Die Tage flogen recht einheitlich an uns vorbei; bis zu dem Morgen, als eine Eule auf der Fensterbank in der Küche saß. Ich ließ den mir unbekannten Vogel hinein und widmete mich dem Brief, der an ihrem Bein hing.
Er war an mich adressiert und stammte vom Zaubereiministerium. Die hatte ich ja schon völlig vergessen.
Neugierig öffnete ich den Brief und las ihn durch. Er stammte vom Büro des Zaubereiministers und übermittelte mir Datum und Uhrzeit meiner Aussage. Auch die hatte ich schon vergessen. Wirklich überrascht war ich jedoch bei der Unterschrift. Es war definitiv die Unterschrift meines Chefs, doch darunter stand „Zaubereiminister". Wann war Scrimgeour aufgestiegen?
Ich spürte, wie Barty sich hinter mich stellte und über meine Schulter mitlas.
„Scrimgeour ist Zaubereiminister? Ist das nicht dein Chef?", fragte er verwundert.
„Ja, aber scheinbar nicht mehr."
„Was soll's. Wir können uns noch zwei schöne Tage machen, bis du aussagen musst." Damit wandte er sich ab und schüttete sich eine Tasse Kaffee ein.
Mein Blick ging aus dem Küchenfenster hinaus zu den Dünen, die man hinter dem kleinen Hügel an unserer Grundstücksgrenze am Horizont erkennen konnte. Bisher war kein Strandwetter gewesen, sodass eine Wanderung an den Strand bisher nicht auf unserem Plan gestanden hatte. Im Wegdrehen blieben meine Augen an den Überresten des einstigen Gemüsegartens hängen. Es hatte so geklungen, als wären Bartys Erinnerungen an diesen, einige wenige glückliche gewesen, die er aus seinen Kindertagen hatte.
Doch mir fehlte die Energie, mich direkt um einen ganzen Gemüsegarten zu kümmern, also beschloss ich, mit dem Beet vor der Haustür anzufangen.
Nachdem ich gefrühstückt hatte, zog ich mir bequeme Klamotten an und verließ das Haus. Es dauerte einige Minuten, bis Barty mein Fehlen aufgefallen war und er an der Haustür erschien. Ich hatte mich bereits dem Unkraut gewidmet.
„Was machst du da?", fragte er interessiert, als ich den nächsten Stängel Löwenzahn mit Gewalt aus der Erde riss.
„Wonach sieht es denn aus?", fragte ich zurück.
„Nach unnötiger Arbeit", meinte er grinsend.
„Arsch", murmelte ich, doch an seinem Lachen erkannte ich, dass er mich gehört hatte.
„Ich versuche unser Haus weiter wohnlich herzurichten", meinte ich, während eine mir unbekannte Pflanze das Fliegen lernte.
„Unser Haus?"
Erst jetzt fiel mir auf, was ich gesagt hatte. Er hatte recht, unser Haus? Wie kam ich darauf? Es war ein Versteck, vor allem für Barty. Er war der Gefangene des Ordens und ich sein Wächter. Wir waren kein Paar, das verliebt die gemeinsame Zukunft in ihrem Heim plante. Dennoch verhielt ich mich scheinbar so. Wir schliefen nach wie vor in einem Bett, da wir es so gewohnt waren. Und wir kochten gemeinsam, weil wir überleben mussten und Essen ein Teil davon war. Aber mehr war zwischen uns nicht passiert. Die unsichtbare Wand hatte ich nach wie vor aufrecht erhalten. Nach Bartys Erzählungen hatten wir keine tiefgründigen Gespräche mehr geführt. Ich kannte seine Geheimnisse immer noch nicht. Wieso sprach ich also von unserem Haus?
„Kate?", holte Barty mich zurück in die Gegenwart.
Ich zuckte die Schultern. „Es tut mir leid, ich war in Gedanken", meinte ich ausweichend.
„Das merke ich." Er wartete noch einige Minuten ab, doch als ich immer noch keinen Erklärungsversuch unternahm, ging er zurück ins Haus.
Den restlichen Tag verbrachte ich draußen und versuchte den Vorgarten wieder in das zu verwandeln, was er sein sollte – ein Garten.
Die Blumen besorgte ich in der kleinen Gärtnerei, die es bei einem der Bauernhöfe gab, die Steine zur Einfassung des Beetes brachte ich mit einem kleinen Zauberspruch wieder in Ordnung. Am frühen Abend war ich fertig und betrachtete glücklich mein Werk. Der Weg war wieder schön eingesäumt. Ich hatte sogar noch die Zeit gehabt, die Platten des Wegs zu säubern und mit ein paar Zaubersprüchen etwas zu modernisieren.
Als ich das Haus betrat, roch es schon köstlich nach einer Tomatensuppe.
Ich duschte schnell und als ich aus dem Bad zurück kam, hatte Barty schon den Tisch gedeckt und wartete auf mich.
In unseren Gläsern befand ich ein teurer Rotwein und neben der Suppe fand ich geröstete und mit Knoblauch eingeriebene Brotscheiben.
Wie immer unterhielten wir uns beim Abendessen, doch dieses Mal kreisten meine Gedanken wild umher. Wir verhielten uns wie ein Paar, immerhin wohnten wir zusammen, schliefen in einem Bett. Herrgott, ich hatte heute sogar von unserem Haus gesprochen. Was war das zwischen uns?
Barty umschiffte die Frage nach unserer Art von Beziehung gekonnt und blieb bei lapidaren Gesprächsthemen, doch ich wusste, dass auch seine Gedanken bei dieser Frage verweilten.
Ich nahm mir fest vor, mit Tonks zu reden, wenn ich im Ministerium war. Wenn es eine Person gab, mit der ich offen über all dies hier reden konnte, dann war sie es. So lange musste ich mich gedulden und meine Gedanken für mich behalten. Ich wollte nicht mit Barty darüber reden.
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Always
FanfictionUm den Schatten der Vergangenheit zu verdrängen, lebt Cathrine für ihre Arbeit als Aurorin. Einzig ihre beste Freundin Tonks kennt die Wahrheit und das Geheimnis über Cathrines erste Liebe. Zumindest, bis die Ereignisse sich überschlagen und Cathrin...
