Schwitzend und schnaufend ließ ich mich in die Laken neben Mina fallen. Mein Herz schlug schnell und das Blut rauschte in meinen Ohren. Mina rang genauso nach Luft und lachte an meiner Seite.
„Jesus." Seufzte ich und wischte über meine Stirn.
Die Nummer war längst überfällig gewesen. Eine Woche hatten wir im Urlaub ständig nur umeinander herumgetanzt. Kamen wir uns näher, hatte sie mich wieder weggeschoben. Warum funktionierte das bei mir eigentlich jedes Mal. War ich so einfach gestrickt? Anscheinend. Je mehr ich mich bemühte, desto mehr hielt sie mich auf Abstand, aber heute Nacht hatte sie endlich nachgegeben. Wir waren essen gewesen und ein wenig in der Nähe vom Strand spazieren gegangen. Immer wieder hatte ich den Arm um sie gelegt und sie geküsst und irgendwie schienen ihre Zweifel heute weggewesen zu sein. Wir hatten noch eine Weile auf dem Balkon des Hotelzimmers gesessen und Wein getrunken und irgendwie hatte es gepasst und sich auf für sie gut angefühlt. Ich konnte ihr nichts versprechen. Wir standen hier irgendwo am Anfang und es ging darum herauszufinden in welche Richtung sich das entwickelte. Aber noch immer gab sie mir ein gutes Gefühl. Sie ruhte irgendwie in sich und steckte mich damit an. Mina selbst hatte weniger Zweifel an meiner Aufrichtigkeit geäußert. Sie rang mehr mit sich selbst. Ich war der letzte, der dieses Problem nicht kannte, aber als ich vorgeschlagen hatte es einfach zu versuchen und zu sehen, was passierte, hatte sie gelächelt und mich geküsst. Auch sie wollte keine Versprechungen machen, die sie vielleicht nicht einhalten konnte. Bisher war eine eventuelle Beziehung kein Thema zwischen uns gewesen. Aber seitdem sich das mit Sophia erledigt hatte und ich mich neu sortieren konnte, waren die Karten neu gemischt. Ich wollte es zumindest versuchen und eventuell scheitern, als es gar nicht erst ausprobiert zu haben. Man wusste ja nie, wohin so etwas führte.
Und jetzt lagen wir hier in meinem Bett. Nackt. Verschwitzt. Keuchend. Und das hatte sich verdammt gut angefühlt. Es war schade, dass sie schon in 3 Tagen wieder fliegen würde. Ich wollte noch bleiben und mich ein wenig erholen, aber Mina musste zurück, weil die Arbeit rief.
Ich drehte mich zu ihrer Seite, küsste sich noch einmal eindringlich und stieg aus dem Bett. In Shorts stellte ich mich auf den Balkon, atmete die frische Luft ein, strich mir die verschwitzen Haare zurück und zündete mir eine Zigarette an.
„Du rauchst zu viel." Hörte ich es von drinnen und sah durch die offene Tür ins Zimmer.
Mina saß auf dem Bett, hatte sich das dünne Bettlaken über die Brust gezogen und grinste mich an. Ihre Wangen waren noch immer sichtlich gut durchblutet und ihre Haare zerzaust. Nie hatte sie mir mehr gefallen.
So konnte der Urlaub weitergehen.
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„Alex, I can't hear anything." murmelte Samu ins Mikrofon und die Musik des Orchesters und der Band verstummte. Der Soundcheck dauerte heute länger als sonst. Ich wusste nicht, ob es an mir lag oder an der Tatsache, dass beim Aufbau einiges schief gelaufen war und ich den halben Tag damit verbracht hatte Kabel auseinander zu knoten und zu sortieren.
Ich hatte vergessen wie kräftezehrend und anstrengend so eine Tour war. Irgendwie hockte man 24 Stunden aufeinander, ständig wollte irgendwer etwas von einem und wirklich Ruhe fand ich nur, wenn wir mal in einem Hotel ankamen und ich mir die Decke über die Ohren ziehen konnte. Aber verdammt, ich liebte es. Ich hatte lange nicht so einen Spaß gehabt und die negativen Seiten rückten komplett in den Hintergrund.
Heute waren wir in Leipzig und würden heute Nacht nach der Show noch nach Hamburg fahren um einen freien Tag zu haben. Schon gestern Abend hatte ich Sophia angerufen, die ich seit 4 Monaten nicht gesehen hatte. Wir telefonierten regelmäßig oder skypten, aber ich wollte sie wirklich gern mal wieder sehen und bereits in der letzten Woche hatte sie die Studiotüren in LA abgeschlossen und hatte sich in den Flieger zu ihrer Familie gesetzt. Morgen würden wir uns also in derselben Stadt aufhalten und ich freute mich den ganzen Tag mit ihr verbringen zu können. Natürlich hatte ich sie eingeladen sich übermorgen die Show anzugucken, aber sie hatte sofort abgelehnt.
„Danke. Aber darauf kann ich verzichten."
„Ich habe nichts anderes erwartet." Hatte ich gelacht.
Ihr ging es gut. Die Sache mit Samu schien ausgestanden. Ich wusste, dass sie sich mit einem Kerl Names Ben traf, den sie am Strand kennengelernt hatte und ein Bekannter einer Freundin war. Was und ob da schon etwas lief, wusste ich nicht, weil sie sich alles aus der Nase ziehen ließ und ich nicht weiter bohren wollte. Wenn sie drüber reden wollen würde, würde sie es tun. Ich freute mich riesig darauf sie zu sehen und hatte direkt Pläne im Kopf, was wir machen würden und welche Läden und Orte wir in Hamburg aufsuchen sollten. Die letzten Tage hatte sie mit ihrer Familie verbracht und alte Freunde getroffen und jetzt sahen wir uns auch endlich mal wieder. Der Deal war, dass sie nach der Tour einige Tage zu mir nach Helsinki kam. Ich wollte mich erholen und sie sollte endlich wieder einen Fuß nach Finnland setzen. Ich wollte Urlaub machen und auf jeden Fall in LA stoppen, um meine Freunde zu sehen und mal wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Auch, wenn sich Sophias Haus mittlerweile wie Zuhause anfühlte. Der Winter war fast rum und so langsam konnte ich wirklich ein wenig Sonne gebrauchen, nachdem ich die Kälte Helsinkis über mich hatte ergehen lassen. Trotzdem hatte ich mich irgendwie eingelebt und würde Sophia um Biegen und Brechen nicht zurück wollen. Es gäbe sicher einen Kompromiss. Ich hätte keine Bauchschmerzen damit auch noch länger zu bleiben. Mir fehlten zwar meine Freunde, aber ich hatte hier auch neue gefunden. Wir würden einen Weg finden beides irgendwie unter einen Hut zu kriegen.
Wieder schob ich an den Reglern herum, bis Samu endlich den Daumen hob und wir essen konnten.
„Freust du dich auf Hamburg?" fragte Samu und schob sich eine Gabel mit Fleisch in den Mund.
Ich nickte und schob die Reste meines Salates zusammen.
„You guys haven't met for a long time."
„Fast so lange wie ihr euch nicht gesehen habt." Grinste ich und er sah mich an und zog eine Augenbraue hoch.
„Dummer Witz. Tut mir leid." Brummte ich.
„It's okay. I think we're both fine. "It's been some time. I'm happy for you, bro."
"Wer freut sich hier über was?" hörte ich Minas Stimme hinter mir. Sie klaute mir mein Cap, setzte es sich auf und nahm neben Samu Platz. Ungefragt klaute sie ihm ein Stück Tomate vom Teller und schob es sich grinsend in den Mund.
„Get your own food." Lachte er und stieß sie mit der Schulter an, was Mina damit quittierte ihm durch die Frisur zu wuscheln.
„Also? Worüber freuen wir uns?", fragte sie wieder.
„Ich freue mich Sophia morgen zu sehen."
„Weißt du schon, was ihr unternehmt?"
„Ich will unbedingt an die Alster und wenigstens einmal durch die Schanze laufen und irgendwo ein Astra und nen Mexikaner trinken."
„Sie ist bei ihrer family?", fragte Samu und schob sich eine Gabel mit Salat in den Mund.
„Ja. Die letzten Tage schon. Sie war ja auch lange nicht da. So wie ich."
„But deine family kann kommen zu die concert in Stuttgart."
„Das tun sie auch und vorher treffe ich sie zum Essen."
„I would like to meet your mother." Grinste Samu. "I think it's time. Our relationship works so well. Ich will kennenlernen Mami."
Mina lachte und boxte ihm gegen die Schulter.
„Setz ihn nicht so unter Druck. Alex ist schüchtern."
„That why I fell in love with him." meinte Samu gespielt verträumt und spülte mit Wasser nach.
„Ich denke drüber nach, Schatz." Lachte ich und nahm seine Hand, die noch die Gabel umklammerte.
Samu warf mir einen Luftkuss zu und wir fingen beide an zu lachen.
„Ich bin hier anscheinend überflüssig." Protestierte Mina lachend. „Ich lasse euch beiden Turteltäubchen erstmal allein und hole mir etwas zu essen."
Sie stand auf und setzte mir meine Mütze wieder auf, bevor sie zum Büffet verschwand. Samu sah mich grinsend an und schüttelte den Kopf, bevor er sich wieder seine Gabel in den Mund steckte.
„She's crazy. That's why I like her." nuschelte er kauend und sah Mina nach.
Sophia stand am nächsten Morgen gegenüber an der Außenalster, als ich das „Atlantic" Hotel verließ. Sie trug einen hellgrauen, halblangen Wollmantel und einen dicken dunkelblauen Schal. Die Beine steckten in blauen Jeans und sie trug schwarze Boots und winkte mir zu, als ich schnell über die Straße lief und sie endlich in die Arme schloss.
„Deine Haare sind kürzer." Sagte ich an ihrem Ohr.
„Dein Bart auch." Lachte sie.
Ich lehnte mich ein Stück von ihr Weg und sah sie an. Sie freute sich sichtlich. Die blonden Haare waren gerade noch lang genug, dass sie ihre Schultern bedeckten und um einiges blonder.
„War das die Sonne?", fragte ich und nahm eine Strähne in die Hand.
„Ja. Die Sonne und ein überteuerter Frisör."
„Sieht gut aus. Wohin gehen wir?"
„Ich dachte wir holen uns einen Kaffee und gehen ein Stück an der Alster?"
„Guter Plan."
Das Wetter war zwar grau, was unserer Stimmung aber keinen Abbruch tat. Wir unterhielten uns und lachten viel. Ich kaufte auf der Mönckebergstraße eine neue Mütze und auch Sophia war großartig gelaunt, genoss die Zeit in der alten Heimat und erzählte von der Zeit mit ihrer Familie und was sie mit Freunden alles unternommen hatte. Wir fuhren mit der UBahn zu den Landungsbrücken, kauften uns ein Fischbrötchen und landeten später in der Sternschanze, um Burritos zu essen und in einer meiner Lieblingsbars, der „Katze", Bier und Mexikaner zu trinken. Ich war so lange nicht in Hamburg gewesen und freute mich wahnsinnig hier zu sein. Diese Stadt war nach wie vor eine meiner Lieblingsstädte dieses Planeten und gepaart mit Sophia machte es doppelt Spaß. Zur später Stunde kündigten sich noch ein paar Kumpels an, die uns in der Schanze abfingen und mit uns um die Häuser zogen. Am Ende aßen wir im „Goldfischglas" an einem großen Tisch und ich lehnte mich zufrieden in meinem Stuhl zurück und beobachtete meine Freunde, die den Abend genauso genossen wie ich.
Timo und Julian waren jetzt zwar keine Freunde der Musik von Sunrise Avenue, wollten aber trotzdem am nächsten Abend vorbeikommen und sich die Show angucken. Ich berichtete ein wenig von diversen Zwischenfällen und Anekdoten der bisherigen Tour und brachte alle zum Lachen. Sophia war etwas verhalten, was ich bei dem Thema verstand, aber sie wirkte nicht so, als würde sie davon noch aus der Bahn geworfen werden.
„Was ist mit dir Miss Sophie? Bist du morgen auch dabei?", fragte Timo und lehnte sich an ihre Schulter.
„Nein. Ich denke nicht."
„Ah. Sorry. Stimmt. Da war was." Sagte er entschuldigend und rieb sich den Bart.
Sie grinste nur und trank einen Schluck aus ihrer Astraflasche.
„Ich würde mich auch freuen, wenn du kommen würdest." Meinte ich leise und sah sie an.
„Alex." Maulte sie. „Das Thema hatten wir schon. Ich will da einfach niemandem über den Weg laufen."
„Guck dir wenigstens Niila an. Danach kannst du gehen. Glaub mir, du wirst niemanden treffen, den du nicht sehen willst. Versprochen. Ich passe auf. Du kannst an der Seite bei mir sitzen, wenn du willst jederzeit gehen."
Sie seufzte und zog die Augenbrauen hoch.
„Denk nochmal drüber nach. Ist ja erst morgen Abend."
„Ich denke ER findet das auch nicht so witzig, wenn er mitbekommt, dass ich da bin oder war."
„Warum denkst du das?"
„Weiß nicht. So ein Gefühl."
„Glaub mir, es wäre okay für ihn. Und wie gesagt, ihr müsst euch da nicht über den Weg laufen. Das lässt sich einrichten."
Kritisch beäugte sie mich und knabberte an ihrer Unterlippe.
„Ich denke darüber nach."
Sie hatte nicht einmal nach ihm gefragt und ich wusste auch, dass sie all das, was in der letzten Zeit geschehen war nicht wissen wollte und solange sie sich nicht danach erkundigte, würde ich nichts sagen.
„Noch nen Mexikaner?", fragte Julian und stand schon auf.
„Letzte Runde für mich." Sagte ich. „Ich muss morgen wenigstens einigermaßen ansprechbar sein."
„Du hast auch schon bessere Zeit erlebt, Alter." Lachte er und schlug mir im Vorbeigehen auf die Schulter.
„Ich bringe dich noch zum Hotel." Meinte Sophia.
Als wir von Bahnhof zum „Atlantic" zurückliefen, hakte Sophia sich bei mir ein und war ruhig geworden. Das lag zu einem daran, dass wir ganz gut getankt hatten und sich die Müdigkeit langsam breitmachte, zum anderen, dass wir uns nun verabschieden musste.
„Der Tag ist viel zu schnell vergangen. Aber wir sehen uns ja in ein paar Wochen in Helsinki."
Ich seufzte, blieb stehen und nahm ihre Hände in meine.
„Eigentlich hoffe ich noch immer, dass wir uns morgen sehen. Es ist doch blöd, dass wir beide in der Stadt sind und dann den Tag vergeuden."
Wieder sah sie mich kritisch an.
„Ich würde dich auch gern sehen, aber dieses ganze Drumherum... ich weiß nicht, ob ich mich da wirklich reinwerfen will. Mir reicht es schon, wenn ich ein Tourplakat hier in der Stadt sehe und bin jedes Mal dankbar, dass nicht noch sein Gesicht draufgepresst wurde."
Ich lachte.
„Komm, gib dir n Ruck. Du kommst kurz vorm Einlass zum Logeneingang und ich hol dich ab. Dann fahren wir mit dem Fahrstuhl hoch, trinken ne Cola, essen nen Hotdog und ich zeig dir meinen Arbeitsplatz. Du musst nirgends hinter der Bühne rumturnen und dann guckst du dir Niila an und gehst wieder. Ich glaube es würde dir gefallen. Und davon mal abgesehen: Ich würde mich tierisch freuen."
Sophia sah runter auf unsere Hände und wiegte sie hin und her.
„Los, sei nicht so ein Mädchen."
Sie lachte leise und sah mich an.
„Okay. Aber du versprichst, dass ich danach gehen darf. Keine Diskussionen."
Ich ließ ihre Hände los und hob beschwörend die rechte Hand.
„Indianerehrenwort ohne Kriegsbemalung."
Wir lachten beide und ich schloss sie nochmal in die Arme.
„Du bist so stur." Lachte sie an meinem Ohr.
„Wie eh und je. Bis morgen. Ich freue mich."
„Ich mich nur halb." Nuschelte sie.
Ich drückte sie nochmal und verschwand dann im Seiteneingang des Hotels.
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Heimkehr
FanfictionSamu & Sophia Teil 3. Fortsetzung von "Von der Muse geküsst" und "Klimawandel". Inklusive der beiden OS in meinem Account zu finden. Nach Sophias Rückkehr nach Los Angeles scheint die Trennung von Samu endgültig. Wäre da nicht noch etwas, was sie in...
