Der schwerste Gang meines Lebens stand mir bevor. Heute fand die Beerdigung der Gefallenen der Schlacht um Hogwarts statt. Ich musste mich endgültig von Tonks und Remus verabschieden. Die Tage seit der Schlacht waren in einem monotonen Tunnel an mir vorbeigezogen. Barty hatte mich in unser Haus gebracht, wo ich stumpf auf dem Sofa saß und durch das Fenster in den Vorgarten starrte. Ich konnte mich weder darüber freuen, dass wir gewonnen hatten, noch, dass Voldemort tot war oder Barty und ich wieder vereint waren. Alles, was in meinem Inneren vorging, war eine gähnende Leere, eine Dunkelheit, gegen die ich nicht ankämpfen wollte und konnte.
Der Preis, den wir bezahlt hatten, war zu hoch gewesen.
Barty hatte mir in den Tagen still beigestanden. Es stand nichts mehr zwischen uns. Alles war gesagt worden. Ich hatte bisher nicht die Kraft gehabt, meine eigene Vergangenheit zu verarbeiten. Normalerweise wäre ich zu Tonks gegangen und hätte mit ihr darüber geredet. Sie hätte mir aufmerksam zugehört und dann gemeint, dass das alles egal wäre und ich für sie immer noch die Cathrine Armstrong wäre, die ich unser Leben lang gewesen war. Unser Leben lang... ihres war vorbei. Ihr Zeitstrahl war stehen geblieben und würde auch nicht mehr weiterwandern. Es gab nur noch meinen. Wie sollte ich ohne sie weitermachen?
Barty drückte sachte meine Hand. „Es wird Zeit."
Wir mussten los. Nach Hogwarts. Den Tatsachen ins Auge sehen. Die verabschieden, die den Preis für unsere Freiheit bezahlt hatten. Die stillen Helden.
Ich erhob mich schwerfällig und nahm Bartys Hand. Gemeinsam apparierten wir.
Es war ironischerweise ein wunderschöner Tag. Die Sonne schien, das Wasser des Großen Sees glitzerte im Licht, die Vögel zwitscherten. Hogwarts lag als Ruine vor uns. Nach einem kurzen Blick darauf, wandten wir uns der vorbereiteten Wiese zu. Es hatten sich bereits viele Leute dort versammelt. Ein Denkmal schilderte die Geschichte. Dahinter erstreckte sich ein Feld, gespickt mit kleinen Gedenktafeln im Gras. Auf ihnen standen die Namen der hier Ruhenden. Inklusive der Geburtsdaten. Eines hatten sie alle gemein... das Datum des Todes.
Mein Herz wurde schwer, als ich die Anzahl sah.
Barty führte mich durch die Reihen, bis er zwischen zwei Tafeln stehen blieb, die dicht beieinander lagen. Vor ihnen stand eine Frau. Ich wusste, wo wir waren.
„Kate, Liebes", sprach die Frau mit brechender Stimme.
Sofort brach ich in Tränen aus. Die Frau überreichte Barty ein kleines Bündel, dann drückte sie mich fest an sich.
Andromeda gab mir Halt. Und ich ihr.
„Kommt Ted auch?", fragte ich und versuchte sie durch den Tränenvorhang in meinem Gesicht hindurch anzuschauen.
Ein noch traurigerer Schleier legte sich über ihr Gesicht.
„Hat Dora es dir nicht gesagt?", fragte sie.
Ich blinzelte verwirrt und schüttelte den Kopf.
„Ted wurde auf der Flucht von Greifern geschnappt und getötet", hauchte sie und wischte sich die Tränen beiseite.
Ich taumelte geschockt und spürte kurz darauf Bartys Hand in meinem Rücken, die mich stützte.
Andromeda hatte Teddy wieder in ihre Arme genommen, damit Barty mich besser halten konnte.
Ich starrte mein Patenkind an. „Der Name", meinte ich mit trockenem Mund.
Andromeda nickte. „Er ist eine Hommage an ihren Vater."
So lange war Ted also schon tot. Und niemand hatte mir etwas erzählt. Ich hatte aber auch nie gefragt. Zu sehr war ich mit meinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen. Nur auf mich selbst fokussiert.
Erneut brachen Tränen aus. Ich war eine grauenhafte Freundin gewesen.
„Es tut mir so leid", schluchzte ich.
„Es muss dir nichts leid tun", entgegnete Andromeda ruhig.
„Ich habe nie nach ihm gefragt. Dabei hätte Tonks mich gebraucht."
„Du warst für sie da. Auch wenn sie nichts gesagt hat. Du warst immer für sie da, wenn sie dich gebraucht hat."
Ich schüttelte den Kopf.
„Doch, glaub mir. Eine Mutter weiß das." Sie lächelte mich liebevoll an.
„Jetzt bist du auch allein", flüsterte ich.
Doch Andromeda schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, bin ich nicht. Ich habe den kleinen Ted. Und ich habe dich, meine zweite Tochter."
Mein Herz brach.
„Und du bist auch nicht allein, Kate. Wir haben uns. Ich habe meinen Enkel, ich habe dich und ich habe einen wunderbaren Schwiegersohn, den ich sehr gerne endlich kennenlernen möchte. Und bald habe ich noch zwei weitere Enkel. Verstehst du, Kate? Wir sind eine Familie."
Arm in Arm standen wir vor den Tafeln und nahmen Abschied. Ich hatte endgültig verstanden, dass ich niemals allein gewesen war. Ich hatte eine Familie. Und Remus und Dora würden in diese hineingeboren werden.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
