Kapitel 69

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Die Tage vergingen langsam. Remus hatte mich zurück zu ihnen gebracht. Tonks hatte panisch auf uns gewartet und war außer sich, als man ihr erzählt hatte, dass ich mich an nichts erinnern konnte. Die restlichen Ordensmitglieder waren benachrichtigt worden und man sprach von einem Angriff auf mich.

Mich hatten die Erinnerungsfetzen jedoch nicht in Ruhe gelassen. Bartys Gesicht. Wir hatten das schon einmal. Nach Sirius' Tod. Ich war zu aufgebracht und aufgelöst gewesen, hatte aber dringend Ruhe gebraucht. Damals hatte Barty mich so angeschaut, sich entschuldigt, mir den Zauberstab vor das Gesicht gehalten und mich schlafen gelegt. Warum kam diese Erinnerung ausgerechnet jetzt wieder? Aber etwas daran stimmte nicht. Barty war damals noch hagerer im Gesicht gewesen, als das Bild seines Gesichts, was ich seit Tagen vor Augen hatte. Spielte mein Verstand mir einen Streich?

Tonks gab sich alle Mühe, mich aufzuheitern. Doch ich machte mir mehr Sorgen um sie. Sie stand kurz vor der Geburt. Es konnte jederzeit so weit sein. Im Zuge der Ereignisse hatten Remus und Tonks umgeplant und sich für eine Hausgeburt entschieden. Wenn es soweit war, würde Molly als Unterstützung kommen.

Genau dieser Tag setzte Mitte Januar ein.

Die Wehen hatten beim Frühstück eingesetzt, was für allgemeine Aufregung gesorgt hatte. Remus schien völlig von der Rolle zu sein. Eigentlich hatten wir einen Plan mit genauen Aufgaben und Anweisungen für jeden von uns erstellt. Doch außer mir schien sich gerade niemand daran erinnern zu können.

Meine Aufgabe war es, dass ich Molly und Andromeda sofort Bescheid geben sollte. Also schnappte ich mir zwei Streifen Pergament und schrieb lediglich Es geht los. Kate darauf. Sie würden sofort wissen, was los war.

Nachdem ich sowohl meine Eule als auch die von Tonks losgeschickt hatte, brachte ich Tonks ins Schlafzimmer. Sie hatte sich diesen Raum ausgesucht. Sobald sie im Bett lag, schnappte ich mir Remus und stutzte ihn zurecht. Wieder in der Realität angekommen, begann er damit, das Bett für Tonks gemütlich zu machen.

Wenig später tauchte Molly bereits auf. Nach einer knappen Begrüßung ging sie zu Tonks und schloss die Tür. Andromeda folgte wenig später. Remus und ich ließen uns im Wohnzimmer nieder. Wir hatten abgesprochen, dass Remus hinzukam, wenn die Geburt richtig losging. Das konnte laut Molly aber noch dauern.

Ich vertrieb mir die Zeit, indem ich weiter auf meinen nicht vorhandenen Erinnerungen nachdachte. Mein Verstand wollte mir etwas mitteilen. Sonst würde er mir nicht immer wieder das Bild von Bartys Gesicht zeigen. Und es passte einfach nicht. Remus musterte mich.

„An was denkst du?", fragte er neugierig. Ich wusste, er war auf der Suche nach Ablenkung.

„Nichts", meinte ich ausweichend.

„Ich sehe dir an, dass du seit Tagen über etwas grübelst."

„Nichts von belang."

Remus brummte. „Ich glaube schon. Du bist komisch, seit wir dich in Godric's Hollow gefunden haben."

Ich lachte trocken. „Wärst du wohl auch, wenn du dich nicht erinnern könntest."

„Die Frage ist nur, warum du dich nicht erinnern kannst. Weder ich noch Kingsley haben eine Verletzung am Kopf bei dir gefunden. Auch sonst keine. Und es gab keinerlei Hinweise, dass du gewaltsam in diese Hütte gebracht worden wärst. Als hätte jemand mit deinen Erinnerungen gespielt", sprach er nachdenklich.

Als hätte jemand mit deinen Erinnerungen gespielt. Dieser Satz hallte in meinem Kopf nach.

Ich setzte mich abrupt auf.

„Was ist?", fragte Remus und war ebenfalls im Begriff sich aufzusetzen.

„Was ist, wenn wirklich jemand mit meinen Erinnerungen gespielt hat?", meinte ich aufgeregt.

„Es gab keine Hinweise auf eine weitere Person." Remus runzelte die Stirn.

„Es muss aber jemanden gegeben haben. Ich komme ja nicht einfach auf die Idee, mich während eines Auftrages in ein verfallenes Bett zu legen und zu schlafen. Da muss jemand gewesen sein. Und ich habe auch einen Verdacht, wer."

Ich hatte Remus' ungeteilte Aufmerksamkeit. „Wer?"

„Barty", sprach ich mit fester Stimme.

Remus riss erschrocken die Augen auf. „Wie kommst du auf ihn?"

Ich erzählte ihm alles. Die Situation damals im Haus der Blacks. Was mir als Erinnerungsfetzen wiedergekommen war. Wie versucht worden war, beim zweiten Mal das erste Mal zu kopieren, aber das mein Verstand mir den Hinweis gab, dass die Gesichter nicht zusammenpassten.

„Und warum sollte er das machen?", fragte Remus skeptisch, nachdem ich geendet hatte.

„Weil er mal wieder etwas verheimlichen will. Vielleicht ja sogar, dass er ebenfalls da war."

„Noch mal, und warum sollte er das tun? Er weiß genau, dass wir wissen, was er gemacht hat. Es gibt keinen Grund, dass er dir diese Erinnerung nimmt."

„Vielleicht hat er ja aus Versehen etwas zu mir gesagt, was ich nicht wissen darf."

„Er ist viel zu schlau, als dass ihm so etwas passiert."

„Kannst du mal aufhören, ihn in Schutz zu nehmen?", fragte ich angesäuert.

„Ich nehme ihn nicht in Schutz. Es sind lediglich Punkte, die du beachten solltest."

Mir war jedoch ein weiterer Gedanke gekommen. „Wo ist mein Kleid von Weihnachten?"

Remus sah mich an, als hätte ich jetzt endgültig den Verstand verloren. „In deinem Zimmer, nehme ich an."

Ich schoss die Treppe hinauf, einen verwirrten Remus dicht auf den Fersen. Wir kümmerten uns auch nicht um die irritierten Blicke von Molly, Tonks und Andromeda, als wir an der offenen Tür vorbeiliefen.

Ich fand mein Kleid auf dem Stuhl in der Zimmerecke neben dem Schrank. Ich hatte es achtlos über die Lehne geworfen.

Genauestens scannte ich das gesamte Kleid ab. Auf Höhe der linken Brust fand ich zwei kleine Löcher in der Spitze.

„Ha, siehst du?" Damit hielt ich Remus das Kleid vors Gesicht.

„Was soll ich sehen?", fragte er verwirrt.

„Die Löcher." Ich deutete darauf.

„Und?"

„Da war was. Wenn ich nur wüsste, was."

„Du bist verrückt."

Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, drückte ihm das Kleid in die Hand und ging auf die Knie. Unter den skeptisch verwirrten Blicken von Remus krabbelte ich über den Boden und suchte die komplette Ecke ab. Als ich bereits aufgeben wollte, nahm ich ein Glitzern aus dem Augenwinkel wahr. Etwas lag unter dem Schrank. Ich legte meinen Kopf auf den Boden und schaute nach. Ja, da war was.

Ich streckte den Arm durch und bekam das Ding zu fassen. Sobald ich wieder auf den Beinen war, öffnete ich meine Hand. Darin lag eine Brosche in Form einer Rose.

„Was ist das?", fragte Remus, während er die Brosche anschaute.

Doch ich konnte ihm nicht antworten. In meinem Kopf war eine Barriere zerbrochen und Erinnerungen prasselten auf mich nieder. Die kompletten verlorenen 24 Stunden, bzw. die Stunden, die ich wach gewesen war.

Ich hatte recht. Da war Barty gewesen. Wir hatten miteinander geredet und geschlafen und dann hatte er die Szene im Black Haus wiederholt. Nur, dass er mich dieses Mal nicht nur schlafen gelegt, sondern auch mein Gedächtnis manipuliert hatte. Dieser Mistkerl.

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