Barty und ich verließen in der folgenden Woche nicht das Haus. Es war zu gefährlich für ihn und ich hatte das Bedürfnis, bei ihm zu bleiben. Da ich in der Nacht des Angriffs in Hogwarts war, konnte ich meine Abwesenheit damit erklären. Ich hatte allen gesagt, ich bräuchte ein paar Tage um das alles zu verarbeiten. Eigentlich war es auch die Wahrheit gewesen. Es war so viel in dieser Nacht passiert, dass ich etwas Zeit und Ruhe brauchte.
Ich hockte auf dem Weg und rupfte Unkraut, als ein sanfter Windstoß mich streifte.
„Wow, ich habe ja mit vielem gerechnet, aber nicht hiermit. Catherine Armstrong rupft Unkraut."
Ich erhob mich schmunzelnd und drehte mich zu Tonks um. Diese strahlte über das ganze Gesicht, als sie herzhaft lachte. Die braunen Haare waren verschwunden und an ihre Stelle war eine bunte Mähne getreten.
„Was ist denn mit dir passiert?", fragte ich überrascht.
Tonks betrat unser Grundstück und wir umarmten uns zur Begrüßung.
„Komm mit rein", meinte ich und wischte mir die Hände an der Hose ab.
Ich führte sie in die Küche. „Was willst du trinken?", fragte ich, während ich zwei Gläser aus dem Schrank holte.
Doch ich bekam keine Antwort. Langsam drehte ich mich zu ihr um. Sie stand vor der Anrichte und starrte erstaunt aus dem Fenster, scheinbar unfähig, sich zu bewegen.
Ich trat neben sie und erkannte, dass sie ungläubig Barty beobachtete, der gerade im Gemüsebeet beschäftigt war.
„Das hier ist noch skurriler als eben das. Bartemius Crouch Junior, einer der höchsten und gefürchtetsten Todesser steht mit einem Sonnenhut auf dem Kopf in einem Gemüsebeet und hegt und pflegt dieses. Das glaubt mir niemand."
Dann drehte sie ihren Kopf zu mir. „Wie mir scheint, führt ihr hier ein wunderschönes Bilderbuchleben, kann das sein?"
Ich warf ihr einen vernichtenden Blick zu. „Wenn 'auf der Flucht' und 'gesucht' ebenfalls in deinem Bilderbuch vorkommen, dann vielleicht."
Tonks lachte. So häufig hatte ich sie schon lange nicht mehr lachen sehen.
„Und was ist bei dir passiert, dass du wie Barbie auf Koks bist?", fragte ich sie skeptisch.
Tonks lachte erneut.
„Ich bin einfach nur glücklich", meinte sie strahlend.
„Egal, was du nimmst, nimm weniger und gib mir auch was davon ab", meinte ich leicht genervt.
„Ich werde Remus nicht mit dir teilen", sprach Tonks verschwörerisch.
Bei mir fiel der Groschen. „Du und Remus? Seid ihr...?", fragte ich aufgeregt.
Tonks quietschte und hüpfte vor Freude. „Ja, sind wir."
Ich gratulierte ihr und drückte sie fest an mich.
„Glückwunsch", kam es hinter uns.
Wir hatten in unserem Freudentaumel nicht bemerkt, dass Barty aufgetaucht war.
„Danke", meinte Tonks noch immer glücklich und umarmte Barty überschwänglich.
Dieser erstarrte unter der Berührung meiner Freundin und schien das Ganze einfach nur irgendwie über sich ergehen zu lassen. Ich lächelte ihm aufmunternd zu. Unbeholfen legte er die Arme um Tonks, um sie umarmen zu können.
„Jetzt erzähl schon!", drängte ich, als Tonks sich wieder zu mir drehte. Ich hatte in der Zwischenzeit beide Gläser mit Wein gefüllt und bugsierte sie ins Wohnzimmer, wo wir uns auf das Sofa setzten.
Barty blieb in der Küche zurück, doch ich wusste, er lauschte heimlich.
„Wie kam es jetzt dazu?", fragte ich und nahm einen Schluck.
Tonks hielt ihr Glas mit beiden Händen und starrte lediglich hinein.
„Du und Barty habt Hogwarts verlassen. Sobald ihr weg wart, fingen alle an zu reden. Die Tatsache, dass er da war und du ihm vor allen deine Liebe gestanden hast, war das vorherrschende Gesprächsthema. Molly hat dann noch einmal mit Remus geredet und gemeint, dass nach eurer Sache unsere Sache ein viel kleineres Problem wäre und er endlich über seinen Schatten springen solle. So von wegen der Todesser hat es auch geschafft. Dann schafft es der Werwolf erst recht."
Mir entglitt kurz die Mimik. Ich wusste nicht, was schlimmer war... dass sie alle über mich geredet hatten oder dass Barty als abschreckendes Beispiel genannt worden war. Anhand des Lachens, was aus der Küche zu uns drang, schien es für Barty kein Problem zu sein.
Tonks schaute mich entschuldigend an. „Ich glaube, die müssen alle erst noch lernen, dass ein Todesser nicht unbedingt das schlimmste und abgrundtief böse ist."
Ich nickte mit zusammengebissenen Zähnen. Wer wusste schon, wie sie sich jetzt mir gegenüber verhalten würden? Wollten sie mich überhaupt noch dabei haben oder war ich verstoßen? Mit Sirius und Dumbledore waren meine beiden größten Befürworter tot.
„Was geht in dir vor, Kate?", holte Tonks mich zurück in die Realität. Ihr Blick war voller Sorge.
„Nichts", winkte ich ab. „Erzähl weiter."
Doch Tonks schüttelte den Kopf. „Erst, wenn ich weiß, was mit dir ist."
„Sie hat Angst vor euch", antwortete stattdessen Barty. Er lehnte im Türrahmen und schaute mich liebevoll an.
„Wieso hast du Angst vor uns?", fragte Tonks irritiert.
„Weil sie einem Todesser ihre Liebe gestanden hat. Nur Stunden nachdem Todesser Dumbledore getötet und Bill verwundet haben. Kommt vielleicht nicht bei allen gut an." Sein Blick ruhte noch immer auf mir, doch ich versuchte ihm auszuweichen. Es war gruselig, wie gut Barty mich kannte.
„Da brauchst du keine Angst haben. Für die meisten ist Barty doch längst kein Todesser mehr. Schau mal, wie lange er jetzt schon bei uns ist. Er ist dein Anhängsel und gehört irgendwie dazu."
Barty zog eine Grimasse. Mir war klar, dass er vom Ruf her lieber der böse, mysteriöse Todesser geblieben wäre als er zahme, kleine Schoßhund, der er jetzt war.
Ein Grinsen in seine Richtung konnte ich mir nicht verkneifen.
„Wirklich, Kate. Mach dir darüber keine Gedanken", bekräftigte Tonks.
Ich nickte. „Okay, gut. Aber dann will ich jetzt deine Geschichte hören." So wirklich sicher war ich mir zwar nicht, doch ich wollte endlich wissen, wie sie und Remus zusammengekommen waren.
Tonks grinste erneut und erzählte weiter. Remus hatte noch zwei Tage Bedenkzeit gebraucht, bevor er vor Tonks' Wohnung aufgetaucht war und sie ohne große Worte geküsst hatte. Danach hatte er ihr dann gestanden, schon länger in sie verliebt gewesen zu sein. Er hatte nur noch den letzten Ruck gebraucht, sich von seinen Zweifeln zu lösen.
Ich freute mich wirklich für sie. Sie war schon so lange in ihn verliebt und er scheinbar auch in sie. Es erinnerte mich an Barty und mich. All die Zeit, die Entfernung, die unterschiedlichen Lebensstile... nichts hatte unsere Gefühle beeinflussen können.
Wir quatschten den ganzen Nachmittag über alles mögliche. Vor allem jedoch über die Tragik der Beziehungen. Nicht nur unsere Beziehungen waren betroffen. Tonks erzählte mir auch von Bill und Fleur. Bill erholte sich gut, bisher schien auch nichts auf Verwandlungen zum Werwolf hinzudeuten. Nur die hässlichen Narben würden für immer bleiben. Mich freute jedoch am meisten, dass der Haussegen bei den Weasleys wieder gerade hing.
Am Abend verabschiedete sich Tonks und Barty und ich waren wieder allein.
Wir genossen unser Essen und kuschelten uns zusammen auf das Sofa, jeder in seinen eigenen Gedanken. So schliefen wir schließlich auch ein.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
