Kapitel 53

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Selbst Wochen nach Weihnachten kreisten meine Gedanken noch um diese mysteriöse zweite Person, hinter der Voldemort her war. Doch mir fiel niemand ein. Tonks und ich hatten in unserer Freizeit in Aufzeichnungen und Büchern nach Hinweisen auf diese Person gesucht, doch nichts gefunden. Auch die anderen Ordensmitglieder hatten keine Ideen, um wen es sich handeln könnte. Und Barty schwieg.

Tonks hatte ganz Hogwarts auf den Kopf gestellt, bevor sie die Suche nach Anhaltspunkten aufgab. Auch mir gingen die Möglichkeiten aus. Es war mir jedoch ein Rätsel, weshalb diese Person so wichtig für Voldemort war.

Die Tür des Drei-Besen flog auf und Tonks trat herein. Sie schaute sich suchend um und erblickte mich im hinteren Teil des Raums. Ein ehrliches Grinsen legte sich auf ihr Gesicht und sie machte sich auf den Weg zu mir.

„Kate!", quietschte sie vergnügt.

Ich freute mich nicht minder, meine beste Freundin wiederzusehen. Es hatte mir nicht behagt, sie in ihrem Zustand so lange allein zu lassen, doch die Zeit hatte ein Treffen nicht eher hergegeben.

„Wie geht es dir?", fragte ich, während ich sie musterte.

Ein Muskel um ihren Mund zuckte, doch alle Freude war mit einem Schlag verschwunden.

„Gut", meinte sie trocken.

„Sieht aber nicht so aus", erwiderte ich ebenfalls trocken.

Sie nahm einen Schluck ihres Butterbieres, was ich bereits bestellt hatte und versuchte meinen Blickkontakt zu meiden.

Schließlich brummte sie und fixierte mich. „Wie soll es mir gehen? Remus ignoriert mich. Ich bekomme ihn nur bei den Treffen zu Gesicht und da geht er mir aus dem Weg. Meine Briefe bleiben unbeantwortet. Ich habe ihm sogar einmal meinen Bericht zukommen lassen, weil ich dachte, er müsse wenigstens bei Ordensangelegenheiten antworten. Doch weißt du was? Er hat den Brief an Kingsley weitergegeben, der dann geantwortet hat."

Ich schluckte. Dass es so schlimm war, hatte ich nicht gedacht.

„Ich habe ihn mehrfach um ein Gespräch gebeten. Dachte, wenn ich es zurücknehme, könnten wir wieder so weiter machen, wie zuvor. Doch auch dazu ist er nicht bereit."

„Er ist immer noch an den Werwölfen dran. Vielleicht hat er keine Zeit oder es ist zu gefährlich?", mutmaßte ich.

Tonks lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nein, es liegt an mir und meinen Worten. Das weiß ich. Wie ist es bei dir? Immer noch Friede – Freude –Heiterkeit oder schon kriegsähnliche Zustände?"

Ich überlegte, was ich ihr antworten sollte. Barty und ich lebten das Leben einer Bilderbuchehe ohne verheiratet oder gar zusammen zu sein. Er gestand mir seine Liebe ungefähr zweimal in der Woche, doch ich beließ es immer dabei. Sein Eifer ließ nicht nach. Er gab mir Raum, Zeit und Freiheit.

„Unverändert", meinte ich schließlich.

Tonks schnaubte.

„Er... wir.... es ist einfach alles wie immer. Kein Schritt vorwärts, aber auch keiner zurück. Er sagt mir immer wieder, dass er mich liebt." 

Tonks schnaubte erneut und nuschelte: „Einmal würde mir schon reichen."

Ich lächelte sie entschuldigend an. „Ich gehe aber nicht darauf ein. Ich kann es einfach nicht. Im Moment bin ich die meiste Zeit außer Haus und weiß nicht, ob ich ihm vertrauen kann. Was, wenn er nicht doch heimlich Kontakt aufgenommen hat?"

„Meinst du nicht, dass ihr dann schon mal Besuch bekommen haben müsstet?"

„Wieso? Vielleicht spielen sie genauso ein Spiel wie wir. Er bleibt bei mir, um Informationen zu sammeln und zu wissen, was wir tun. Ist doch auch möglich."

„Glaubst du das wirklich?"

„Ich weiß nicht, was ich glauben kann und was nicht", gab ich zu.

„Was sagt dir dein Herz?"

Ich prustete. „Wann habe ich bitteschön schon mal darauf gehört? Es hat mich einmal verraten. Seitdem hat es keine Entscheidungen zu treffen!"

Tonks seufzte. „Tu uns beiden einen Gefallen. Höre ausnahmsweise mal auf dein Herz. Ich glaube, in diesem Fall kennt es wirklich die richtige Entscheidung."

Ich verdrehte demonstrativ die Augen. „Und wo hat dich die Entscheidung auf dein Herz zu hören, hingebracht?"

Tonks zuckte zusammen und ich biss mir auf die Unterlippe. Das war fies gewesen, zu fies. Der Schlag in die Magengrube war unbeabsichtigt gewesen.

„Es tut mir leid, ich wollte das nicht", meinte ich aufrichtig.

Tonks sah noch immer aus, als wäre sie eben von einem Zug erfasst worden, doch sie winkte ab. „Ist in Ordnung. Ich weiß, dass es nicht so gemeint war. Meinem Standpunkt bleibe ich jedoch treu. Egal, wie oft du mich dafür noch angreifen willst. Deine Verteidigungshaltung bringt dich hier nicht weit."

Ich stöhnte.

„Du kannst auch so viel stöhnen wie du willst. Das ändert nichts daran, dass du Barty liebst und er dich. Und früher oder später wird es auf eine Beziehung hinauslaufen."

Ich wusste in diesem Moment, dass sie recht hatte. Herz, Kopf und Bauch waren sich in diesem Punkt einig.  

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