Kapitel 49

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Am Tag meiner Aussage zog ich eine ordentliche schwarze Hose an, eine graue Bluse und einen schwarzen Blazer. Meine Haare hatte ich locker hochgesteckt und mich zum ersten Mal seit Tagen geschminkt.

Mit einem freundschaftlichen Abschiedsgruß an Barty verließ ich die Grundstücksgrenze. Wir hatten einige Schutzzauber über das Haus und Grundstück gelegt, darunter ein Apparierschutz.

Barty stand am Wohnzimmerfenster und schaute mir nach. Ich winkte ihm ein letztes Mal zu, dann verschwand ich.

Im Ministerium herrschte der normale Trubel. Mitarbeiter und Besucher huschten durch das Atrium, die Wachen überprüften Zauberstäbe und verteilten Aufkleber, die Memos zischten über die Köpfe hinweg und in den Kaminen loderten regelmäßig grüne Flammen auf, wenn wieder jemand kam oder ging.

Zielstrebig machte ich mich auf den Weg in die Aurorenzentrale.

Kingsley begrüßte mich, als ich eintraf.

„Wo warst du?", fragte er leise.

„In einem Versteck. Ich habe es in dem Haus nicht länger ausgehalten", meinte ich ehrlich.

Kingsley bedachte mich mit einem prüfenden Blick, dann gab er seufzend nach. „Das kann ich verstehen, aber sag das nächste Mal Bescheid. Wir haben uns Sorgen um dich gemacht. Selbst Tonks hat nichts von dir gehört. Auch von Barty fehlte jede Spur. Wir konnten eine Flucht nicht ausschließen, genauso wenig, ob er dich irgendwo gefangen hält. Wobei Molly, Remus und Tonks der Meinung waren, dass er das nicht tun würde."

Ich fiel innerlich zusammen. So weit hatte ich nicht einmal in den letzten Tagen gedacht. „Es geht mir gut. Barty ist bei mir. Er unternimmt keinen Fluchtversuch und es wirkt auch nicht so, als ob er mit irgendwem Kontakt hat."

„Sei vorsichtig, Kate. Mit ihm ist nicht zu spaßen. Wer weiß, was er macht, wenn du nicht in unmittelbarer Nähe bist."

Ich wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment erklang ein „Miss Armstrong" hinter mir. Ich drehte mich langsam um und erkannte meinen früheren Chef. Neben ihm stand ein Mann mittleren Alters. Er trug einen schwarzen Nadelstreifenumhang, das dunkle Haar war von einigen wenigen grauen Strähnen durchzogen und ein leichter Bartschatten war auf seinem Gesicht zu erkennen. Alles in allem war er gutaussehend und wirkte seriös und selbstsicher. Er war es auch gewesen, der meinen Namen gerufen hatte.

„Wir reden später", flüsterte Kingsley mir zu, während ich mich schon zu den beiden Männern gewandt hatte.

„Miss Armstrong, bitte folgen Sie uns", meinte der Mann gerade und lief vorweg.

Ich warf Scrimgeour einen fragenden Blick zu, den dieser nur mit einem angedeuteten Lächeln quittierte.

Wir gingen in das Büro, dass einmal Scrimgeour gehört hatte. Auf dem Schreibtisch stand nun jedoch ein neues Namensschild mit dem Schriftzug ROBARDS.

„Bitte setzen Sie sich", sprach der Mann und nickte auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch. Er selbst nahm hinter diesem Platz und zog sich die oberen zwei Akten aus dem Stapel zu seiner rechten herbei. Er breitete die dünnere von beiden aus und verteilte sorgfältig einige Pergamente auf der freien Schreibtischfläche.

Scrimgeour lehnte sich schräg hinter ihm gegen den Schrank, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ seinen Blick auf mir ruhen.

Unweigerlich wurde mir etwas mulmig zumute.

„Miss Armstrong, ich bin Gawain Robards, der neue Leiter der Aurorenzentrale. Wir sind uns bisher noch nicht begegnet, wie ich gehört habe, da Sie offiziell beurlaubt sind", sprach er ohne aufzuschauen.

Mein Blick überflog die einzelnen Blätter. Sie handelten alle von dem Zwischenfall in der Mysteriumsabteilung. Tränen stiegen mir in die Augen, als ich ein Bild von Sirius entdeckte, mit der Notiz, dass seine Leiche halb hinter dem Vorhang des Bogens des Todes gefunden worden war. Somit hatte sich das Problem Sirius Black von selbst gelöst.

„Wie geht es Ihnen, Armstrong?", fragte Scrimgeour. Ihm war meine Gefühlsveränderung aufgefallen, auch, wenn er den Ursprung nicht kannte.

Nun schaute auch Mister Robards auf und musterte mich neugierig.

„Ganz gut, Sir", meinte ich vage.

Scrimgeour nickte, auch wenn er es mir nicht glaubte.

Der Blick von Robards ruhte auf mir. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Miss Armstrong. Auch Ihre Akte", er deutete auf die geschlossene, dickere Akte, „ist beeindruckend. Zumindest, bis zu dem Punkt, an dem Mister Fudge Sie diskreditiert hat. Er hatte ein Problem mit Ihrer Aussage und Einstellung zu den Geschehnissen in Hogwarts, Sommer 1995. Heute wissen wir alle, dass es ein Fehler war. Sie, Professor Dumbledore und Harry Potter hatten Recht. Doch damals wollte man Ihnen nicht glauben." Er stockte kurz, lehnte sich etwas weiter vor und faltete die Hände ineinander, als er sie auf dem Schreibtisch ablegte.

„Weshalb Sie heute hier sind, wissen Sie. Sie waren bei dem Zwischenfall in der Mysteriumsabteilung anwesend. Es sollte Sie beruhigen, dass wir alle beteiligten Todesser ergreifen und inhaftieren konnten. Bis auf Bellatrix Lestrange."

Ich zuckte zusammen. Ausgerechnet sie hatten sie nicht ergreifen können. Ihr war die Flucht gelungen, zum zweiten Mal.

„Der Fall ist weitestgehend geklärt und steht kurz vor dem Abschluss. Doch für die Vollständigkeit brauchen wir auch noch Ihre Darstellung der Dinge."

Ich nickte, nach wie vor nicht in der Lage zu sprechen.

Für einen kurzen Zeitraum legte sich eine fast schon beklemmende Stille über das kleine Büro. Die beiden Männer musterten mich und ich sie. Eine Patt-Situation.

Schlussendlich durchbrach Robards das Schweigen, nachdem er eine Flotte-Schreibe-Feder aus einer Schublade genommen und sie zu dem leeren Pergamentbogen gelegt hatte.

Misstrauisch beäugte ich diese. Ich kannte nur eine Person, die eine solche Feder besaß und deren an den Haaren herbeigezogene Ergüsse konnte man täglich in der Zeitung bestaunen.

Robards bemerkte meinen Blick. „Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Diese Feder nimmt mir nur die Arbeit ab, Ihre Aussage mitschreiben zu müssen. Es wird weder etwas hinzugefügt, noch umgeschrieben oder weggelassen."

Weiterhin skeptisch nickte ich.

„Also gut", seufzte Robards, „dann beginnen wir mal."

Er stupste die Feder an, die sich daraufhin aufrichtete und am oberen linken Rand positionierte.

„Mein Name ist Gawain Robards, Leiter der Aurorenzentrale. Es ist der 21.07.1996...", er stoppte und warf einen flüchtigen Blick auf die teure Uhr an seinem Handgelenk, „10.47 Uhr. Im Folgenden wird Miss Cathrine Rosalie Armstrong, Aurorin, ihre Aussage zu dem Angriff in der Mysteriumsabteilung offiziell wiedergeben. Als Zeuge fungiert Mister Rufus Scrimgeour, Zaubereiminister.

Bitte, Miss Armstrong, schildern Sie uns, was in der Mysteriumsabteilung geschehen ist."

Er verstummte und schaute mich erwartungsvoll an.

Ich hatte die Feder beobachtet, die tatsächlich nichts weiter geschrieben hatte, als das, was Robards gesagt hatte.

Sie weiterhin beobachtend, begann ich, alles zu erzählen, was passiert war, seit ich das Ministerium betreten hatte.  

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