Kapitel 67

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Godric's Hollow war verschneit und friedlich. Keine Menschenseele war auf den Straßen unterwegs. Der Schnee knirschte unter meinen Schuhen als ich vorsichtig die Straßen abging. An der Ruine des Potter Hauses blieb ich einen Moment stehen. Mit einem kleinen Schlenker meines Zauberstabs ließ ich eine weiße Rose erscheinen, die langsam auf der Gartenmauer zum Liegen kam.

Dann ging ich weiter.

Ich kam zu einem Friedhof. Während ich diesen abging, fiel mir der recht neue Blumenkranz auf Lilys und James' Grab auf. Hier war vor kurzem tatsächlich jemand gewesen. Und mir fiel nur eine Person ein, die Interesse an so einer lieblichen Geste haben könnte.

Da der Friedhof ansonsten so leer war, wie die Straßen, ging ich weiter.

Vor einem Haus lagen Glassplitter auf der Straße, sowie einige kleinere Brocken Putz. Während ich in der Hocke die Sachen genauer anschaute, hörte ich Schritte hinter mir.

Mit einem Satz stand ich aufrecht und wirbelte mit erhobenem Zauberstab herum.

Ich traute meinen Augen nicht. Da stand er. Drei Meter von mir entfernt und schaute mich ebenso ungläubig an.

Ich war mal wieder so sentimental gewesen, dass ich das Schmuckset trug. Es war ihm sofort aufgefallen. Sein Blick wanderte an mir herab und wieder hinauf. Ich trug noch das schwarze Spitzenkleid und dazu passend Kette, Ohrringe und das Armband. Und wie immer, den Verlobungsring, zusammen mit meinem Ehering. Als ich seinen Ehering am Finger erkannte, verschlug es mir die Sprache. Obwohl er erneut abgehauen war und sich seinem Meister angeschlossen hatte, trug er offen den Ehering. Unwillkürlich fragte ich mich, was sie wohl dazu gesagt hatten.

„Kate", hauchte er.

Wie angewurzelt blieb ich, wo ich war. Ich sollte eigentlich schleunigst verschwinden, doch konnte ich es nicht. Wie lange sollte dieses Spiel noch dauern? Jede Runde fing immer gleich an; wir trafen aufeinander, er hauchte meinen Namen, ich ließ mich bequatschen, wir hatten eine tolle Zeit und dann verschwand er wieder. Der Kreislauf unserer Geschichte. Und ich war langsam müde davon.

Der übriggebliebene Rest meines Stolzes regte sich. Mit steifen Schritten drehte ich mich von ihm weg und setzte mich in Bewegung.

Vermutlich war es unklug, einem Todesser den Rücken zuzukehren, doch ich wusste, Barty würde mich nicht hinterrücks angreifen.

Während ich versuchte, ihn zu ignorieren, folgte er mir.

„Kate, warte!"

Auch dies ignorierte ich. Meine Schritte wurden immer schneller, doch seine ebenfalls.

„Was machst du hier?", fragte er mich. Er hatte mich eingeholt und griff meinen Arm. Abrupt kam ich zum Stehen und wurde zu ihm herumgedreht.

Automatisch blickte ich ihm ins Gesicht. Auf seiner Mimik spiegelten sich Wut, Unglaube und Trauer.

„Noch mal, was machst du hier?"

„Was soll ich hier machen? Wahrscheinlich dasselbe wie du!", zischte ich wütender, als ich es beabsichtigt hatte.

Meine Augen verengten sich zu Schlitzen, während ich ihn giftig anschaute. Mit einem Ruck löste ich meinen Arm aus seinem Griff und marschierte erneut weg von ihm.

Und wieder folgte er mir.

„Das ist zu gefährlich!", meinte er aufgebracht.

Es war wie ein Deja-vu. Auch dieses Gespräch hatten wir schon mehr als einmal geführt.

„Hör zu, Barty! Lass mich einfach in Ruhe! Ich habe meinen Auftrag und du scheinbar deinen. Mal wieder führte uns das Pech zusammen. Aber du wirst mir erfahrungsgemäß wieder nichts erzählen, sondern irgendwelche fadenscheinigen Begründungen abliefern. Dann wirst du so tun, als wärst du um mich besorgt und mich dann wieder fallen lassen. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Drama."

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