Ich saß wie vom Donner gerührt auf dem Stuhl und starrte auf die Bühne, auf der Samu gerade den Song begann.
„This is not really me..."
Mina? Viel Zeit verbracht? Er sagte mir nicht mal, dass er hier war und dann widmete er den Song einer anderen. Der Frau, die Alex mit ihm getroffen hatte. Der Frau die mich an dem Abend im „Tavastia" begrüßt hatte.
„Ich hab schon viel von dir gehört." Hallte es in meinen Gedanken.
Und da stand sie auch schon. Sie lehnte an der Wand seitlich der Bühne. Daneben stand Mikko. Während er auf seinem Handy herumtippte, sah sie lächelnd zur Bühne und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Ganz locker. Als würde er ihr jeden Tag ein Lied singen. Vielleicht tat er das? Ich musterte sie genauer. Sie trug einen blauen Jeansrock, eine weiße Bluse und einen grauen Cardigan. Die langen Beine verschwanden bis über die Wade in schwarzen, hochhackigen Stiefeln und die langen, blonden Haare waren zu einem seitlichen, geflochtenen Zopf gebunden. Samu sah zu ihr rüber und lächelte, während er weitersang und Mina lächelte zurück. Ich fühlte wie Alex Hand sich auf meine legte, als würde er meine Gedanken lesen und mich auf dem Stuhl halten wollen. Ich sah verwirrt zu ihm rüber. Er wirkte besorgt und beugte sich ein Stück zu mir rüber.
„Ich würde ja jetzt sagen, dass es dafür eine Erklärung gibt, aber mir kam das auch alles komisch vor."
Ich hätte ihn danach fragen sollen. Ich wollte es. Aber ich hatte es nicht getan, weil ich befürchtet hatte, dass ich ihn mit einer unangebrachten Eifersuchtsattacke in die Flucht schlagen würde. Wenn sie ihm so wichtig war und er seine Zeit mit ihr verbrachte, warum hatte er nichts davon erzählt? Nein, ich hätte nicht fragen müssen. Wenn Mina eine so wichtige Rolle in seinem Leben übernahm, dass er ihr einen Song widmete, vor all diesen Leuten, dann hätte ich erwartet, dass er mir davon erzählt hätte. Alles, was ich wusste war, dass sie eine Freundin aus Barcelona war und sie schien hier zu Besuch zu sein. Wenn sie sich doch seit Jahren kannten, warum schien sie plötzlich eine solch große Rolle zu spielen und ihn „aufzuheitern", wie er so schön gesagt hatte. Aufheitern von was? Von dem Stress mit mir?
„Ich hab schon viel von dir gehört." Da war der Satz wieder.
„Ich muss hier raus." Meinte ich apathisch.
Ich wollte keine Szene riskieren, lächelte in die Runde und erhob mich von meinem Stuhl. Alex Hand schloss sich fester um meine.
„Sophia!" zischte er leise, aber ich schob seine Finger weg und schüttelte den Kopf.
Ich legte meine Hand auf seine Schulter und sah ihn bittend an, während ich mit der anderen nach meinem Trenchcoat griff. Alex verstand und blieb sitzen. Schnellen Schrittes ging ich den langen Gang zwischen den Tischen entlang und richtete den Blick auf die Tür. Die Leute an den Tischen schenkten mir keinerlei Beachtung und schauten zur Bühne. Der Weg zur Tür am Ende des halbdunklen Raumes kam mir unendlich weit vor. Einige Keller und Leute vom Catering standen an der Seite und ein Sicherheitsmann sah mich kommen und öffnete die Tür, und das gleißende Licht aus dem Flur schlug mir entgegen. Ich hörte das das Solo zu Ende gehen und endlich hörte das „Pling Pling" in meinem Kopf auf zu dröhnen.
„Welcome to the show it's here each night. It's true every single line. It's all here for your eyes only"...
Endlich erreichte ich die Tür, blinzelte ins Licht und blieb kurz im Rahmen stehen. Als ich mich umdrehte, trafen sich unsere Blicke. Samu sang weiter, aber ich sah in seinem Gesicht, dass er wusste, was hier gerade geschah. Ich schüttelte nur den Kopf, verließ den Saal und hinter mir fiel die Tür wieder ins Schloss.
Schnurstraks lief ich weiter Richtung Ausgang. Ich wusste eigentlich gar nicht, wo ich hinwollte. Nach Hause? In die Stadt? In die nächste Bar? Mich in die Ostsee stürzen? Erstmal raus. Ich brauchte Luft. Ich ging weiter, die Treppe nach oben, stieß die Tür auf und stand in der kalten Luft. Es war dunkel und der Straßenlärm schlug mir entgegen.
Ich ging die Straße hoch und wusste noch immer nicht so richtig wohin mit mir. Drei Häuser weiter blieb ich stehen und lehnte mich gegen die Hauswand. Ich konnte gar nicht fassen, was eben passiert war. Ich wusste auch nicht, wie ich reagieren sollte. Heulen? Schreien? Etwas kaputtwerfen? Ich konzentrierte mich erstmal aufs Atmen, legte den Kopf in den Nacken und atmete tief durch. Ich wusste gar nicht was ich fühlte. Wut? Enttäuschung? Demütigung? War es wirklich naiv gewesen, dass ich dachte diesen Mann zu kennen und zu denken, dass ich die erste Geige in seinem Leben spielte? Oder war das wirklich längst vorbei? Ich wusste gar nicht, was mich am meisten erschreckte. Das er einer Frau einen Song widmete, von der ich eigentlich nie etwas gehört hatte, die ihm aber offensichtlich sehr wichtig war oder das er anscheinend mit ihr über mich gesprochen hatte. Natürlich konnte er über seine Situation reden. Natürlich hatte er Freunde, bei denen er seinen Dreck abladen konnte. Aber schien mit ihr geredet zu haben, als er es mit keinem anderen getan hatte. Nicht mal mit mir. Mich hatte er im Ungewissen gelassen und war nach Barcelona abgehauen. Nach Barcelona. Mina. Barcelona. Hatten sie sich wiedergetroffen und er hatte sie mitgebracht? Das war doch alles vollkommener Quatsch. Reagierte ich über? Die ganzen letzten Monate hatte ich das Gefühl gehabt mit angezogener Handbremse zu fahren. Ich hatte mein eigenes Temperament gezügelt, um Samu nicht auf die Füße zu treten. Hatte versucht nicht so impulsiv zu sein, um ihn nicht von mir wegzustoßen. Hatte mich wieder auf ihn eingelassen und versucht ihm irgendwie näher zu kommen und ihm zu zeigen, dass ich das hier wollte. Hatte versucht es ihm recht zu machen. Ich hatte mich bemüht in einigen Situationen anders zu reagieren und ruhig zu bleiben. Ich hatte alles getan, um nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen und bekam dann zu hören, dass ich nicht mehr die alte war. Das wir nicht mehr die Menschen waren, die wir mal gewesen sind. Das sagte mir der Mann, für den ich hierhergekommen war. Für den ich alles stehen und liegen gelassen hatte. Dem ich Dinge verziehen hatte die ich einem anderen vielleicht nicht verziehen hätte. Vor dem ich einen Seelenstriptease hingelegt hatte und versucht hatte mich endlich zu öffnen. Der Mann, der mich scheinbar wieder an sich rangelassen hatte, um mich wieder wegzustoßen. Und dann stellte sich dieser Mann auf eine Bühne und widmete diesen einen Song einer Frau, die ich nicht mal kannte. Von der ich noch nie zuvor gehört hatte, aber die anscheinend genug über mich wusste.
Ich kramte in meiner Tasche nach meinen Zigaretten. Mein Schlüssel und mein Lippenstift fielen heraus und er kullerte vor meine Füße. Ich beugte mich runter, hob ihn auf, stopfte alles zurück und wollte mir gerade eine Zigarette anzünden, als ich im Augenwinkel sah, wie die Tür zum Universalgebäude aufgerissen wurde und Samu heraustrat. Er blieb stehen, sah sich suchend um, entdeckte mich und ging schnellen Schrittes los. Ich ließ die Zigarette fallen, stopfte das Feuerzeug in meine Handtasche und sah, wie er Geschwindigkeit aufnahm. Ich drehte mich um und ging los.
„Sophia! Wait!"
Ich lief einfach weiter. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich wollte hier einfach nur noch weg. Eine Hand legte sich auf meine Schulter, aber ich schüttelte sie ab und ging weiter. Wohin auch immer. Nur weg von hier.
„I said wait!" meinte er laut und packte meinen Oberarm, so dass ich gezwungen war stehen zu bleiben.
„Fass mich nicht an!" zischte ich und schlug seinen Arm zur Seite.
„Let me explain"
„Was willst du mir erklären?" ,fuhr ich ihn lautstark an. „Ich hab genug gesehen und gehört für heute Abend."
Wieder packte er meinen Arm und hielt mich fest.
„Listen to me!" ertönte es laut und ich sah zu ihm hoch.
„Ich wollte reden über das."
„Wann? Morgen beim Frühstück oder letzte Woche bei mir zu Hause? Oder beim Kaffee trinken?"
„I didn't know, dass du bist here heute."
"DAS glaub ich dir." Lachte ich höhnisch.
„Don't be like that. We can talk."
"Über was? Darüber, dass du mit einer Fremden über unsere Beziehung sprichst?"
„Sie ist nicht eine stranger. Not for me."
„Vor all diesen Leuten. Ich kann es gar nicht glauben. Als sei sie sonst wer. Wer ist sie? Warum kenne ich sie nicht? Warum ist dieser Name nie gefallen? Warum ist sie plötzlich so wichtig, dass du so etwas tust?"
„Okay. Wait! Was ist die problem? Did I propose to somebody on stage? This was just my way to say "thank you" to a friend." Fuhr er mich an.
"Danke für was?"
"Believe me, if Mina wasn't there, we would not stand here and fighting about... ich weiß nicht... about that I dedicated a song to somebody you don't know."
"Erinnerst du dich an den Abend, als du mich nach Hause gebracht hat?"
„Sure."
„Sie kam zu mir und meinte, dass sie ja schon so viel von mir gehört hätte."
„I know. I told her, dass es war nicht so gut, dass sie hat das gesagt."
„Warum? Weil ich sonst auf die Idee kommen könnte, dass es jemandem in deinem Leben gibt, der deine verdammten Stimmungsschwankungen erträgt und sich anhört, wie sehr du leidest und wie scheiße ich zu dir war? Darum geht es?"
„What the fuck is going on with you? It's not like that."
"Nein? Mir kommt es rückblickend vor, als hätte sie mich verhöhnt. „Oh, von dir hab ich ja schon viel gehört. Du bist doch die dumme Kuh, die dem aaaarmen, kleinen Samu das Herz gebrochen hat. Die so dumm war zu glauben, dass sie noch eine Chance hätte. Die ihr ganzen Leben für ihn umgekrempelt hat und die trotzdem immer nicht gut genug war."" Äffte ich sie nach.
„You are!" brüllte er mir ins Gesicht. „I told you a fucking thousand times, dass es ist nicht deine fault. It happened so much in such a short time between us. I ever had so many ups and downs in a few month. Und als ich war in Barcelona, to clear my fucking head, I met her and she was the only one, who didn't give me advices. Who was just listening. And that was, what I needed the most."
"Ich bin so bescheuert. Als du gesagt hast, dass ihr euch aus Barcelona kennt, dachte ich, dass ihr euch von früher kennt. Jetzt weiß ich, warum du sie nie erwähnt hast. Du kanntest sie gar nicht. Du schleppst eine fremde Frau hierher und kotzt dich bei ihr aus? Hast du schon mal überlegt, dass du nicht nur mir damit vor den Kopf stößt?"
„All the people were giving me advices, that I didn't want."
"Und dann fliegst du nach Barcelona und triffst jemanden am Strand und erzählst dem mal eben deine Sorgen und Nöte? Du? Du, der immer erst mit seinen Gedanken um die Ecke kommt, wenn es immer schon zu spät ist? Ist das dein Ernst? Und mich lässt du hier im Ungewissen sitzen? Anstatt mit MIR zu reden? Mich hätte das betroffen. Niemanden sonst. Aber ich habe ja heute gehört, wie toll sie dich in deiner schweeeeren Zeit unterstützt hat. Als hätte ich das nicht gern mit dir geteilt. Ich hatte ja gar keine Option. Du bist einfach abgehauen. Und anscheinend war ich ja der Grund, warum es DIR so schlecht ging. Dabei warst du derjenige, der ausgerastet ist. Ich wollte mit dir reden und das klären. Du hast dich doch selbst in diese Situation gebracht. Weil DU wieder davongelaufen bist." Schrie ich ihn an.
Samu sah auf die andere Straßenseite, wo sich Passanten umdrehten und neugierig zu uns rübersahen. Nervös schob er die gekrempelten Ärmel seines schwarzen Hemdes noch höher und sah wieder zu mir hinunter.
„I really wanted to explain this." meinte er ruhiger.
"Und wieder! Wann denn?"
„I didn't know, if we could be together again of da sind enough feelings left. And I knew, dass ich muss dir sagen, wenn es ist so. The last two times we met it felt good again and I really enjoyed being with you. And I started thinking about all this and was so sorry, dass wir hatten nicht so viel time this week."
"Das du mir was sagen musst?", fragte ich und zog die Stirn kraus.
„I thought, if we don't have another chance, dann ich muss nicht machen diese conversation."
"Das du mir was sagen musst?" wiederholte ich.
Samu seufzte, strich sich über den Oberarm und sah auf seine weißen Chucks.
„Hast du mit ihr geschlafen?"
Er biss die Lippen aufeinander und schloss kurz die Augen.
„Sophia, es war... ."
„Hast du mit ihr geschlafen?" brüllte ich ihn an.
„Yes!" kam es in derselben Lautstärke zurück.
In diesem Moment brach alles wie ein Kartenhaus über mir zusammen. Von unserem ersten Aufeinandertreffen in der Raucherlounge in Mannheim, bis zu der letzten gemeinsamen Nacht letzte Woche. Der Film lief einmal in Höchstgeschwindigkeit durch meinen Kopf und genau hier stoppte er. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Wir waren getrennt. Er hatte tun und lassen können, was er wollte, aber er hatte nicht einfach irgendwo mit einem Mädchen geschlafen. Er hatte sie hierhergebracht und er hatte ihr diesen Song gewidmet. Das tat er nicht für einen popligen One Night Stand, der mir wahrscheinlich egal gewesen wäre. Das hier war etwas anders.
„Warum ist sie hier?", fragte ich leise.
Samu schnaufte und sah wieder auf seine Turnschuhe.
„I invited her."
„Warum?"
Die erste Träne machte sich breit und suchte ihren Weg über meine Wange.
„Ich weiß nicht... wir haben uns gut verstanden und she was there for me in a way nobody else was or anyone could."
„Ach so. Deswegen schläfst du mit ihr. Interessante Theorie."
„Sophia, es geht nicht um Sex."
„Ich verstehe nicht, warum sie hier ist. Ich mein, wenn sie doch deinetwegen hier ist, warum verbringst du Zeit mit mir? Weiß sie das? Ich verstehe das nicht." Schluchzte ich.
„Diese Ding Dong mit Mina is over, okay? She told me, dass sie hat hat gemerkt, dass meine heart is anywhere else and I think she's right. The last days changed a lot for me. Like I said, I really enjoyed the last days with you, Mina already moved out and we're just friends and that is okay."
Ich riss die Augen auf und starrte ihn an.
„Sie hat bei dir gewohnt?" brüllte ich ihm entgegen.
„It's over, okay?"
„Nein! Für mich nicht. Während ich mir den ganzen Tag Gedanken mache, wie wir das hier irgendwie retten können, schleppst du irgendeine Tussi aus Spanien hierher und lässt sie bei dir wohnen? Samu, hör auf mir die ganze Zeit nur die halbe Geschichte zu erzählen. Bis vor ein paar Minuten dachte ich noch sie sei eine alte Freundin aus Spanien und jetzt erfahre ich, dass du sie erst jetzt kennengelernt hast, du mit ihr Sex hattest und sie bei dir gewohnt hat. Willst du mich eigentlich verarschen? Mach ich mich hier so zum Affen, weil ich gedacht habe, dass wir das wieder hinbekommen?" schluchzte ich.
„Diese Frau weiß alles von mir und ich weiß überhaupt nichts und soll das jetzt einfach so als gegeben hinnehmen. Hättest du ihr auch einen Song gewidmet, wenn du gewusst hättest, dass ich heute da bin?"
Ich strich meine Haare zurück und sah ihn an.
„No. Weil ich habe gewusst, dass du es nicht verstehst."
„Das ich es nicht verstehe?" schrie ich. „Wer soll das denn verstehen? Du lügst mich die ganze Zeit an, während ich denke es wird besser mit uns, dabei haben wir uns wahrscheinlich weiter voneinander entfernt, als wir es jemals waren. Ich will einfach nur die Wahrheit wissen."
„Wollen wir fahren nach Hause oder in eine Bar und wir reden in Ruhe?"
„Nein. Ich will es jetzt wissen. Ich will keine Zeit mehr opfern für jemanden, der das hier alles gar nicht mehr will und mir die ganze Zeit nur Lügen auftischt."
„Sophia, please. Das ist nicht so easy fur mich."
„Für dich? Was soll ich denn sagen. Ich werde hier vor vollendete Tatsachen gestellt."
Wieder sah Samu sich um und seufzte.
„I met Mina in Barcelona. I was sick and tired of spending my holidays nur zu liegen in die Sonne and being sad. I was there to switch my fucking brain off and have fun. So I went out with a friend and I met her. We talked, we kissed, we had sex. I thought that was the end of the story, aber es war nicht. We talked a lot during that night and it felt like wir haben eine special connection to each other. When I woke up, she was gone and left her mobile number. Als ich bin geflogen nach Berlin I called her. I felt lonely and I really liked talking to her. She took a flight the next day and I invited her to come to Helsinki."
Er schnaufte.
"Yes, she lived in my house, aber sie hat gemerkt, dass ich bin mit meine head und mit meiner heart anywhere else and she was a little afraid, that we already have been too close. It wasn't too close for me, because she was right. I was still thinking of you and when we met I felt good. She is really sensitive with that and she didn't wanna fall in love with a guy whose heart isn't with her."
Samu sah auf und blickte mir direkt in die Augen. Ich starrte ihn immer noch an und traute meinen Ohren nicht.
„Das war nicht nur eine einmalige Sache." Murmelte ich und sah auf sein Hemd auf meiner Augenhöhe. „Die ganze Zeit, als du hier warst und wir Kontakt miteinander hatten und uns getroffen haben... ."
Das war zuviel für mich. Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging los. Samu lief neben mir her.
„Sophia! Wait! Du verstehst nicht."
„Nein. Ich verstehe es nicht. Damit hast du recht."
Er griff nach meinem Handgelenk, aber ich zog es weg und lief weiter.
„Fass mich nicht an!" zischte ich. Wieder kam er hinterher, packte mich an den Schultern und wollte mich zwingen stehenzubleiben, aber stieß ihn weg und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien. Er griff fester zu.
„Listen to me!"
Schneller als ich etwas erwidern konnte hatte sich meine Hand reflexartig selbstständig gemacht. Nur Zentimeter vor seiner Wange hielt er mein Handgelenk fest und funkelte mich an.
„Think about what you're doing here." brummte er, sah mich finster an und hielt meine Hand umklammert.
Ich zog meine Hand weg, sah zu Boden und rang nach Luft.
„Fuck!" brüllte er und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare.
„Look at this! This is not us! Wir sind so nicht! What the fuck happened?"
„Was passiert ist?" rief ich und breitete die Arme aus. „Du machst mir das mit Alex zum Vorwurf? Du? Wäre das eine einmalige Sache gewesen, dann wäre es etwas anderes, aber was du getan hast... DU vertraust MIR nicht? DU? Du hast mich die ganze Zeit angelogen! Du hast gesagt es sei nicht meine Schuld und du würdest daran arbeiten, stattdessen vögelst du mit dieser Frau. In deinem Haus. Und du willst mir erzählen, ich würde falsch liegen damit, dass du nicht allein sein kannst? Kaum bist du weg suchst du dir eine andere. Und wenn die nicht mehr will, dann stehst du wieder vor meiner Tür? Du kommst allein klar? Merkst du das eigentlich?"
Ich wischte mir die Tränen von den Wangen und warf meine Haare zurück. Die Leute auf der anderen Straßenseite, e im Vorbeigehen zu uns rübersahen waren mir egal. Jetzt war sowieso alles egal.
„Die ganze Zeit habe ich gedacht du findest irgendwie wieder zu dir zurück und es wird wieder. Dabei bist du nur dabei irgendwie jemanden an der Angel zu haben, damit du nicht mit dir selbst klarkommen musst. Aber das ist ja nichts Neues oder? Das war ja vor Jahren schon so, wenn ich mich richtig erinnere."
„This is not only about me!" schrie er mich an und gestikulierte. "And stop this old stuff with Vivi. I don't wanna have this talk again! You treated me like a goddamn child. Like I couldn't handle this. You stopped forcing me in any way and acted like a shy little girl. You never were like that. The first time, du hast gezeigt deine real face was, when you were drunk. And now. This is the real Sophia. With all her bad sides, who I loved so much and now, when I'm finally started to get my head clear, you start acting like a fucking bitch again. Thank you!"
"Du suchst immer nur die Fehler bei anderen, Samu. Du bist so kaputt und merkst es nicht mal."
Wieder drehte ich mich um und ging weiter. Erneut lief er neben mir her und griff nach meiner Schulter. Sofort stieß ich seine Hand weg und blieb abrupt stehen. Total außer Atem standen wir mitten auf dem Fußweg und sahen uns an.
„Ruf mich nie wieder an!" sagte ich ernst und sah in Samus wütendes Gesicht.
Als ich mich wieder umdrehte kam er nicht mehr hinterher. Ich ging weiter und kurz bevor ich die Straßenecke erreichte, legte jemand den Arm um mich und lief mit mir. Alex war mir hinterherlaufen, hielt an der Ecke ein Taxi an und schob mich auf die Rückbank ohne ein Wort zu sagen. Bevor ich einstieg, sah ich nochmal über die Schulter. Samu stand noch immer auf dem Fußweg, hatte die Hände in seinen Haaren vergraben, die Ellenbogen weit vom Körper weggestreckt und sah uns hinterher.
Wir sprachen die ganze Fahrt über kein Wort miteinander. Zuhause zog ich mich um, schminkte mich ab, kochte mir einen Tee und setzte mich zu Alex an den Esstisch. Er saß mir gegenüber in seiner Jogginghose und einem Hoodie. Die Haare waren verwuschelt und er nippte an einem Bier. Er sah mich ernst und besorgt an, als ich ein Bein auf den Stuhl zog und in meinem Tee rührte. Nicht eine Träne hatte ich mehr vergossen. Das Tränenkontingent für Samu Haber war endgültig aufgebraucht. Das was er getan hatte, war zuviel gewesen. Er hatte sich auf die Suche nach sich selbst gemacht und da vieles gefunden, aber nicht das, was ich mir gewünscht hatte oder das, was er vielleicht gehofft hatte zu finden. Ich fühlte mich gedemütigt und war enttäuscht. Er hatte recht. Das hier waren nicht mehr wir. Und so wollte ich auch nicht mehr sein.
„Hast du schon deinen Flug gebucht?", fragte ich und sah auf meinen Tee.
„Nope. Und jetzt werde ich es auch nicht tun."
„Das musst du auch nicht."
Ich sah auf.
„Ich gehe."
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Heimkehr
FanfictionSamu & Sophia Teil 3. Fortsetzung von "Von der Muse geküsst" und "Klimawandel". Inklusive der beiden OS in meinem Account zu finden. Nach Sophias Rückkehr nach Los Angeles scheint die Trennung von Samu endgültig. Wäre da nicht noch etwas, was sie in...
