Wir waren tatsächlich eine WG geworden und lebten seit fast fünf Monaten zusammen. Weihnachten stand vor der Tür, doch Weihnachtsstimmung stellte sich nicht wirklich ein. Mir schwante bereits, dass es das schlimmste Weihnachten meines Lebens werden würde. Schlimmer noch als alle, die ich im Heim erlebt hatte, zusammen. Remus und ich wechselten uns mit dem Schutz für Tonks ab. Einer von uns war immer bei ihr. Allerdings gab es nicht viel zu tun, weshalb wir meist zu dritt im Haus herumsaßen. Um auf dem Laufenden zu bleiben, hörten wir regelmäßig Potterwatch, wo auch Remus als wiederkehrender Gast mitarbeitete. Auch Kingsley wirkte mit, weshalb wir auch bei ihm wussten, dass alles in Ordnung war.
Ansonsten war unsere Kommunikation sehr eingeschränkt.
„Was haltet ihr davon, wenn wir ein wenig Weihnachtsstimmung in diese tristen Zeiten bringen?", fragte Tonks.
Wir gammelten zu dritt im Wohnzimmer herum. Ich las eines der Bücher, welches sie im Haus stehen hatten, Remus werkelte an einer alten Uhr herum und Tonks hatte eine Kuscheldecke für ihr Baby gestrickt. Ja, uns war so langweilig, dass Tonks das Stricken angefangen hatte.
Remus und ich schauten sie skeptisch an.
„Und wie sollen wir das machen?", fragte ich vorsichtig. Tonks Stimmung war im Moment nicht die stabilste.
„Wir können uns doch gegenseitig etwas schenken?", schlug sie vor.
„Und wie? Wir können gerade wohl kaum shoppen gehen", meinte Remus.
„Ich meinte auch eher, sie selbst anfertigen. Etwas Kreativität ausleben." Tonks schaute uns erwartungsvoll an. Remus und ich wechselten einen kurzen Blick. Es war sinnlos mit einer Schwangeren zu streiten und etwas besseres hatten wir eh nicht zu tun. Also stimmten wir zu.
Die nächsten Tage sammelte jeder für sich selbst Ideen. Wir durchforsteten das gesamte Haus und ließen uns von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren.
Ich hatte mir ein gemeinsames Geschenk für Tonks und Remus überlegt. Auf dem Dachboden hatte ich einen alten Spiegel gefunden. Er war achtlos in eine Ecke gelegt worden und ein Riss schlängelte sich auf der rechten Seite entlang. Mit viel Geschick hatte ich den Riss als Ranke mit Blättern und Blüten verziert. Es hatte mich Tage gekostet.
Aus alten Holzleisten, die ich im Schuppen fand, bastelte ich einen kleinen Rahmen, um das Glas zu schützen. Erst als ich mit dem Spiegel an sich zufrieden war, machte ich mich an die eigentliche Arbeit. Mein Ziel war es, den Spiegel mit Erinnerungen zu belegen, die die Liebesgeschichte der Beiden aus meiner Sicht erzählte. Ich würde all meine Erinnerungen, wann immer sie mit mir über den anderen gesprochen hatten, hineinlegen. Ebenso, wie ich sie von außen betrachtet hatte.
Doch es umzusetzen war schwieriger als ich gedacht hatte. Die ersten Versuche scheiterten. Ich hatte eine grobe Ahnung, wie es funktionieren sollte. Ausgerechnet Barty hatte es mir zu unserer Zeit in Hogwarts erklärt. Sofort traten wieder Tränen in meine Augen. Dieses Arschloch hatte noch immer eine enorme Macht über mich.
Am Ende funktionierte es doch. Ich war stolz auf mein Werk und konnte es kaum erwarten, es ihnen zu überreichen.
Die restlichen Tage bis Weihnachten dekorierten wir die Wohnung mit allem, was wir finden konnten und backten Plätzchen.
Tonks Mutter würde über die Feiertage ebenfalls zu uns kommen, damit sie nicht allein sein musste. Ich freute mich, Andromeda wiederzusehen. Für sie hatte ich ein Blumengesteck aus den Winterblumen im Garten zusammengesteckt und mit einem Konservierungszauber belegt.
Wer hatte gedacht, dass die Zeiten etwas positives haben würden? Statt wie üblich einfach loszuziehen und irgendetwas zu kaufen, hatten wir dieses Mal wirklich Zeit und Herzblut in unsere Geschenke gesteckt.
An Heiligabend saßen wir zusammen, aßen den Braten, den Andromeda zubereitet hatte und sprachen über frühere Festtage. Eine wirkliche Weihnachtsstimmung stellte sich jedoch bei keinem von uns ein.
Auch der Morgen des 25. war nicht anders. Wir saßen mit unseren Kaffeetassen im Wohnzimmer neben dem kleinen Weihnachtsbaum. Remus hatte eine kleine Tanne im Garten gefällt, damit wir wenigstens etwas hatten.
Ich war aufgeregt, als ich den Beiden meinen mit Sorgfalt eingepackten Spiegel überreichte. Remus hielt ihn, während Tonks das Papier entfernte. Dann starrten sie in den Spiegel. Ihre Augen wurden glasig und ein Lächeln umspielte ihre Münder.
„Kate, ... das ist... es ist...", stammelte Tonks, ohne die richtigen Worte zu finden.
„Es ist wundervoll", meinte Remus, während er noch immer in den Spiegel schaute.
Tonks kullerte eine einzelne Träne die Wange herunter.
Dann stand sie auf und drückte mich. „Es ist das beste Weihnachtsgeschenk, was ich jemals bekommen habe", meinte sie leise.
In dem Moment tauchte eine silberne Kugel im Raum auf. Mal wieder ein Patronus. Wieso mussten sie immer zu den ungünstigsten Zeitpunkten auftauchen?
„Harry wurde in Godric's Hollow gesehen", ertönte Kingsleys Stimme.
Es war das erste Lebenszeichen von Harry seit Monaten. Nicht nur wir waren auf der verzweifelten Suche nach ihm. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Todesser ebenfalls den Auftrag hatten, ihn zu finden. Während wir vorsichtig und im Untergrund agieren mussten, suchten sie ganz offen nach ihm. Umso wichtiger war es, dass es endlich einen Hinweis auf ihn gab.
„Es sollte einer von euch dorthin reisen und sich umschauen", sprach Kingsley weiter.
Remus und ich schauten uns an.
„Ich gehe", meinte ich entschieden.
„Nein, ich werde gehen", widersprach Remus.
„Wieso du? Du bist ein Ehemann und wirst demnächst Vater. Da kannst du dich nicht in Gefahr bringen. Wer weiß, was uns dort erwartet?"
„Und ich kann nicht zulassen, dass du gehst."
„Warum? Weil ich eine Frau bin?" Ich zog eine Augenbraue hoch.
Remus seufzte. Getroffen, ein Punkt für mich.
„Ich gehe", wiederholte ich und machte mich auf den Weg aus dem Haus.
„Kate, warte!", rief Tonks mir nach. Sie stürmte auf mich zu und fiel mir um den Hals.
„Pass auf dich auf! Ich will, dass du wohlbehalten wieder zurückkommst."
Ich versprach es ihr, auch wenn ich mir dessen nicht sicher war. Dann disapparierte ich.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
