselte mir die Hände am Rücken zusammen und zog mich hinter sich hier hoch. Also mal ehrlich, an dem Umgang mit euren Gefangenen müsst ihr noch arbeiten!"
„Für gewöhnlich machen wir keine Gefangenen!", schoss ich zurück.
Barty lachte lautlos. „Das merkt man! Ihr seid zu freundlich und hilfsbereit."
Auf meinen bösen Blick hin, meinte er: „Ich bitte dich, ihr habt mich zwar in eine Zelle gesteckt, aber Kissen, Decken, Kerzen und Essen gegeben. Sogar Bücher zum Zeitvertreib. Es fehlte eigentlich nur noch, dass ich ein richtiges Zimmer bekomme. Und dieses scheine ich gerade beziehen zu dürfen."
Sein Lachen wurde lauter.
Ich hingegen wusste immer noch nicht, was das Ganze nun sollte.
Barty kam auf mich zu. Abwartend behielt ich ihn im Auge.
Kurz vor mir kam er zum Stehen. Seine Mimik wurde weich und in seinen Augen spiegelte sich Liebe.
„Kate", hauchte er, während er eine Hand an meine Wange legte.
Mein Verstand schrie, dass ich zurückweichen solle, doch einem inneren Impuls folgend, blieb ich stehen.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
