Die Zeit raste nur so dahin, seit ich meinen Job wieder aufgenommen hatte. Ich verließ morgens bei Zeiten das kleine Haus und kam abends recht spät wieder zurück. Mich erwartete jeden Abend eine leckere Mahlzeit und im Anschluss redeten Barty und ich über unseren Tag. Er beteuerte mir, dass er nichts weiter machen würde, als sich um Haus und Garten zu kümmern und in seiner freien Zeit zu lesen. Zeugnis dessen waren die vielen Bücher, die überall herumlagen. Wenn er die Wahrheit sprach, war es ein ziemlich ödes Leben, doch er schien sich zu bemühen, dieses beizubehalten. Ich hingegen war komplett ausgeschöpft mit meiner Arbeit. Seit der Rückkehr Voldemorts gab es mehr zu tun als wir Personen waren.
Wir konnten nichts gegen das Aussterben der Winkelgasse machen. Selbst im Fall Ollivander waren wir zu spät gekommen. Die Kollegen hatten nur einen verwüsteten Laden vorgefunden, doch von dem alten Mann fehlte jede Spur.
Die Arbeit im Orden nahm zusätzlich zu. Die Todesser erstarkten und ihre Zahl stieg an. Die Nokturngasse war ein gefährlicher Ort für Auroren geworden. Kaum einer wagte sich noch dahin. Es war wundervoll im Kontrast dazu den aufblühenden Laden der Weasley-Zwillinge zu sehen. Ein Ort der Freude und Ausgelassenheit. Doch es war fraglich, wie lange es so sein würde. Die Zwillinge waren dem Orden endgültig beigetreten und sammelten bei ihrer Kundschaft Informationen und Neuigkeiten.
Die Stimmung bei den Treffen war angespannt, jedem war bewusst, dass sein Leben in Gefahr war, würden wir den Todessern begegnen. Wir waren zahlenmäßig immer mehr unterlegen. Das Ministerium kämpfte mit großer Mühe gegen alle Widrigkeiten an, doch wie lange dieses standhaft bleiben würde, war ebenso ungewiss.
Uns allen war klar, dass Voldemort sich irgendwo da draußen neu formierte. Und wir hatten einen seiner höchsten Anhänger noch immer in Gefangenschaft. Barty hatte sich bezüglich dieses Themas vollends in Schweigen gehüllt. Er las den Tagespropheten, doch kommentierte nichts. Er unternahm keinen Ausbruchsversuch, sondern genoss unser Leben in dem Haus. Voldemort hatte scheinbar keinerlei Informationen über ihn. Ob er auf der Suche nach ihm war?
Selbst Dumbledore war geheimnisvoller als je zuvor. Was auch immer seine Mission war, er ließ uns alle im Unklaren. Er hatte Slughorn für Hogwarts rekrutiert, vermutlich nicht ohne Hintergedanken, den er uns aber auch nicht mitteilte.
Zudem waren Auroren in Hogwarts eingesetzt. Sie patrouillierten im und ums Schloss und zogen Schutzzauber hoch. Auch Tonks war dort eingesetzt. Ich hatte mürrisch abgelehnt, da ich nicht so lange fern bleiben konnte.
Die Monate zogen ins Land und Weihnachten stand vor der Tür. Molly hatte eingeladen, auch wenn ich nicht wirklich Lust hatte, dort vorbeizuschauen.
Seit Bill und seine Verlobte, Fleur Delacour, sich im Orden engagierten, waren sie in die Heimat zurückgekehrt. Es war ein offenes Geheimnis, was Molly von der Französin hielt. Somit würde man an diesem Weihnachten nicht nur die allgemeine angespannte Stimmung haben, sondern auch noch ein frostiges Familienverhältnis obendrein. Was das Ganze noch schlimmer machte, war die Tatsache, dass Molly sowohl Remus als auch Tonks eingeladen hatte. Tonks war nicht mehr sie selbst, seit sie Lupin ihre Liebe gestanden und dieser sie abgelehnt hatte. Und ich hatte noch Barty. Molly hatte ihn ebenfalls eingeladen, da sie wusste, er wäre sonst allein, doch wirklich willkommen war er nicht.
Nichtsdestotrotz klopften ein adrett zurechtgemachter Barty und ich am Nachmittag des Weihnachtstages an die Tür des Fuchsbaus. Ich hatte für alle ein Geschenk besorgt. Den gewaltigen Stapel balancierte Barty gekonnt neben mir.
Molly öffnete uns gestresst wirkend die Haustür, doch als sie mein lächelndes Gesicht sah, erhellte sich ihre Miene.
„Kate, Liebes. Wie schön, dass es geklappt hat", meinte sie strahlend.
Bartys Gesicht lugte hinter dem Stapel hervor. Molly betrachtete ihn und brachte ein sehr überzeugendes „Hallo, Barty, schön dich zu sehen" hervor. Barty erwiderte den Gruß und dankte für die Einladung.
Wir betraten das Haus, in dem die Atmosphäre frostiger war als draußen.
„Wir bleiben nicht länger als nötig", hauchte mir Barty zu.
Ich nickte zustimmend.
Der Abend zog sich wie Kaugummi. Die Stimmung war in allen Altersklassen bis zum Zerreißen gespannt. Erstaunlicherweise waren Barty und ich am gelassensten.
Selbst der Besuch des Ministers konnte ohne Probleme stattfinden, da wir Barty kurzerhand in einem Wandschrank versteckten.
Tonks und ich kamen gar nicht dazu, uns richtig zu unterhalten. Sie sah schlimmer aus als je zuvor. Ich versuchte sie immer mal zu trösten, doch die bloße Anwesenheit Lupins machte es nicht besser.
Einen kurzen Moment lang hatte ich mich mit Lupin über seinen Auftrag bei den Werwölfen unterhalten können, bevor Harry uns mit seinen Theorien über Snape und Malfoy unterbrach.
Barty hörte aus dem Hintergrund zu, doch irgendwann lachte er auf. Alle Blicke schossen zu ihm. Sichtlich amüsiert beugte er sich vor. „Ich finde deine Ideen nicht schlecht, wirklich. Aber lass mich dir eins sagen. Wenn Voldemort sich etwas in den Kopf setzt, dann hat er für jeden Plan mindestens zwei Alternativpläne, die den entstehenden Dreck beim Versagen des eigentlichen Plans aufräumen und zielführender sind, als der Ursprungsplan."
„Woher willst du das wissen?", schoss Harry empört heraus.
Barty glitt alles aus dem Gesicht, bevor er wahrlich herzhaft lachte. „Schon vergessen, wer ich bin?"
Harry schien dies in diesem Moment ebenfalls wieder einzufallen, denn in seinen Blick trat etwas, was mir nicht gefiel.
„Du warst ja ein ziemlich hohes Tier...", begann er.
„Vorsicht, Harry", warnte ich ihn, doch Barty winkte ab.
„Kann man so sagen", meinte er mit seinem typischen Grinsen.
„Woran ist Voldemort interessiert? Was ist sein Plan?", fragte Harry.
„Die Weltherrschaft an sich zu reissen", erwiderte Barty tonlos.
„Nein, wirklich", beharrte Harry.
„Ich weiß es nicht. Seit mehr als einem Jahr genieße ich nun schon eure Gesellschaft. Woher soll ich also wissen, was gerade vor sich geht?" Mit einer hochgezogenen Braue schaute er Harry fragend an.
Jetzt war auch Harry sprachlos. „Aber du musst doch eine Vermutung haben", setzte er wieder an.
Barty seufzte. „Es gibt 2 Personen, hinter denen Voldemort her ist. Die eine bist du, Harry. Er weiß, dass du gut geschützt wirst und es nicht leicht ist, an dich heran zu kommen. Also wird er es auf verschiedenen Wegen versuchen. Eine der sichersten Methoden ist es, die Macht an sich zu reissen und alles zu unterdrücken, was dem gegenüber steht. So kann er deinen Schutz eindämmen und du kannst dich nicht mehr so gut verstecken."
„Und die andere Person?", fragte Ron, doch auch alle anderen blickten aufmerksam und neugierig zu Barty.
„Um die andere Person braucht ihr euch keine Gedanken machen. Sie ist in Sicherheit", meinte er nur und warf mir einen Blick zu.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
