Chapter 57
Als hätte man mich auf frischer Tat bei einem Diebstahl ertappt, blieb ich entgeistert auf der Stelle stehen. Wie angewurzelt rührte ich mich nicht mehr und blickte Lynn sprachlos an. Bei dem Erklingen von Namjoons tiefen Stimme hatte sie sich ruckartig umgedreht. Auf welchem von unseren Gesichtern der Schock viel größer abgebildet war, konnte ich noch nicht sagen. Zögernd drehte ich mich leicht zur Seite, sodass ich Namjoon, Hobeom-ssi und den CEO sehen konnte. Überrascht von der unerwarteten Frage des BTS' Leaders, sah der CEO ihn dementsprechend an. Namjoons Augen, die unerträglich vor Ernsthaftigkeit funkelten, durchbohrten seinen Boss förmlich nach einer Antwort auf seine eben gestellte Frage. Jetzt, wenn ich so darüber nachdachte, fiel mir schon auf, dass er heute kaum ein Wort von sich gegeben hatte. Normalerweise mischte er sich, so gut es ging, in die Angelegenheiten anderer ein, um zu helfen. Er selbst predigte immer, dass man das nicht tun sollte, doch er bemerkte gar nicht, dass er es überhaupt tat. Sein Nachharken, seine Ratschläge, seine Gedanken, die er heute Morgen alle nicht geäußert hatte, fehlten mir. Irgendein Gefühl hatte mir vorher klar gemacht, dass irgendetwas nicht stimmte.
Nun wurde mir einiges klar. Namjoon war nur körperlich anwesend, während wir alles besprachen und uns im Nachhinein über die gefundene Lösung freuten. Schließlich war er damit beschäftigt, den Harken an der ganzen Sache zu suchen. Er wusste nämlich ganz genau, dass noch nicht alles Nötige gesagt wurde. Verflucht warst du, Kim Namjoon! Deinetwegen würde Bang Sihyuk-ssi gleich mit der Sprache herausrücken und dir erzählen, dass sein Plan eben keine Langzeitlösung war. Nach einer Langzeitlösung hatte er nie gesucht, denn ich würde nicht mehr lange bleiben. Ob er wohl schon wusste, was Sache war und wollte es nur aus dem Mund seines Chefs hören? Oder ahnte er wirklich nichts davon? Aber so, wie er seine Frage gestellt hatte, konnte man gut heraushören, dass er es sich eigentlich schon denken konnte. Es war nie wirklich ein Geheimnis gewesen. Irgendwo tief in mir wusste ich, dass ich früher oder später zurück musste. Ob ich das bewusst verdrängt oder einfach nur vergessen hatte, wusste ich ehrlich nicht. Als der CEO mir klar gemacht hatte, dass ich ja wieder zurück nach Deutschland musste, war das ein riesiger Schock für mich gewesen. Mir war klar, dass ich es euch um jeden Preis erzählen musste. Das war ich euch wirklich schuldig. Doch nun wegen der Sache mit dem Paparazzo und davor, weil ich mich von euch fernhalten musste, kam ich erneut nicht dazu.
In den letzten zwei Wochen hatte ich geglaubt, dass ich mich nicht mehr von euch verabschieden müsste, weil der CEO euch das schon auf irgendeine Art und Weise beibringen würde. Das hatte ich jedenfalls geglaubt, auch wenn ich stark darunter litt. In nächster Zeit würde es aber danach aussehen, dass ich genug Zeit mit euch verbringen würde, bis ich zurück musste. Es war von großer Wichtigkeit, euch davon zu erzählen, das wusste ich nun zu gut. Bis jetzt hatte ich allerdings nicht darüber nachgedacht. Dank Namjoon wurde mir wieder klar, dass es getan werden musste. Der Gedanke allein, dass ich mich von ihnen bald endgültig verabschieden musste, ließ vor lauter Angst mein Herz schneller schlagen. Schlagartig wurde mir ganz heiß. Wie und wann genau ich es anstellen sollte, konnte ich noch nicht sagen. Jedoch wusste ich ganz genau, dass Namjoon es nicht auf diese Art erfahren sollte. Nicht durch den CEO, sondern durch mich. Auch nicht als einziger. Die Jungs sollten es alle gleichzeitig erfahren und das nur von mir. Über meine Dummheit musste ich lächeln. PD-nim würde es ihm sowieso jede Sekunde erzählen. Auf was hoffte ich also? Ich wusste ganz genau, dass ich es nicht über mich kriegen konnte. Wenn ich so darüber nachdachte, kam es mir schon gelegen, dass ich es ihm nicht sagen musste.
Stets verwirrt über Namjoons Bedenken kratzte sich Hobeom-ssi am Hinterkopf. "Was meinst du damit, Namjoon-ah? Es müsste doch für die eineinhalb Monate reichen, die sie noch hier ist.", antwortete der Manager an Stelle des CEOs. Ungläubig kniff Namjoon seine Augen etwas zusammen und runzelte die Stirn. Ernsthaft nachdenkend, schaute er zwischen den zwei Männern hin und her, bis er seinen Kopf zu mir rüberschwänkte. Da ich seinem Blick mied, mit dem Rücken zu ihm stand und nichts Widersprüchliches von mir gab, verstand er nun, was sein Manager damit gemeint hatte. Mit einem Plopp-Geräusch sprangen seine Lippen auf und seine Augen weiteten sich um einiges. In diesem Moment drehte ich meinen Kopf nach vorne zu Lynn, damit ich mich nicht noch schuldiger fühlen musste, als ich es eh schon tat. Schon peinlich, dass ich mich nicht getraut hatte, es ihm selber zu sagen, obwohl ich genau wusste, dass einer der beiden Männer es jede Sekunde tun würde. Lynn blickte genauso drein wie Namjoon nur mit dem Unterschied, dass sie äußersten Mitleid mit ihm verspürte. Aus welchem Grund auch immer fühlte sie sich schlecht, was ich ihr nur allzu gut von den Augen ablesen konnte.
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Bulletproof Desire
Fiksi PenggemarKaum sind die Herbstferien vorbei, muss Dea auch schon zurück nach Seoul, um dort ihren einjährigen Sprachkurs fortzusetzen. Herzlicher Empfang? Fehlanzeige! Das Taxi, das sie in die Stadt bringen soll, gibt den Geist auf, woraufhin sie sich kurzerh...
