Sophia sah aus wie das blühende Leben. Es tat gut sie so zu sehen. Sie wirkte entspannt, erzählte von der Arbeit und wie erwartet von Samu. Nachdem der einige Sachen in den falschen Hals bekommen hatte, hatte er sie, nicht mehr ganz nüchtern, angerufen. Eine Wendung, die ich nicht erwartet hatte, war mein letzter Stand der Dinge gewesen, dass er diese Sache ein für alle Mal beendet hatte. Sophia mit einem anderen zu sehen hatte ihn wohl doch gewurmt und sie hatte den nächsten Schritt gemacht und ihm geschrieben. Aufgeregt wie ein Teenager saß sie mir gegenüber in ihrem Sessel im Wohnzimmer, hatte die Beine angezogen und hielt ihr Rotweinglas in der Hand. Die langen Haare hatte sie zu einem lockeren Dutt gebunden, trug blaue Skinnyjeans und ein schwarzes weites Shirt, was über ihre Schulter hing. Sie sah bei weitem nicht mehr so aus, wie sie LA verlassen hatte. Sie strahlte, hatte offensichtlich Zeit gefunden die Sonne etwas zu genießen und war Feuer und Flamme für das Studio. Joonas schien ein guter Kerl zu sein, der sie hier ein wenig integriert hatte und Ahnung von seinem Job hatte. Sophia erzählte etwas verlegen von dem kleinen Zwischenfall nach dem Konzert, dass sie zusammen besucht hatten. Kurz dachte ich die ganze Leier ging von vorn los, weil sie ihre Finger nicht bei sich behalten konnte –auch wenn sie hier nicht wirklich die Schuld traf- aber anscheinend hatte sie die Kurve gekriegt und Joonas klar gemacht, dass man hier zu weit gegangen war. Ich war fast ein wenig stolz auf sie. Von dem Zombie in LA war wirklich nichts mehr übrig und ich freute mich für sie, dass sich in Sachen Samu anscheinend etwas tat. Die Geschichte würde wahrscheinlich nie wirklich ein Ende haben. Wie lange hörte ich mir dieses Drama zwischen den beiden eigentlich schon an? Jahre? Bis Sophia in einer Nacht und Nebel Aktion damals Helsinki verlassen hatte, hatte ich diesen ganzen Wortschwall auch aus seinem Mund schon gehört. Seit ich ihn nach ihrer Ankunft in LA angerufen hatte, hatte ich nichts von ihm gehört und war hier ein wenig im Zugzwang ihm mitzuteilen, dass ich in der Stadt war. Hier ließ ich aber Sophia den Vortritt. Bevor ich nun da irgendwie zwischenfunkte, sollte sie ihr Dilemma mit Samu in die richtigen Bahnen lenken. Eventuell könnte ich sogar eine dritte Woche ranhängen, das hing allerdings noch in der Luft.
Als die Aufnahmen mit der Band in LA beendet waren, hatte ich mir 2 Wochen freischaufeln können. Wir mussten zwar trotzdem arbeiten, aber das konnte ich von hier. Die Studiozeit in LA hatte ich geblockt und der Plattenfirma mitgeteilt, dass wir uns um das Mischen kümmern würden. Das wollte ich jetzt von hier aus tun und konnte somit meine Freundin sehen, Joonas kennenlernen und mir endlich das neue Studio angucken. Sophia quasselte fröhlich weiter. Sie wollte mir die Stadt zeigen und dachte laut über Pläne nach.
„Und wann kommt der Haber jetzt nach Hause?"
„In einer Woche."
„Und dann trefft ihr euch?"
„Er hat gesagt er meldet sich, wenn er zurück ist. Ich denke der will erstmal seine Ruhe haben nach der Tour. Keine Ahnung. Ich warte ab. Ich habe eigentlich Angst, dass ich mir zu viele Hoffnungen mache und er das alles direkt im Keim erstickt. Ich will einfach nichts falsch machen. Ich hab viel Mist gebaut."
„Ihr beide habt Mist gebaut."
„Ja. Das stimmt. Ich will nur, dass er merkt, dass mir das viel bedeutet. Er fehlt mir immer noch und die Sache mit Joonas ist wirklich dumm gelaufen. Am Ende hatte diese Sache vielleicht doch sein Gutes. Trotzdem tat es mir leid, dass Samu dachte ich hätte direkt abgeschlossen, einen neuen gefunden und würde mit dem zum Eishockey gehen. Supergau!"
Ich lachte laut.
„Und dann auch noch das falsche Team. Damit hast du ihm echt in die Eier getreten."
„Ich weiß. Ich bin froh, dass ich das einigermaßen aufklären konnte."
„Und wie läuft das jetzt mit Joonas? Also der scheint ja schon irgendwie im Spiel zu sein. Jedenfalls aus seiner Sicht."
„Wir haben halt drüber geredet und er benimmt sich eigentlich normal."
„Eigentlich."
„Naja. Er flirtet. Aber ich glaube das tut er nicht nur bei mir. Ich versuche das sportlich zu sehen."
Wieder musste ich lachen.
„Bitte nicht zu sportlich, Madame."
Sie streckt mir die Zunge aus.
„Ist es nicht mehr zu früh darüber Witze zu machen?", fragte ich vorsichtig.
„Nein. Ich glaube das Timing ist gut."
Sie trank einen Schluck Wein und lächelte mich an.
„Das war sehr dumm, was wir da gemacht haben, aber ich bin froh, dass es uns nicht auseinandergebracht hat."
„Ich bin froh, dass du diesen Scheiß nicht mit Joonas abziehst. Wir brauchen den noch. Der Junge macht nen guten Job. Was sagt er zu der Sache mit Samu. Er ist doch im Bilde?"
„Nicht ganz. Außer, dass er mein Ex ist und ich das noch nicht so richtig verdaut habe, weiß er nichts. Also ich habe ihm nicht erzählt, dass Samu und ich Kontakt haben und da wohl ein Treffen ansteht. Er kann ihn nicht leiden."
„Das erwähntest du. Wie kann man denn den Finnen nicht mögen? Ist mir schleierhaft. Ich war selbst ein wenig in ihn verliebt." Grinste ich.
„Er hält ihn für einen arroganten Proll. Dickes Auto, Sonnenbrille, laute Musik... das war sein erster Eindruck."
„Naja. Ein wenig prollig ist er vielleicht, aber wenn man ihn kennt nimmt man das doch nicht ernst."
„Er kennt ihn ja nicht. Ich dachte auch, dass diese ganze Kuss-Nummer nur dazu dienen sollte Samu eins auszuwischen. Aber er meinte, dass dem nicht so wäre. Ich will dir auch gar nicht so viel darüber erzählen, weil du sonst voreingenommen bist. Joonas ist eigentlich ein guter Kerl."
„Er war mir auch sympathisch am Telefon und via Skype. Ist ja n Hübscher. Passt ja ins Muster. War ja jetzt nicht so, dass ich das nicht angedeutet hätte."
„Ja, er ist nett und lustig und er sieht gut aus. Ja. Er ist blond und trainiert..blabla... ist mir egal."
„Du scheinst komischer Weise plötzlich zu wissen, was du willst."
„Ja. Das stimmt. Ich habe etwas Angst, dass ich da zu viel erwarte. Ich will Samu nicht die Tür einrennen. Er hat gesagt, dass er kein Vertrauen in meine Worte hat. Das ist eigentlich das Schlimmste, was passieren konnte und das ist das Letzte, was ich ihm vermitteln will."
„Das ist so gruselig. Wenn ich dich nicht sehen würde, würde ich denken ich rede mit Samu. Dieses ganze Gelaber über „Ich will sie nicht unter Druck setzen, dann macht sie zu", hab ich doch schon hundert Mal gehört. Aber nicht von dir. Als hättet ihr die Rollen getauscht. Plötzlich sitzt du vor mir und schmiedest Pläne, wie du ihn von dir überzeugen kannst. Wie du ihn dazu bringen kannst dir zu vertrauen. Ihr habt euch echt verdient. Ihr habt beide nicht mehr alle Latten am Zaun. Never ending story."
„Ich weiß. Und du hörst dir das immer wieder an."
„Es ist meine Form der Daily Soap und es gibt anscheinend keine Werbeunterbrechungen. Lucky me."
Sie lachte hell und trank wieder einen Schluck Wein.
„Wo wir ja eben schon darüber sprachen. Willst du Samu das erzählen? Von uns?"
Ich schluckte und sah auf ihr Glas.
„Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich weiß nicht, wann der richtige Zeitpunkt für so etwas ist. Auf der einen Seite waren wir getrennt, auf der anderen Seite, wäre es ihm wahrscheinlich egal, wenn es nicht du gewesen wärst. Ich will ihn nicht anlügen, aber jetzt kann ich ihm das auf keinen Fall sagen. Dann fährt der Zug ohne mich ab. Davon bin ich überzeugt. Das würde diesem ganzen Misstrauen nur die Krone aufsetzen und ich schieße mich selbst in Abseits."
"Da magst du Recht haben. Ich, an seiner Stelle, würde da auch nicht so souverän reagieren. Mir geht ehrlich gesagt etwas die Muffe, dass er mir den Kopf abschraubt, weil ich ihn angerufen habe und wusste, dass es ihm Scheiße geht. Nicht du, dass ich seine Ex-Freundin gefickt hab, nein, ich wusste ja auch was los ist."
„Sag das nicht so! Ich bin anwesend."
Ich lachte.
„Sorry. Ich versuche nu zu erklären, dass hier eindeutig der Bro-Code verletzt wurde. Aktuelle Freundin oder Ex macht da keinen Unterschied. Ich bin Judas. Mit Samu muss ich mich wahrscheinlich niemals wieder über Vertrauen unterhalten, wenn das rauskommt. Ich hab ihm damit nämlich auch in die Eier getreten und ich weiß nicht, was er da für Nehmertalente hat. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde."
„Du meinst also ich sollte es für mich behalten. Auch, wenn das nochmal was werden sollte."
„Ich meine, dass du ihn nicht anlügen solltest. Aber ich meine auch, dass du es ihm nicht sagen solltest, damit es DIR besser geht. Wenn du da dein Gewissen erleichterst, ist das egoistisch. Dir geht's dann vielleicht besser – ihm sicher nicht."
Ich seufzte und nippte an meinem Wein.
„Ich weiß es auch nicht. Aber erstmal ist es besser, wenn du die Klappe hälst. Am Besten bis ich wieder im Flieger nach LA sitze und weit genug entfernt bin. Ich weiß echt nicht, wie ich dem das erklären soll."
„Was soll ich denn sagen?" meinte sie und strich sich eine Strähne hinters Ohr, die sich aus ihrem Dutt gelöst hatte.
„Erstmal abwarten."
Ich trank noch einen Schluck Wein und gähnte. Der Flug war lang gewesen und ich hatte Sophia zu Hause überraschen wollen, als sie hier nicht war, war ich zum Studio gefahren, das aber zu war. Anrufen wollte ich sie nicht, weil ich ihr dummes Gesicht sehen wollte, wenn sie mich sah. Über eine Stunde hatte ich im Leihwagen an der Straße gewartet, als sie endlich in die Auffahrt gefahren kam und das Warten hatte sich gelohnt.
„Du bist müde oder?", fragte sie und grinste.
„Scheißmüde."
„Ich bezieh dir das Bett im Gästezimmer."
Ich folgte ihr und zog meinen Koffer mit mir. Das Haus, was sie bewohnte war wirklich schön, und wie ich ungewollt festgestellt hatte sogar fußläufig vom Studio entfernt. Darum beneidete ich sie fast. Der Verkehr in LA sorgte dafür, dass ich rund eine halbe Stunde brauchte, um ins Studio zu gelangen. Das erklärte auch, warum sie darauf verzichtet hatte sich ein Studio im Haus einzurichten. Vielleicht hatte sie davon auch erstmal die Nase voll. Hatte sie ja erst ein in Samus Haus einbauen lassen, was sie ihm einfach überlassen hatte.
„Willst du noch Duschen?", fragte sie, als sie die Laken auf dem großen Bett glattzog.
„Ich will einfach nur pennen. Der Flug war unendlich."
„Schlaf gut Großer."
Ich zog sie in meine Arme und sie vergrub ihr Gesicht an meiner Halsbeuge.
„Ich freu mich, dass du hier bist."
„Ich mich auch. Schlaf gut."
Sie küsste meine Wange und verließ lächelnd das Gästezimmer. Unter dem Rauschen der Dusche nebenan schlief ich schnell ein.
Die nächsten Tage verbrachten wir gemeinsam im Studio. Sophia und Joonas zeigten mir die Stadt, wir arbeiteten bis spät in die Nacht . Joonas war ein cooler Typ und ich verstand beim besten Willen nicht, warum er Samu nicht leiden konnte. Ich hätte mir gut vorstellen können mit beiden gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Aber dieser Wunsch lag in weiter Ferne. Als Sophia sich einen Nachmittag mit Shopping die Zeit vertrieb, hockten Joonas und ich gemeinsam im Studio, tranken ein paar Bier und lernten uns kennen. War ja auch immer noch was anderes, wenn Sophia dabei war. Wir redeten über die Arbeit und Sport und so viel das Thema automatisch auf das Eishockeyspiel, dass er mit Sophia besucht hatte.
„Das du sie da hinbekommen hast wundert mich. Sie hasst Sportveranstaltungen."
„Hätte ich das gewusst hätte ich sie nicht eingepackt, aber sie wusste nicht, wo wir hinfahren. Ich glaub sie hatte aber trotzdem Spaß."
Anscheinend wusste er nicht, dass dieser Tag für Sophia ein Spießroutenlauf gewesen war. Erstrecht nachdem sie Samu dort gesehen hatte. Das der das falsch aufgefasst hatte, wunderte mich gar nicht. Meine Ex-Freundin hatte sich getrennt, weil sie nicht wollte, dass jemand schlecht von ihr dachte, weil sie mit dem Produzenten schlief. Würde ich nun mitbekommen, dass sie mit jemand anderem aus der Branche ging.... Ich würde ausflippen. So musste Samu sich vorgekommen sein. Sie dort zu sehen, nachdem sie nie mit ihm zu einem Spiel gegangen war und dann auch noch mit einem anderen Kerl, der für die falsche Mannschaft schwärmte. Das war ein Schlag auf die 12. Ich wusste um Samus Ego und um die Zweifel, die er während der Beziehung gehegt hatte. Gerade wenn es um Sophias Gefühle ging. Sie trug ihr Herz wirklich nicht auf der Zunge, aber er hätte es einfach besser wissen müssen. Er wusste doch, was er ihr bedeutete. Aber es hatte nun mal ausgesehen, als hätte sie relativ schnell Ersatz gefunden. Ich hätte auch gezweifelt, dass sie das alles so ernst gemeint hatte. Auch wenn sie es ihm in Berlin gesagt hatte. Für ihn hatte das alles anders ausgesehen.
„Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon?", fragte Joonas, als er sich auf dem Sofa im Aufenthaltsbereich ausstreckte und an seinem Bier nippte.
„So knapp 10 Jahre. Wir haben uns mal in Deutschland bei einer Produktion kennengelernt. Als Sophia mal in Los Angeles für Aufnahmen war, haben wir uns getroffen und ich hab ihr das Studio gezeigt. Danach war sie noch ein paar mal für einige Wochen in LA gewesen und irgendwann ist sie einfach nicht wieder nach Hause geflogen. Die wird man nicht so schnell wieder los." Grinste ich.
Joonas lachte.
„Ich mag sie. Sie ist ne coole Frau. Schlau, hübsch und sie macht nen guten Job."
„Ja. Das stimmt. Sie hat sicher ihre Macken, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich sie vom ersten Moment an mochte."
„Und da ist nie was gelaufen zwischen euch?"
„Wir sind nur Freunde."
„Ach komm. Die wackelt seit 10 Jahren mit ihrem süßen Arsch vor dir rum und du hast nie darüber nachgedacht?"
„Denken kann man viel. Machen ist was anderes. Wir arbeiten zusammen. Ich denke es ist kein guter Plan auf der Arbeit was miteinander anzufangen. Erstrecht nicht, wenn man ständig zusammen arbeitet. Das gilt übrigens auch für dich, Freundchen. Finger weg!"
Er lachte kehlig und trank noch einen Schluck Bier, während ich meine Sneakers wegkickte und meine Füße auf dem Sofatisch platzierte.
„Sie hat also geplaudert?" grinste er.
„Natürlich zerbricht sie sich ihren hübschen Kopf über sowas, aber sie weiß auch, dass das kein guter Plan ist."
Er legte den Kopf schief und überlegte kurz.
„Ich hab mir dabei gar nicht so viel gedacht. Wir waren uns sympathisch, wir verbringen viel Zeit miteinander. Das wäre nicht das erste Mal, dass sowas passiert und ich habe da nie Stress gehabt."
„Da kennst du aber Sophia schlecht." Meinte ich trocken und puhlte am Etikett der Lapin Kulta-Flasche in meiner Hand.
„Wieso?"
„Sophia ist ein totaler Kopfmensch. Den Apparat in ihrem Oberstübchen schaltet sie selten aus. Die denkt 10mal nach, wo andere es längst machen. Unüberlegt handelt sie so gut wie nie. Ich kenne eigentlich nur einen Menschen, dem es gelungen ist, dass sie mal loslässt und die Kontrolle abgibt."
„Samu Haber." Er rollte die Augen und schnaufte genervt. „Ich kann den Namen schon nicht hören. So ein Spacken."
Er grinste.
„Vorsicht Bro. Du redest da über einen guten Freund von mir."
„was habt ihr denn alle mit dem? Jedes Mal, wenn ich den Kerl sehe, frage ich mich, was er eigentlich denkt, wer er ist. So ein aufgeblasener Proll. Ehrlich. Du bist doch n cooler Typ. Warum hängt man da mit so einem eingebildeten Affen ab."
„Weil er auch n cooler Typ ist."
„Ja. Total cool.! Seufzte er und ich vernahm den Sarkasmus in seiner Stimme.
„Mich wundert eigentlich, dass du dich mit ihm verstehst. Auf mich macht er nicht den Anschein, dass du mit dem Kerl irgendwas gemeinsam hast."
„Mehr als dir lieb ist." Meinte ich leise und meine Gedanken drifteten kurz zu meinem Billardtisch im Wohnzimmer meines Hauses ab. „Samu ist weder aufgeblasen, noch arrogant. Eigentlich ist er erschreckend normal. Außer, dass er eine krankhafte Verbindung zu seinem Auto pflegt."
„Ja. Die Schwanzverlängerung hab ich in Turku gesehen."
Ich musste lachen und konnte gerade noch das Bier runterschlucken.
„Was hat er eigentlich gemacht, dass du so ein Problem mit ihm hast?"
„Abgesheen davon, dass er mich jedes Mal mit seinen Blicken tötet, hat er mich mal ziemlich dumm von der Seite angelabert. Auf ner Party hier, auf der ich mit Sophia war. Auf dem Herrenklo. Da ist die letzte Sympathie verflogen."
„Was hat er denn gesagt?"
„Ach egal. Er war halt nicht sonderlich sympathisch."
„Komm. Sag!"
Joonas schnaufte.
„Das sagst du aber nicht Sophia." Meinte er beschwörend.
Ich hob schwörend 2 Finger in die Luft und sah ihn neugierig an.
„Er hat mir beim Pinkeln auf den Schwanz geguckt und dumm gelacht."
Wieder verschluckte ich mich fast an meinem Bier.
„Er hat was?", fragte ich lachend.
„Du hast mich schon richtig verstanden. Ich dachte erst er sie schwul. Ich wusste da noch nicht, dass er Sophias Ex ist. Er hat n dummen Kommentar abgelassen und ist dann abgedampft. Ich fand ihn zwar nicht sympathisch, aber ich hab auch nie was gesagt oder so. Ich hab dem auch gar nicht getan."
„Naja. Du kannst davon ausgehen, dass er denkt, dass du seine Exfreundin vögelst."
„Tu ich nicht. Sie wollte ja nicht." Er grinste.
„Das weiß er ja nicht. Nimm das nicht so ernst. Das passt zu ihm. Der wollte dich nur etwas einschüchtern. Er ist ein guter Kerl. Hunde die bellen beißen nicht und Samu bellt ziemlich laut."
„Triffst du dich mit ihm, wenn du jetzt hier bist, oder ist das Ding durch, weil Sophia und er nicht mehr zusammen sind?"
„Naja. Nachdem die beiden sich getrennt haben, war natürlich erstmal Funkstille. Wir haben nur ein Mal gesprochen. Aber ich werde mich schon bei ihm melden müssen, wenn ich schon mal hier bin. Das bespreche ich noch mal mit Sophia. Wenn ihr das nicht Recht ist, werde ich es nicht tun. Sie geht ja auch nicht mit meiner Ex Kaffee trinken. Fände ich jedenfalls nicht gut. Ich bin da loyal. Obwohl es schade wäre. Ich mag Samu. Wir hatten viel Spaß zusammen in LA. Ich würde ihn gern mal wiedersehen."
„Aber deine Musik ist das doch auch nicht, oder? Dieser Hollywood Hills-Scheiß."
„Pass auf, Freundchen. Das Demo zu dem Hollywood-Hills-Scheiß wurde in meinem Studio aufgenommen."
„In LA? Ah. Jetzt wird n Schuh draus. Hat Sophia da Aktien drin? In dem Song?"
„Das kann man so sagen." Grinste ich. „Nenn es also in ihrer Gegenwart besser nicht „Scheiß"."
„Zu spät. Kein Wunder, dass sie nicht mit mir schlafen wollte."
Ich musste grinsen. Es war zwar etwas befremdlich zu hören, dass Samu anscheinend eifersüchtig reagierte und das er das auch sehr deutlich gezeigt hatte, aber das war etwas, was definitiv auf Sophias Seite stand. Samu war mit ihr noch nicht durch und das hatte ich von Anfang an gewusst. Schön, dass ich mich in den beiden nicht getäuscht hatte.
„Die beiden waren n gutes Paar. Das war für beide ne große Sache. Ich hätte niemals gedacht, dass Sophia mal für nen Kerl LA verlässt. ICh hab sie in all den Jahren nie so gelöst erlebt wie mit Samu. Der hatte nen guten Draht zu ihr. Wahrscheinlich einen besseren als ich. Aber ihr Kopf ist ihr trotzdem ständig im Weg gewesen. Vielleicht benimmt er sich etwas daneben, weil er das noch nicht ganz hinter sich gelassen hat. So lange ist das auch alles noch nicht her."
„Vielleicht benimmt er sich auch daneben, weil er n blöder Spinner ist, der sich aufführt als würde ihm die ganze Stadt gehören."
„Nein. Das tut er auch in LA." Lachte ich. „Nimm das nicht so ernst. Es gibt niemanden der lauter über Samu lacht, als Samu selbst."
„Den Eindruck habe ich so gar nicht. Aber ist mir auch egal. Ich hab mit ihm ja sonst nichts zu tun."
„Wirst du auch nicht haben, wenn du schön deine Finger bei dir behälst. Ich hab keinen Bock darauf, dass es hier Stress gibt. Keine Eifersüchteleien oder Dramen. Ich mein, in der Stadt muss es doch noch andere Blondinen geben."
„Allerdings." Lachte er.
„Wir sollten mal zusammen losziehen." Stellte ich fest.
„Guter Plan. Weißt du schon, ob du länger bleibst?"
„Das kann ich erst nächste Woche sagen. Ich bin noch nicht mal richtig angekommen. Die Zeitumstellung macht mich fertig ich muss heute unbedingt mal durchschlafen. Ich werde alt."
„Wer wird alt?" hörte ich Sophias Stimme und sah auf.
Sie stand mit diversen Tüten in der Tür und grinste uns an.
„Ich nicht." Meinte ich und trank einen Schluck Bier.
„Dann bin ich ja beruhigt. Ich wollte euch nämlich gerade zum Essen abholen."
„Was gibt's denn?", fragte ich.
„Burger?" grinste sie mich vielsagend an.
„Da sind wir dabei." Sagte Joonas und stand vom Sofa auf.
„Komm alter Mann." Lachte Sophia, stellte die Tüten ab und reichte mir ihre Hand, als ich mich viel zu langsam vom Sofa erhob.
„Ich bin nicht alt." Meinte ich.
„Das haben mir schon ganz andere erzählt." Zwinkerte sie.
Joonas verschwand nach hinten ins Studio, um alles auszuschalten.
„Egal was du tust", flüsterte ich Sophia zu, „bring Samu und den niemals wieder in denselben Raum."
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Heimkehr
FanfictionSamu & Sophia Teil 3. Fortsetzung von "Von der Muse geküsst" und "Klimawandel". Inklusive der beiden OS in meinem Account zu finden. Nach Sophias Rückkehr nach Los Angeles scheint die Trennung von Samu endgültig. Wäre da nicht noch etwas, was sie in...
