Mein Bauchgefühl sollte am Nachmittag seine Bestätigung finden. Uns erreichte ein Patronus von McGonagall.
Harry war in Hogwarts aufgetaucht. Zusammen mit Ron und Hermine.
Der Showdown hatte begonnen.
Remus setzte sofort einen Notfallplan in Kraft, von dem scheinbar nur er etwas wusste. Er öffnete die Tür zu der kleinen Abstellkammer unter der Treppe und holte drei Taschen hervor.
Überrascht schauten wir ihm dabei zu.
„Ich habe mich so frei gefühlt, kleine Notfalltaschen für euch zu packen. Eine für Ted, eine für dich, Tonks und eine für dich, Kate."
„Wie lange rechnest du schon mit so etwas?", fragte Tonks verletzt. Seine Gedanken hatte er wohl keiner von uns mitgeteilt.
„Ich habe nicht mit einem Kampf gerechnet. Noch nicht, zumindest. Aber da man mit allem möglichen rechnen muss, wollte ich vorbereitet sein. Ich werde euch drei bei deiner Mutter absetzen und dann nach Hogwarts gehen."
„Das kommt nicht in Frage!", meinte Tonks schrill. Ihre Stimmlage war bereits jetzt eine Oktave höher.
„Ich werde dich begleiten", sprach ich selbstbewusst.
„Vor ein paar Monaten hätte ich noch gesagt, dass du das wirst. Aber nicht jetzt. Nicht in deinem Zustand", wehrte Remus bestimmt ab.
„Das kannst du nicht machen!", erwiderte ich empört. Das nächste Deja-vu. So eine Unterhaltung hatten Tonks und Remus ebenfalls schon einmal geführt. Aber ich war nicht seine schwangere Frau.
„Doch, kann ich und werde ich", meinte er weiterhin ruhig, aber bestimmt.
„Ich bin nicht deine Frau!", schoss ich trotzig zurück.
„Nein, aber du bist eine schwangere Freundin von uns. Die beste Freundin von Tonks. Ich werde nicht zulassen, dass du dich in Gefahr begibst. Barty wäre davon auch nicht begeistert."
„Barty ist nicht hier! Es ist mir egal, wovon er begeistert ist oder nicht! Er hat seine Wahl getroffen und ich treffe meine!" Dank der Schwangerschaftshormone standen mir die Tränen in den Augen. Na toll! Das konnte ich jetzt echt gebrauchen... weinen, wenn man wütend ist.
Remus zog allerdings weiterhin sein Ding durch. Er hatte alles geholt, was er für eine Schlacht brauchen könnte, nahm unsere Taschen und schaute uns eindringlich an. Dann schritt er zum Kamin und warf etwas Flohpulver hinein. Laut und deutlich nannte er Andromedas Adresse. Dann schob er die immer noch perplexe Tonks samt Teddy hinein. Sobald sie verschwunden waren, wiederholte er den Vorgang und schob mich in den Kamin.
Ich stieg stolpernd aus Andromedas Kamin und schaute in ihr ernstes Gesicht. Natürlich wusste sie Bescheid. Remus musste ihr eine Nachricht geschickt haben, dass sie gleich Besuch bekommen würde. Interessanter war die Tatsache, dass ihr Haus bereits auf die Ankunft mehrerer Personen vorbereitet gewesen war. Die Beiden hatten den Plan zusammen ausgetüftelt und Andromeda hatte bereits Vorkehrungen getroffen. Diese kleinen Verräter...
Remus tauchte hinter mir auf. Er stellte die Taschen ab und wandte sich seiner Frau zu. Tonks standen die Tränen in den Augen. Sie klammerte sich beinahe an Ted, als bräuchte sie jemanden, der ihr Halt gab.
„Das ist es also", meinte sie mit gebrochener Stimme.
Remus nickte. „Hier seid ihr in Sicherheit. Ich habe das Haus geschützt. Niemand wird hier rein kommen. Andromeda ist vorbereitet und kann eine ziemlich lange Zeit mehrere Leute hier versorgen. Zur Not hat sie auch alles für weiteren Nachwuchs da." Er warf mir einen Blick zu.
Wie lange sollten wir denn hierbleiben? Ich war in der Hälfte der Schwangerschaft! Dann fiel mir ein, dass dies wohl Vorkehrungen waren, falls es ein böses Ende nehmen würde. Ich atmete tief. Ein solches Leben hatte ich mir für meine Kinder nicht vorgestellt. Ich musste kämpfen. Für mich, für Barty, für unsere Kinder. Still sitzen und abwarten, konnte ich einfach nicht.
„Geh nicht", bettelte Tonks.
„Ich muss", antwortete Remus ruhig. Er hatte seine Frau eng im Arm und küsste ihre Stirn. „Es wird alles gut." Doch er schien selbst nicht daran zu glauben.
Ich schluckte hart. „Ich gehe", meinte ich leise.
Alle Blicke drehten sich zu mir.
„Bestimmt nicht!", bestimmte Andromeda.
„Ihr seid eine Familie. Niemand von euch sollte gehen. Aber ich... ich bin allein. Lass mich nach Hogwarts gehen."
Tonks holte laut Luft.
„Wir waren immer deine Familie, Kate. Für Ted und mich warst du immer unsere zweite Tochter, für Tonks bist du wie eine Schwester. Du warst nie allein und es tut mir Leid, dass du dich so fühlst." Andromeda kam zu mir und drückte mich an sich. Meinen Kopf an ihre Schulter gelegt, weinte ich los.
„Aber Barty wird da sein", brachte ich unter Tränen hervor.
„Ich werde zusehen, dass er das alles überlebt und ihn mir dann persönlich vornehmen. Aber du wirst ihn wiedersehen", versprach Remus.
Das brachte mich noch mehr zum Weinen. Mein Leben... ein Scherbenhaufen.
Remus küsste Tonks, drückte Andromeda und mich und verabschiedete sich von Teddy. Dann verließ er erhobenen Hauptes das Haus. Wir starrten ihm alle nach.
„Ich kann das nicht", wimmerte Tonks und brach schluchzend in Tränen aus. Ich nahm Teddy an mich, da ich Angst hatte, sie würde ihn aus Versehen fallenlassen, sollten ihre Kräfte sie verlassen. Kurz darauf sank sie in Andromedas Armen in sich zusammen. Ein Schrei voller seelischem Schmerz verließ ihren Mund.
Teddy begann daraufhin in meinem Arm zu quengeln, sodass ich mit leichten Wippbewegungen versuchte, ihn zu beruhigen.
Andromeda schaffte ihre Tochter, die nicht mehr als ein Haufen Elend war, auf das Sofa und versuchte sie zu beruhigen. Ich stand wippend daneben und schaute zu, unfähig etwas anderes zu tun.
In meinem Kopf hingegen reifte der Entschluss, ich würde bei der nächsten Gelegenheit abhauen und nach Hogwarts gehen. Ich musste etwas tun.
Tonks lag die nächste Zeit apathisch auf dem Sofa und starrte an die Decke. Lediglich die Tränen, die unaufhaltsam ihre Wangen hinabrollten, zeigten, dass sie noch lebte.
„Gib mir Teddy, ich lege ihn in sein Bett", meinte Andromeda freundlich.
Ich hatte fast vergessen, dass ich ihn auf dem Arm hatte. Immer noch monoton wippend, hatte ich im Wohnzimmer gestanden und aus dem Fenster geschaut. Teddy war bei dem Wippen wohl eingeschlafen.
Sobald Andromeda weg war, ging ich in die Küche und nahm mir ein kleines Pergament. Es tut mir leid. Kate schrieb ich darauf. Sie würde wissen, wo ich war und was ich tat.
Dann stahl ich mich heimlich aus dem Haus.
Schnellen Schrittes lief ich den Weg zum Gartentor. Ich war mir sicher, dass die Schutzzauber mindestens bis dahin gehen würden.
Bei der nächstbesten Gelegenheit disapparierte ich. Ich hätte mich nur besser vorher noch einmal umgeschaut.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
