Das Haus wirkte fast ein wenig fremd, als ich nach der Studioarbeit am Abend nach Hause kam. Ich hatte noch gar nicht wirklich verdaut, was in den letzten 6 Wochen passiert war. Eigentlich hatte ich längst auf meinen gepackten Koffern gesessen und mich schon irgendwie ein wenig darauf gefreut demnächst wieder in der Sonne zu sitzen. Es war immerhin mittlerweile Ende Oktober gewesen. Jetzt, Mitte Dezember, saß ich noch immer hier. Es war kalt. Es war dunkel und trotzdem gefiel es mir ein wenig. Seit Sophia abgeflogen war, war es ruhiger geworden. Das lag nicht an ihr allein. Sie hatte nicht vollkommen den Verstand verloren, sondern wirkte fast etwas abgeklärt, als sie die Entscheidung getroffen hatte vorerst meinen Platz in LA einzunehmen. Wie lange das gehen würde, wussten wir nicht. Sie wollte Abstand und den Kopf freikriegen. Das hier war keine Flucht. Es war anders als beim letzten Mal. Diesmal schien sie so, als würde sie einfach wirklich mit dieser Geschichte abschließen zu wollen und dafür brauchte sie Zeit und wollte Samu nicht über den Weg laufen. Das verstand ich. Als ich aus dem Gebäude von Universal Music gekommen war, um nach Sophia zu sehen, hatte sich mir ein Bild geboten, dass ich nur aus irgendwelchen Weiberfilmen kannte. Ich hatte zwar kein Wort verstanden, aber es wurde gebrüllt, gezetert und am Ende hatte sie Samu stehenlassen und war schnellen Schrittes die Straße hinuntergestürmt. Samu hatte wie ein begossener Pudel auf dem Bürgersteig gestanden und mich fast etwas hilflos angesehen, als ich an ihm vorbeigelaufen was. Er war wütend gewesen. Das hatte ich nicht übersehen können, aber in erster Linie hatte er verzweifelt gewirkt. Ich war wortlos an ihm vorbeigelaufen und hatte Sophia vor der Ecke noch eingeholt gehabt, um sie in ein Taxi zu schieben und nach Hause zu bringen. Später hatte sie mir alles erzählt und ich hatte mich ein wenig in meinem Misstrauen bestätigt gefühlt, dass ich gegenüber dieser Verbindung zwischen Mina und Samu gehegt hatte. Nachdem wir zu Hause angekommen waren, hatte sie nicht eine Träne mehr vergossen und auch die Woche danach war sie sehr gefasst gewesen. Natürlich machte sie keine Luftsprünge, aber sie arbeitete, ging mit Joonas und mir essen und wir verbrachten den Feierabend zusammen in der Stadt, gingen spazieren und führten lange Gespräche. Unserer Freundschaft tat das gut. Vielleicht hatten wir uns das erste Mal wieder so nahe gefühlt, seit diese Sache damals zwischen und passiert war. Es schien, als hätte Samu einen Nerv getroffen und zwar genau den Nerv, den er hatte treffen müssen, um ihr endgültig den Todesstoß zu versetzen. Mit einem Schlag hatte er alles zunichte gemacht, was sie monatelang mühselig versucht hatte wieder zusammenzusetzen. Die Tatsache, dass er mit einer anderen schlief, während sie versuchte ernsthaft an dieser Beziehung zu arbeiten und diese Dame anscheinend nicht einfach nur irgendeine Frau war, sondern ihm in irgendeiner Form etwas bedeutete, hatte ihr einfach den Rest gegeben. Ich konnte mir sein Verhalten auch nur schwer erklären und ich hatte mittlerweile aufgegeben es zu versuchen. Durch den endgültigen Cut zwischen Sophia und ihm, würde auch unsere Freundschaft ein Ende haben. Das was er gemacht hatte, war in meinen Augen respektlos. Das war es von dem Moment an, als er bei ihr im Studio aufgetaucht war und sie gebeten hatte eine Pause zu bekommen. Diese hatte er anscheinend genutzt. Ein wenig zu ausgiebig. Er hätte es einfach beenden sollen. Trotzdem hatte er sie nie ganz losgelassen und ich erkannte den Sinn dahinter nicht und hatte beschlossen, dass ich selbst ordentlich einen an der Schacke haben musste, um das nachvollziehen zu können. Von daher war es wohl ganz gut, dass ich es nicht verstand.
Vor etwas mehr als 5 Wochen war Sophia nach LA geflogen. Von Samu hatte sie nichts mehr gehört. Wahrscheinlich hatte er verstanden, dass es diesmal kein Zurück gab. Trotzdem tat es mir leid. Die beiden waren eigentlich ein tolles Paar gewesen. Auch, wenn sie sich manchmal die Köpfe eingehauen hatten, hatte man schon gemerkt, wie nahe sich die beiden wirklich waren. Er hatte sie nicht nur einmal umgekrempelt und am Ende hatte sie sich verbogen, um ihm zu gefallen und ihm zu beweisen, dass sie eine andere war. Entweder hatte er es nicht zu schätzen gewusst oder der Ofen war längst aus gewesen. Immer wieder kam ich an den Punkt, an dem ich es darauf schob, dass er einfach nicht die Eier gehabt hatte das zu beenden und vielleicht sogar erwischt werden wollte, damit sie das übernahm. Warum er allerdings dann hinter ihr hergerannt war und mit ihr so ein Drama auf der Straße veranstaltete, verstand ich wiederum nicht. Wie gesagt, der Kerl musste einfach irgendwie durchgedreht sein, nachdem sie ihn in Helsinki hatte sitzen lassen.
Sophia ging es soweit gut. Sie hatte ordentlich zu tun und war ein wenig froh wieder in LA zu sein, auch wenn sie betonte, dass sie Heimweh hatte. Ich glaubte, dass sie sich hier eingelebt hatte und irgendwann zurückkommen wollte, aber bis dahin schenkte ich ihr die Zeit. Ich war schon so lange in LA. Ich konnte da wirklich mal raus und mir gefiel es hier. In 2 Wochen war Weihnachten und ich würde meine Familie in Stuttgart besuchen. Das ich dort mal ohne Jetlag ankam würden meine Eltern und mein Bruder auch zu schätzen wissen und ich war auch froh, einmal nicht so eine lange Anreise zu haben. Auch Sophia verbrachte dieses Jahr Weihnachten mit Freunden in LA und hatte ihrer Familie versprochen dafür im Frühjahr bei Ihnen vorbeizuschauen. Sie hatte es auf die Arbeit geschoben. Ich wusste, dass es ihr zu viel war jetzt nochmal den langen Flug auf sich zu nehmen und aus den letzten Jahren, war es mir bekannt, dass ihre Familie auch nicht so ganz einfach war. Sich jetzt noch den bohrenden Fragen auszusetzen, was den mit Ehe und Kindern war... Das hätte ich mir in dieser Situation auch nicht gegeben. Bis zum Frühjahr wollte ich hier auch erstmal mit allen Projekten durch sein und vielleicht Urlaub machen. Dann wollten Sophia und ich sehen, wie es weiterging. Solange wohnte sie in meinem Haus und ich blieb in ihrem. Die lästige Wohnungssuche war damit auch aufgehoben und wir konnten unkompliziert einfach wieder jeder in sein Heim kehren. Wenn es denn so kommen würde. Aber irgendwann wollte ich eigentlich schon wieder zurück.
Heute Abend war ich mit einem Kumpel von Joonas verabredet, der schon ein paar Mal mit uns unterwegs gewesen war. Daniel war vor ein paar Jahren in Helsinki gestrandet, nachdem er lange in München gearbeitet hatte und als Tontechniker in Stockholm gewesen war. Er war ein netter Kerl und sehr lustig. So groß wie ich, schwarze Haare, Bart und hatte eine Vorliebe für ausgefallene Mützen. Wir trafen uns in der „Woolshed Bar", aßen Burger, lauschten etwas Livemusik und tranken das ein oder andere Bier. Daniel hatte seit 2 Jahren eine Freundin. Noora hatte ihn an der Bar abgesetzt und wollte ihn später auch wieder abholen, weil sie mit Freundinnen verabredet war. Der Abend war super entspannt und wir lachten eine Menge. Solange, bis mir das Lachen im Halse steckenblieb, weil ich einmal quer durch den Raum Samu entdeckte. Er saß mit Leuten, die ich nicht kannte an einem Tisch und sah mich an. Anscheinend hatten sie auch gegessen und Samu lehnte über einem Longdrink und sah ernst zu mir rüber. Er nickte unsicher und widmete sich wieder seinem Gegenüber. Ich verkniff mir eine Begrüßung und unterhielt mich weiter mit Daniel, der noch über die Band sprach die bis eben gespielt hatte. Noora rief an, um ihm zu sagen, dass sie nun losfahren würde, um ihn abzuholen und er beglich seine Rechnung und verabschiedete sich, während ich nochmal schnell den Raum für kleine Ballerinen aufsuchte. Als ich an meinen Tisch zurückkam, um meine Jacke abzuholen und mich auch auf den Heimweg zu machen, hatte ich einen neuen Gast am Tisch sitzen: Samu. Ich schnaufte nur und wollte meine Jacke nehmen.
„5 minutes." Brummte er und sah mich an.
„Ich brauche nicht mal eine." Meinte ich. „Geh nach Hause, Samu! Das werde ich jetzt nämlich auch tun."
„Bitte!" sagte er leise und starrte auf den Tisch.
Seufzend setzte ich mich ihm gegenüber auf meinen Platz und sah ihn an.
Er lehnte die Unterarme auf den Tisch und schnaufte.
„Du weißt, dass das hier vollkommen überflüssig ist oder?"
„I know. And I know, that I had to do this talk much earlier. When I saw you, ich habe gedacht that's my chance now."
"Bevor du fragst: Sie ist weg."
Er sah auf, aber in seinem Gesicht war keine Regung zu sehen.
„LA?"
Ich nickte.
„Geht es ihr gut?"
Ich zuckte die Schultern.
„Soweit ja. Ich glaube die Nummer, die du dir geleistet hast, war einfach so krass, dass sie nun endgültig die Nase voll hatte."
Samu lehnte sich in seinem Stuhl zurück und starrte auf die Tischplatte.
„It's not so easy. Du denkst I kind of chaeted on Sophia. But I didn't."
"Ich weiß nicht, wie man das sonst nennen soll. Du haust ab nach Spanien und als du wiederkommst, sagst du ihr, dass du nicht mit ihr zusammensein kannst, weil du nicht weißt was du willst, aber sie doch bitte auf dich warten soll."
„I never said that!" er zog die Augenbrauen hoch und sah mich aufmerksam an. „We haven't been together that time and I told her, dass ich bin keine good company and that I could not be there for her, weil ich bin mir nicht sicher mit meine feelings. I didn't wanna hurt her and I promise, dass ich war honest with her and wanted to be fair. I told her the truth."
"Du hottest einfach Schluss machen sollen. DAS wäre fair gewesen. Du hast sie einfach am ausgestrecken Arm verhungern lassen. Mal gucken, was sich so mit der anderen entwickelt und wenn das nicht klappt, dann back to basic."
„NO! It's not like that. Mit Mina meine feelings waren nie mehr als friendship."
„Ach ja? Du führst aber eigenartige Freundschaften." Gab ich sarkastisch zurück.
Samu verschränkte die Arme vor der Brust und streckte die Beine unter dem Tisch aus.
„You too."
„DAS war etwas anderes. Meinst du nicht? Das war ein einmaliger Ausrutscher und das weißt du auch. Das was du da abgezogen hast, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Du hast ihr immer noch Hoffnungen gemacht und Zuhause hat die andere auf dich gewartet."
„Es war nicht mehr als eine friendship. Yes, we had Sex, aber das ist nicht alles von die story."
Und dann holte er Samu ziemlich weit aus. Von dem Moment an, wie er sich gefühlt hatte, als ich ihm von der Sache mit Vivianne und Sophia erzählt hatte, über die Nacht, die er mit Mina in Barcelona verbracht hatte, bis zu dem Tag, als Sophia ihm fast eine geknallt hatte und ihn auf der Straße hatte stehenlassen.
Wir hatten noch eine Runde Bier bestellt und hockten vor unseren Gläsern.
„Wo ist Mina jetzt?"
„Sie ist in die holiday flat von meine friend. She's working a lot right now, but we are in contact. I really enjoy spending time with her. Mina is easy. Aber after Sophia left in anger I needed some time for myself. Mina will fly back to Barcelona for christmas und wir treffen uns morgen für eine Dinner und Eishockey. I think she will come back next year, weil sie ist noch nicht fertig mit ihre work here. She gave me space. She has her own life and she found some friends here . I thought she'll fly back after the fight with Sophia, weil ich habe nicht so viel time for her and I wanted to be alone. But she wasn't mad. Es war okay for her and she understood me and my crazy mind."
Ich hatte aufmerksam zugehört. Das musste ich erstmal sacken lassen. Samu hatte einen ganz anderen Blick auf die Sache und schien wirklich fertig gewesen zu sein. Ich konnte schwer einschätzen, wie es ihm jetzt ging, aber da er hier mit mir an diesem Tisch saß und darüber sprach, zeugte ja davon, dass er klar kam.
„Alex, believe me. I loved Sophia und meine feelings grew every minute I spent with her and I was so close to talk to her and to explain diese Ding mit Mina. I knew I had to. I wanted to be with her and I started so recognize that. But then this evening came and everything went out of control. Sophia changed so much and that confused me too and now... I don't know."
Er seufzte, strich sich die Haare aus der Stirn und lehnte sich wieder auf seine Unterarme.
„Sure, there are feelings, but I think it's better, if we go separate ways. Es hat nicht geklappt, auch wenn wir haben es versucht over and over again. And maybe this time we both are done with it. I think I was so afraid of being hurt again, that I didn't make up my mind and didn't give her a real chance. And when I tried it was to late. End of the story."
Ich nickte. Eigentlich tat er mir leid. Er gab sich die Schuld an der Sache. Vielleicht hatte die auch, aber seine Beweggründe waren andere gewesen. Gründe, die Sophia nicht verstanden hatte. Hätte ich an ihrer Stelle wohl auch nicht, aber ich war auch ein Kerl. Ich verstand beide und war eigentlich etwas erleichtert darüber, dass dieses Gespräch nicht darauf hinausgelaufen war, dass er mich fragte, was er tun konnte, um Sophia zurück nach Helsinki zu holen. Ich glaube ich hätte ihm eine gelangt und wäre gegangen. Mein Blickwinkel war nun ein anderer.
„Ich war nicht so sure, ob du willst hören, what I had to say or if you would understand me. I know what Sophia means to you und das du bist loyal, but maybe du hast Lust to show up at our rehearsals for die tour. I'll leave Helsinki before christmas for holidays and will be home at the end of February. So there are still 2 weeks left und wenn du hast Lust to see all the orchestra stuff and technic... call me! You're invited and I would be happy to meet you. But I understand, wenn du willst nicht, weil du bist loyal oder du denkst ich bin eine fucking idiot."
Ich grinste.
„Der bist du. Aber der warst du schon, als wir uns kennengelernt haben."
Samu lachte leise und freute sich sichtlich über diesen Satz.
„Ich wird drüber nachdenken."
„Good."
Ich zückte mein Portemonaie und wollte mein Bier bezahlen, aber Samu hob die Hände.
„No. It's on me."
„Danke."
Ich steckte mein Geld zurück und stand vom Stuhl auf.
„Thank YOU." Meinte er leise. „I thought you won't listen."
"Das dachte ich auch." Meinte ich und zog meine Jacke an.
Samu erhob sich und wartete, bis ich mich fertig angezogen hatte. Wir umarmten uns und klopften uns auf die Schulter.
„Danke." Meinte er nochmal.
„Ich bin froh, dass es dir gut geht." Sagte ich und entzog mich langsam seiner Umarmung.
Samu nickte.
„Ich melde mich."
Dann ging ich Richtung Ausgang.
Der Abend war irgendwie anders verlaufen, als ich erwartet hatte und auf der Rückfahrt im Taxi überlegte ich, ob ich Sophia von diesem Gespräch erzählen sollte. Ich wollte eigentlich keine Geheimnisse vor ihr haben, was das Thema Samu anging. Aber ich wollte sie auch schützen und nicht unnötig aufwühlen. Sollte ich wirklich zu den Proben fahren, könnte ich danach noch immer mit ihr sprechen. Ich hatte keine Idee, wie sie reagieren würde. Ich wusste, dass Sophia keine Loyalität einfordern würde. Aber ich wollte auch, dass sie wusste, dass ich sie verstand und für sie da war. Würde ich in Kontakt mit Samu stehen, könnte sie auch denken, dass dem nicht so war. Ich wollte nur einfach nicht mehr in dieser Geschichte drinstecken. Ich mochte Samu. Ja, er hatte Scheiße gebaut, aber er hatte sich erklärt und anscheinend lag ihm etwas an unserer Freundschaft. Das wollte ich auch nicht einfach wegwerfen. Immerhin hatte er einen großen Schritt auf mich zugemacht und ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass ihm das nicht leicht gefallen war. An seiner Stelle hätte ich den Schwanz eingezogen und wäre nach Hause gegangen. Er hatte nicht den einfachen Weg gewählt und das wusste ich zu würdigen.
Bereits 4 Tage später saß ich in einem Gewühl von aufgeregten Finnen und kilometerlangem Gekabel unter einem Pult und schloss Stecker an. Diese Masse an Leuten unter Kontrolle zu halten schien schier unmöglich. Alle rannten durcheinander, ich verstand nur die Hälfte und obwohl ich eigentlich heute frei hatte und nur mal gucken und zuhören wollte, hatte ich natürlich wiedermal nicht meine Klappe halten können und steckte nun mittendrin.
Während ich noch mit der Einstellung eines Monitors beschäftigt war, von dem ich derzeit nicht mal wusste, zu wem dieser gehörte, beobachtete ich, wie Samu Richtung Eingang lief und Mina in Empfang nahm. Ich schielte unter dem Pult hervor um die Ecke und beobachtete das Szenario. Mina strahlte und Samu zog sie ohne Umschweife in die Arme. Ihr Gesicht verschwand irgendwo an seinem Hals und er strich ihr über den Rücken und vergrub seine Nase in ihrem Haar. Eine halbe Ewigkeit standen die beiden einfach nur da und rührten sich nicht. Ich sah, dass viel geflüstert wurde. Mina lacht hell und schlang ihre Arme noch fester um ihn. Er küsste ihre Schläfe, verschwand wieder in ihren Haaren und schloss die Augen. In gleichmäßigen Bewegungen fuhren ihre Hände über seinen Rücken und Samu schien das zu genießen.
Irgendwie wirkte das alles andere als freundschaftlich, aber ich wollte ihn nicht verurteilen. Ich glaubte nicht, dass er mich angelogen hatte. Spätestens jetzt wäre er doch sowieso aufgeflogen. Es sprach ja auch nichts dagegen, dass sich da vielleicht jetzt erst etwas anbahnte. Er und Sophia waren getrennt. Er hatte viel Zeit gehabt, um nachzudenken. Ich würde ihn mit Sicherheit nicht dafür verurteilen sich neu zu verlieben. Die Chemie zwischen den beiden schien ja gestimmt zu haben und die Situation war eine vollkommen neue, jetzt wo Sophia weg war und auch keine Anstalten mehr macht um ihn kämpfen zu wollen. Ich wollte aber auch nicht in die Situation kommen ihr nicht alles erzählt zu haben und beschloss sie heute Abend anzurufen und ihr zu erzählen, was geschehen war.
Ich konzentrierte mich wieder auf das viele technische Spielzeug um mich herum, als Mina plötzlich vor dem Pult hockte und mich breit angrinste.
„Hi Alex. So sieht man sich wieder."
„Hi." Murmelte ich nur und sah wieder auf den Stecker. „Geht's dir gut?"
„Ja. Super. Und bei dir."
„Gut." Meinte ich.
„Samu meinte, dass du heute auch zugucken wolltest. Ich sehe ich bin heute die einzige Zuschauerin. Du steckst ja schon mittendrin."
„Kann man so sagen. Das war auch nicht mein Plan. Ich solle zukünftig einfach öfters die Klappe halten."
„Und dabei kenne ich dich doch nur so wortkarg." Lachte sie, stand auf und schlenderte durch die große Halle, um einige Leute zu begrüßen. Sie trug blaue, enge Jeans, schwarze Sneaker und eine weiten, langen schwarzen Strickpulli. Die blonden Haare waren um einiges kürzer geworden und reichten ihr gerade noch bis zur Schulter.
Ich sah, wie sie die Band begrüßte und einigen Leuten vom Orchester winkte. Unbekannt war sie hier also auch nicht. Nachdem sie noch eine Weile mit Samu am Rand des Geschehens gestanden und sich unterhalten hatte, zog der sie wieder an sich und ließ sie auch so schnell nicht mehr los.
Während die Proben weiterliefen und ich noch immer mit den Einstellungen und nun auch der Beschriftung der Sender beschäftigt war, rannte Mina durch die Halle und schoss Fotos. Immer wieder sah Samu zu ihr rüber und lächelte. Auch in den Pausen führte sein erster Gang immer zu ihr und irgendwann saßen die beiden engumschlugen auf einem Sessel und das Gekuschel ging weiter. Sie kraulte ihm den Nacken, klaute ihm die Mütze und die beiden alberten herum, bis die Pause zu Ende war. So befremdlich mir diese Situation auch vorkam, es war schön zu sehen, dass es ihm gut ging. Auch bei mir stoppte er immer wieder, bedankte sich, dass ich meine Hilfe angeboten hatte und war sichtlich darum bemüht, dass es mir gut ging und ich auch wirklich helfen wollte und mich nicht genötigt fühlte hier irgendwas in die Hand zu nehmen, was ich nicht zu meiner Sache machen wollte.
Kaum waren wir am Abend fertig, saß ich mit Mikko und Samu in der Sofaecke der Halle, trank ein Bier, hatte einen Vertrag vor der Nase liegen und ein großes Fragezeichen über dem Kopf.
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Heimkehr
Fiksi PenggemarSamu & Sophia Teil 3. Fortsetzung von "Von der Muse geküsst" und "Klimawandel". Inklusive der beiden OS in meinem Account zu finden. Nach Sophias Rückkehr nach Los Angeles scheint die Trennung von Samu endgültig. Wäre da nicht noch etwas, was sie in...
