Ich hatte die Nacht unruhig geschlafen. Barty war auch nach Stunden nicht zurückgekehrt. Irgendwann hatte die Angst die Wut abgelöst. War er endgültig weg? Hatte er sich in seiner Wut auf die Suche nach Todessern oder gar Voldemort persönlich gemacht? War alles, was wir lebten, eine Lüge?
Da ich dringend etwas Schlaf gebraucht hatte, war ich irgendwann ins Bett gegangen. Als der Wecker klingelte, drehte ich mich zu Bartys Seite, in der Hoffnung, er würde neben mir liegen. Doch seine Seite war noch immer verwaist. Ängstlich stand ich auf. Ich wollte nicht, dass er etwas dummes tat. Nicht, nachdem wir so lange gekämpft hatten.
In Unterwäsche drehte ich eine Runde im Haus und entdeckte ihn schlafend auf dem Sofa. Er trug noch die Kleidung vom Vortag und hatte sich mit einer der Wolldecken zugedeckt, die im Wohnzimmer lagen.
Leise ging ich zurück in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen. Anschließend schlich ich mich aus dem Haus und zündete mir eine Zigarette an.
Während ich mit nichts weiterem als der Unterwäsche auf der Verandatreppe saß, ließ ich mir unseren gestrigen Streit noch einmal durch den Kopf gehen. Hatte ich überreagiert? Oder hatte er es als Vertrauensbruch angesehen, dass ich seine Entscheidung nicht einfach hingenommen hatte? Aber es war doch mein gutes Recht, die Wahrheit einzufordern, oder?
Stöhnend nahm ich einen Schluck Kaffee. Mir pochte der Schädel. Schlafmangel und Streit sei dank.
„Hier, es ist zu kalt für dein Outfit", erklang Bartys Stimme hinter mir. Erschrocken zuckte ich zusammen. Im nächsten Moment spürte ich den Stoff einer Wolldecke auf meinen Schultern. Sie war warm und roch nach Barty. Es musste die sein, mit der er sich zugedeckt hatte.
Das Holz neben mir knarzte leicht, als Barty sich neben mich setzte.
„War kein glorreicher Abend, was?", meinte er und stupste mich an.
Ich begann zu grinsen und schüttelte den Kopf.
„Unser erster richtiger Streit", meinte ich.
Barty überlegte kurz. „Stimmt. In Hogwarts haben wir nie gestritten. Und danach..." Er ließ den Satz unbeendet.
Danach hatte es nie die Chance für einen Streit gegeben. Er war weg, hatte den Kontakt abgebrochen und war schließlich verhaftet worden. Nur ein paar Jahre später hatte er als tot gegolten.
„Es fühlt sich scheiße an", meinte er.
Ich nickte zustimmend. „Wo warst du gestern?", fragte ich ihn direkt. Ein Teil von mir hatte zwar angst vor der Antwort, doch ich musste es einfach wissen.
„In der Kneipe im Dorf", meinte er. „Ich brauchte etwas Abstand und musste mich sammeln."
„Du warst lange weg", stellte ich fest.
„Schon einen Moment", gestand er. „Und danach habe ich einige Zeit vorm Haus gewartet. Ich wollte sichergehen, dass du schläfst, bevor ich reinkam."
„Warum?", fragte ich und starrte geradeaus.
Barty seufzte. „Ich weiß, dass du Antworten willst. Und du hast auch alles Recht darauf. Aber ich kann dir einfach jetzt noch nichts erklären. Im Moment sogar noch weniger als vor einem Jahr."
Es fühlte sich an, als hätte er mit einem Messer zugestochen. Wie sehr Worte einen doch verletzen konnten. Genauso stark wie das fehlende Vertrauen, was er wohl in mich hatte.
„Ich muss mich fertig machen", meinte ich und stand auf.
Barty blieb sitzen. Ich warf ihm einen letzten Blick zu, dann ging ich ins Haus. Mit aller Gewalt hielt ich die Tränen zurück bis ich im Badezimmer angekommen war. Dann ließ ich sie los. Es tat so weh, wie er sich verhielt.
Unter Tränen zog ich mich an und putzte mir die Zähne. Schminken konnte ich mich heute nicht. Die unaufhörlich laufenden Tränen verhinderten dies. Vielleicht sollte ich mich einfach krankmelden. Doch ich brachte es nicht übers Herz meine Kollegen im Stich zu lassen. Also atmete ich mehrmals tief ein und aus und versuchte mich zu beruhigen. Sobald ich nicht mehr so verquollen war, verließ ich das Bad, drückte Barty einen Abschiedskuss auf die Backe und verließ das Grundstück um zu apparieren.
Im Ministerium erwartete mich das typische Gewusel. Ich bahnte mir meinen Weg zu meinem Arbeitsplatz und ließ mich an meinem Schreibtisch nieder.
Dann starrte ich an die Decke. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. Aber es tat gut, aus dem Haus zu sein.
„Hey, Kate", begrüßte mich eine Stimme neben mir.
Ich drehte verwundert den Kopf in die Richtung und erkannte Kingsley. Er stand am Rand meiner Parzelle und musterte mich neugierig.
„Hey", meinte ich.
„Alles gut bei dir?", hakte Kingsley nach.
„Könnte nicht besser sein", log ich wenig überzeugend.
„Wenn du reden willst, kannst du jederzeit zu mir kommen", bot Kingsley mir an. Ich nickte dankend.
„Was führt dich zu mir?", fragte ich.
Kingsley schien sich daran zu erinnern, weshalb er eigentlich zu mir gekommen war. Er beugte sich zu mir herunter und flüsterte: „Mit der Ernennung von Snape als Schulleiter, ist Hogwarts nicht mehr sicher für unsere Geheimnisse."
Das hatte ich mir schon gedacht. Hätten wir das beibehalten, hätten wir all unser Wissen auch direkt an Voldemort adressiert zu ihm schicken können.
„Wir sind nur noch wenige. Alles läuft jetzt über den Fuchsbau."
Ich schaute ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Sicher, dass wir das Zuhause der Weasleys in Gefahr bringen wollen, indem wir es zur Zentrale machen?"
„Molly und Arthur haben dies vorgeschlagen. Und in Ermangelung geeigneter Alternativen haben wir dem zugestimmt. Du kannst dir auch schon mal merken, dass wir uns nächste Woche vom Orden her treffen."
Verwirrt zog ich die Nase kraus. „Warum? Ist etwas passiert?", fragte ich beinahe ängstlich.
Kingsley schüttelte den Kopf. „Wir müssen Harry umquartieren. Und dazu sollten wir uns absprechen."
Ich nickte verstehend. „Sicher, dass das so eine gute Idee ist?"
„Wir haben keine andere Wahl. Er wird bald volljährig und es ist zu gefährlich, ihn bei den Dursleys zu lassen. Und im Moment können wir auch schlecht mit ihm einfach so durch die Gegend spazieren."
Das war einleuchtend.
Ich sagte zu. Kingsley ging wieder. Er hatte noch einiges zu tun, genauso wie ich.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
