Ein paar Wochen später. Ich lebte bei Orlando. Da ich auch meine Wohnung verlor. Mein ganzes Leben ging den bach runter. Seine Schwester war da. Sie gab mir immer viel trost. Ich fand auch keinen neuen Job es war echt schwer für mich momentan. Gerade mal Anfang zwanzig und nichts im Leben erreicht. Ich fühlte mich wie Dreck.
Irgendwann überlegte ich, wieder zu meinem Vater zu ziehen. Er wäre meine letzte Hoffnung. Ich konnte nicht ewig bei Orlando leben und mich bemitleiden. Der Griff zum Telefon fiel mir schwer. Da ich Vater mit ziemlich unschönen Worten verließ. Ich stand da, mit dem Hörer in der Hand. Jina kam in das Zimmer und schaute verwirrt.
"Was tust du? Das Telefon braucht keinen Aufpasser. Entweder nutz es oder leg es wieder hin Schätzchen."
"Ich ... Ich wollte Dad anrufen." Dabei legte ich den Hörer wieder auf und setzte mich in den Sessel, der daneben stand.
"Ich weiß aber nicht, ob er mir schon verziehen hat, oder es überhaupt könnte." Sie wusste von ihm. Und warum ich nach Wisconsin kam. Mein Dad und ich stritten uns ziemlich nach Mums Tod. Ich warf ihm schlimme Dinge an den Kopf und verschwand ziemlich unfair aus seinem Leben. Wir hatten so ein gutes Verhältnis. Das hatte ich zu beiden. Aber zu ihm mehr als zu Mum. Ich bin gerade achtzehn geworden. Wollte da weg. Hatte mich nie gemeldet, geschweige entschuldigt. Und jetzt will ich anrufen und will nach Hilfe betteln. Toll!
Plötzlich ergriff sie meine Hand. Sanft strahlte ein Lächeln aus ihrem wunderschönen Gesicht. Ihre braunen Augen schauten tief in meine.
"Ruf ihn an. Wenn er dich wirklich so geliebt hat, wird er dir verzeihen. Es ist drei Jahre her, vielleicht hat er es längst hinter sich gelassen. Er ist der einzige den du noch hast. Familie ist wichtig." Eine Träne lief langsam über meine Wange. Als wollte sie mich streicheln und trösten. Sie blieb an meinem Mundwinkel hengen und ein Salziger Geschmack lag auf meinen Lippen.
Ihn anrufen. Nach so langer Zeit. Ich hatte solche Angst.
Jina hielt mir dann den Hörer hin und nickte zustimmend. Sie wollte das ich mich endlich wieder mit ihm versöhne. Das wollte sie schon immer.
"Egal was passiert. Wir sind auch für dich da. Werden es immer sein." Ihr Lächeln wurde betrübt. Sie dachte wohl an ihre Familie. Ihre Eltern durfte sie nie kennenlernen. Und ihre gemeinsame Schwester starb sehr früh. Ich nahm ihr den Hörer ab und bedankte mich für ihre lieben Worte.
Zitternd wählte ich seine Nummer. Hoffentlich stimmt sie noch. Es klingelte. Einmal ... zweimal ... dann wurde ich nervös. Und nach dem bestimmt sechsten Mal klingeln ging jemand ans Telefon. Eine müde Männerstimme erklang.
"Bei Avens."
Ich antwortete erst nicht. Es kam ein merkwürdiger Laut aus meiner Kehle. Es war wirklich Dad. Immer mehr tränen liefen mir übers Gesicht.
"Wer ist da!?"
"Dad ..." Schluchzte ich. Dann war Stille. Sie war bedrückend. Aber irgendwann hörte ich wieder was. Ein tiefes Atem.
"Zoey. Bist du das wirklich?"
"Ja Dad. Ja! Ich ..."
"Wieso rufst du an?" Diese Frage kam ziemlich kalt nachdem es erst schien das er sich freuen würde.
"Du hattest recht. Ich bin jung und dumm. Ich hätte nie ..."
"Du brauchst Hilfe, nicht wahr? Du rufst nur deswegen an." Ich brach in Tränen aus. Da es mir so unsagbar leid tat. Aber ich war damals einfach zu stolz um das zuzugeben.
"Es tut mir leid. Ich will wieder zu dir Dad! Bitte! Bitte ... geb mir eine Chance ..." Ich habe mein Leben noch nie so geweint. Nicht mal als Mum starb. Der Tot gehört das zu und das wusste ich. Ich war auch schon alt genug mit siebzehn um das zu wissen.
Trotzdem nahm ihr tot mich ziemlich mit. Weil ich sah, wie sehr Dad lied und ich habe es nur noch schlimmer gemacht.
Es kam aber nichts von ihn. Wieder schwieg er. Dieses Schweigen war wie ein Messer an meiner Kehle, die kurz davor war mich zu durchbohren.
"Was ist, wenn dir wieder was nicht passt? Du fehler machst? Ich fehler mache? Wieder mir alles in die Schuhe schieben und weglaufen? Was ist wenn ..." Ich unterbrach ihn. Wollte das er mir glaubt. Innerlich habe ich ihn schon vermisst, aber ich wollte nicht nachgeben.
"Nein Dad! Ich war dumm. Ich hatte nicht das recht dir sowas gegen den Kopf zu werfen. Wir waren beide wohl einfach ... Mums Tot nahm uns beide mit. Ich bin nicht weggelaufen weil du Fehler machtest, sondern weil ich dich nicht leiden sehen konnte und ich nicht wusste wohin mit meinen Gefühlen. Ich war einfach zu stolz, um mich zu entschuldigen. Es tut mir leid. Wirklich! Es tut mir leid das ich erst anrufe, wenn es mir schlecht geht. Nur um zu betteln. Aber ... vielleicht brauchte ich das um zu erkennen, was ich an dir habe. Du hast immer zu mir gehalten. Und ich habe dir vor den Kopf gestoßen. Ich weiß nicht, ob du mir das jeh verzeihen kannst."
"Das werden wir sehen. Lass mir bedenkzeit. Ich werde mich dann melden." Dann legte er auf. Das war das schlimmste Telefonat meines Lebens. Ich fühlte mich so elend. So mies. Wie konnte ich Dad das nur antun. Ich hoffte, es wird irgendwann wie früher. Und das ich ihn nie wieder enttäuschen werde. Erstmal müsste er mir noch eine Chance geben. Ich hatte Angst. Was ist wenn er mich nicht mehr bei sich haben will. Ich ihn vollkommen verloren habe? Ich hätte niemanden mehr. Der einzige halt ist momentan Orlando und seine Schwester aber das ist kein Dauerzustand. Ich muss auf eigene Füße kommen, auch ohne Dad. Ich machte mir nämlich wenig Hoffnungen das er mich jeh wieder sehen will. Dafür habe ich ihn einfach zu sehr verletzt. Und das in einer Zeit, wo er mich am meisten gebraucht hätte.
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One of You!
RomantikLeseempfehlung ab 16! Zoeys Leben ist ein Desaster. Sie verliert ihren Job, ihre Wohnung und ihr Freund geht ihr auch noch Fremd. Sie will da nur weg und sucht ihren Vater auf, aber er ist nicht so begeistert. Nimmt sie trotzdem auf. Er will ihr ein...
