Kapitel 62 - Teil 1

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Eine Woche später erschien ich mit Barty im Schlepptau vor dem Fuchsbau. Wir hatten uns ausgesprochen, auch wenn noch genügend Sachen zwischen uns standen. Aber keiner von uns wollte einen erneuten Streit, also hatten wir eine Waffenruhe eingeführt.

„Ich bin ja schon so gespannt, was ihr euch dieses Mal einfallen lasst", meinte Barty mit Vorfreude.

Ich warf ihm einen skeptischen Blick zu.

Barty verdrehte die Augen. „Ich bin immer noch kein Spion. Es ist nur so, dass ihr schon immer sehr interessante Ideen hattet. Und seit Dumbledore nicht mehr da ist, sind sie regelrecht genial geworden."

Ich verdrehte die Augen.

„Nimm es mir nicht übel, aber das ist mein Unterhaltungsprogramm", lachte er. „Ich habe sonst nicht viel."

Da hatte er recht.

Ich klopfte gegen die Haustür und nannte das Erkennungswort, als ich auf der anderen Seite Schritte hörte.

„Sogar mit Codewort", meinte Barty anerkennend. Allerdings zuckte sein rechter Mundwinkel dabei verräterisch nach oben.

Ich rammte ihm meinen Ellenbogen in die Seite, just in dem Moment, als die Haustür aufging. Molly schaute fragend zu uns, entschied sich dann aber lediglich für eine Begrüßung.

Immer noch seine Seite reibend, ging Barty vor mir ins Haus. Molly zog fragend eine Augenbraue hoch, als ich vor ihr stand.

„Alles gut. Ich musste ihn nur kurz auf den Boden zurückbringen", meinte ich mit einem Lächeln im Gesicht.

Molly nickte zögernd und begleitete mich ins Wohnzimmer.

Dort saßen bereits die üblichen Verdächtigen. Tonks hatte die Hände auf ihrem gut sichtbaren Babybauch abgelegt. Remus saß neben ihr. Seine Hand ruhte auf ihrem Oberschenkel. Als sie uns sahen, lächelten sie uns freudig an. Keiner von ihnen verlor ein Wort über unsere Ehe. So, wie wir es am Hochzeitstag abgesprochen hatten.

Die restlichen Mitglieder der Weasley Familie waren ebenfalls bereits schon anwesend. Fleur schien jede freie Minute mit den Planungen für die Hochzeit zu verbringen, denn auf ihrem Schoß lag ein Pergament mit Notizen. In ihren Händen hielt sie ein Buch mit Tortenrezepten. Hermine saß neben Ron und Ginny und flüsterte mit ihnen. Vermutlich hackten die drei etwas aus, was uns alle in Schwierigkeiten bringen würde. Wie so oft.

Moody erhob sich, als er mich sah und kam auf mich zu. Barty warf er lediglich einen flüchtigen Blick zu. Ich wusste, dass er immer noch nachtragend war. Verständlicherweise.

„Wie geht es dir, Kate?", fragte er. Sein magisches Auge fixierte Barty, der genervt die Augen verdrehte.

„Gut. Und selbst?", antwortete ich.

„Auch. Wie läuft es mit dem da?" Er nickte mit seinem Kopf in Bartys Richtung.

Barty verdrehte erneut die Augen. „Mit dem da läuft es ganz gut. Und der da hat Ohren", meinte er angesäuert.

„Ich habe Kate gefragt", murrte Moody.

„Es läuft gut", antwortete ich knapp und betete, dass es bald endete.

Zu meinem Glück klopfte es erneut an der Haustür und Kingsley betrat wenig später das Wohnzimmer.

Eine Viertelstunde später waren wir vollzählig. Mit Hagrid zusammen, war es im Wohnzimmer recht eng und kuschelig geworden. Doch wir hatten alle einen Platz gefunden.

„Ihr wisst, warum wir uns heute hier treffen", begann Kingsley. „Harry wird in wenigen Tagen volljährig. Das bedeutet, dass der Schutz von ihm abfällt. Also müssen wir ihn anders schützen. Und das geht nur, wenn wir ihn an einen geschützten Ort bringen. Arthur und Molly haben hierfür ihr Zuhause vorgeschlagen. Es bietet zwei Vorteile. Wir alle können den Fuchsbau gut schützen und Harry kennt ihn. Zum anderen wird kurz darauf hier die Hochzeit von Bill und Fleur stattfinden. Wir müssen ihn dafür also nicht noch mal umquartieren. An der Hochzeit selbst werden genügend Leute anwesend sein, die den Ort allein mit ihrer Anwesenheit weiter schützen können. Die Frage ist nur, wie wir Harry hier her bekommen, ohne für zu großes Aufsehen zu sorgen."

„Wie wäre es mit dem Tarnumhang?", schlug Ron vor.

„Zu gefährlich. Er könnte im Wind wehen und Körperteile von Harry offenlegen", antwortete Moody.

„Und wenn wir ihn mit einem Trank unsichtbar machen?", fragte Fred.

„Oder wir nehmen etwas von unserem Finsternispulver", warf George ein.

„Kann nicht einfach jemand mit ihm hierher apparieren?", fragte Fleur.

„Nein, nein und nein", antwortete Kingsley und rieb sich die Schläfen. „Wir müssen auf alles gefasst sein."

„Und wenn wir ein paar Auroren schicken?", schaltete Hermine sich ein.

„Woher wissen wir, welchen Auroren wir trauen können?", stellte Bill eine Gegenfrage.

„Naja, wir haben hier in unserem Kreis Tonks, Kate, Moody und Kingsley. Sie sind Auroren", antwortete Hermine. „Sie reichen doch bestimmt."

„Tonks wird garantiert nicht an einer solchen Mission teilnehmen", sprach Remus mit Nachdruck.

„Hey, Moment. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!", erwiderte Tonks scharf.

Remus schaute sie entschieden an. „Ich werde nicht zulassen, dass meine schwangere Frau sich und das Baby in Gefahr bringt! Wir reden hier nicht von einem Sonntagsspaziergang, sondern von einem Unterfangen, das mit Leichtigkeit schief gehen kann."

Damit hatte er recht. Wir verfielen alle in ein ratloses Schweigen.

„Die besten Chancen habt ihr mit einem Ablenkungsmanöver", durchbrach Barty die Stille. Er hatte sich bisher nicht an dem Gespräch beteiligt.

Alle Blicke schossen zu ihm.

„Was schlägst du vor?", wandte Kingsley sich direkt an ihn.

Barty überlegte einen Moment. „Es kommt darauf an, was passieren könnte. Ahnt ihr-wisst-schon-wer etwas oder nicht."

Ich musste schmunzeln, als ich Bartys Anpassungsversuch hörte. Er versuchte mit aller Macht die Worte „Voldemort" und „Dunkler Lord" zu vermeiden.

„Gehen wir davon aus, er ahnt was. Was würde er in einer solchen Situation am Wahrscheinlichsten machen?", machte Kingsley weiter.

„Angenommen, er ahnt was. Dann würde er auf Nummer sicher gehen wollen, dass sein Plan gelingt. Ihm ist vermutlich bewusst, dass es schwer wird, Harry an einem sicheren Ort anzugreifen. Also bleibt ihm nur der Weg dorthin als Möglichkeit."

„Da muss ich ihm zustimmen", murmelte Moody. „Solange Harry noch nicht volljährig ist, steht er unter Schutz und ist nicht greifbar. Kommt er im sicheren Ort an, ist er erneut nicht greifbar. Die Lücke ist der Weg von dem einen zum anderen Ort."

„Welche Maßnahme würde Voldemort am ehesten ergreifen, um seinen Plan positiv zum Abschluss zu bringen?", fragte ich. Ich verwendete mit Absicht den Namen, um allen zu signalisieren, dass es nichts zu bedeuten hatte, sollte Barty der Name irgendwann herausrutschen.

„Er wird möglichst viele Leute schicken, die alle nur ein Ziel haben... Harry in die Hände zu bekommen. Harrys Wachen sind in dem Moment egal. Außer Gefecht setzen, töten, verletzen... seine Gefolgsleute werden komplett freie Hand haben, um das Ziel zu erreichen. Ich denke, es wird keinen ausgefeilten, komplizierten Plan geben. Das Zeitfenster ist begrenzt und ihm ist wohl bekannt, wer seine Gegner sind. Und, dass sie nicht zu unterschätzen sind. Von daher wäre alles andere zu riskant."

„Das heißt, Harry ist in dem Moment in Gefahr, sobald er das Haus verlässt? Einfach, weil er Harry ist?", hakte Remus nach.

„Wann war Harry Potter mal bitte nicht in Gefahr, einfach weil er Harry Potter ist?", meinte Barty ironisch.  

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