Chapter 27
Wie viele Tage genau vergangen waren seit dem Streit mit Jane, wusste ich nicht mehr. Anfangs dachte ich, es wäre eine Art Phase, nach der sie zur Besinnung kommen würde. Dem war aber nicht so, was ich daran merkte, dass sie sich nicht mehr bei mir meldete. Sonst schrieb sie mir fast täglich, aber diesmal war es anders. Ich selbst besaß auch nicht viel Mut, um mich bei ihr zu melden, da ich nicht wusste, wie ich die Sache angehen sollte. Ein einfaches "Hey" oder "Hi" brachten diesen Streit und manch Tatsachen auch nicht aus der Welt, weswegen es noch schwerer für mich war. Es war tatsächlich das allererste Mal, dass Jane und ich uns ernsthaft gestritten hatten, weil wir kaum über ernste Themen sprachen.
Noch keinem hatte ich davon erzählt, weil ich mir nicht sicher war, wem ich das anvertrauen sollte. Erst dachte ich an Lynn, aber ich glaubte, dass sie sich eher für die Jungs interessierte als für Jane. Die beiden wussten schon voneinander, aber jetzt nicht unglaublich viel. Ich wollte Lynn nicht das Gefühl geben, dass es nur noch Jane für mich gab und halt andersrum. Auch dachte ich darüber nach, es Jeongguk zu erzählen oder vielleicht einem der anderen Jungs. Mit "einem der anderen Jungs" war natürlich der liebe Seokjin gemeint. Da Jane und er nach und nach immer besseren Kontakt hatten, hätte er möglicherweise einen Anhaltspunkt für mich. Wenn er mehr wissen würde als ich, würde ich mich etwas beleidigt fühlen, aber dafür war momentan keine Zeit.
Seit ungefähr einer halben Stunde skypte ich mit Jeongguk, weil er von seinem Training zurückgekommen war und mich noch vor dem Schlafengehen sehen wollte. Einerseits fühlte es sich eigenartig an, ihn nach so einer langen Zeit wiederzusehen, aber ich war auch glücklich darüber. In den ersten Minuten lächelten wir uns gegenseitig dumm an, bis einer von uns sich endlich überwand. Wir redeten über irgendwelche Dinge, an die ich mich nun nicht mehr erinnerte, bis ich die Sache mit Jane ansprach. Ich erzählte ihm nicht nur von diesem einen Tag, sondern von da an, wo sie anfing, sich komisch zu benehmen. Geduldig hörte er mir zu und er schien selbst überrascht von dem zu sein, was ich da von mir gab.
"Oh, das ist.. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.", gab Jeongguk ehrlich und etwas überfordert von sich. Mittlerweile war ich etwas lockerer. Oder ich sagte mal so: Man sah mir nicht an, dass es mich in einer gewissen Hinsicht fertigmachte. "Das wusste ich zu dem Zeitpunkt auch nicht wirklich.", stimmte ich ihm seufzend zu. Es war ein bisschen komisch, wie schnell ich sich die Stimmung mit diesem Thema änderte. "Ich finde aber, dass sie sich seit Taehyungs Geburtstag verändert hat." Mit diesen Worten bekam er meine völlige Aufmerksamkeit, weswegen ich ihn aufforderte, weiterzusprechen. "Keine Ahnung, ob du es schon gemerkt hast, aber da hat sie die älteren Hyungs getroffen.", versuchte er mich weiter an seine Gedanken heranzutasten. Die Augenbraue wanderte in die Höhe und meine Gehirnzellen wurden angestrengt.
Ich wusste schon, was er meinte, aber sicher war ich mir nun auch nicht mehr. "Ja, ja, schon klar. Die Frage ist aber jetzt, was ich tun soll.", entgegnete ich ihm. Nachdenklich sahen seine Augen sich um, bis sie wieder an der Kamera stehenblieben. "Noch einmal den Kontakt zu ihr aufnehmen und verschärfter darüber reden! Zum Teil kann ich mir gar nicht nachvollziehen, dass Jane so drauf ist, weil ich finde, dass du voll selten was mit uns machst beziehungsweise mit mir." Wie ein kleines Kind zog er einen Schmollmund und verschränkte seine Arme, als ob man ihm im Toys"R"Us kein Spielzeug mitnehmen ließ. Schmunzelnd blickte ich kurz zu meinem Handy rüber und dann erneut zu ihm. "Jetzt fang du nicht auch noch damit an.", sagte ich lächelnd.
"Mir fällt gerade auf, dass du nur ein weißes Shirt trägst. Ist es nicht noch ein bisschen zu kalt dafür?", wechselte ich unbewusst das Thema. Wenn ich ihn mir so ansah, war mir Jane auf einmal egal. Nicht gerade egal, aber ich lenkte mich selbst vom Ernsten ab. Ich meine, so einen Anblick kriegte man schließlich nicht täglich zu sehen. Wir beide trugen dasselbe verschmitzte Lächeln auf den Lippen. "Vielleicht wird uns wärmer, wenn wir uns gegenseitig ausziehen?", fragte er mich, während er sich auf die Unterlippe biss. In wenigen Sekunden änderte sich mein Gesichtsausdruck, sodass ich eine Schnute zog. "Du bist echt dünn, Jeongguk-ah." Genau wie bei mir, änderte sich seine Mimik, nur sah er überrascht aus. "Ist das schlecht?", erwiderte er leicht verwirrt zurück.
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Bulletproof Desire
FanfictionKaum sind die Herbstferien vorbei, muss Dea auch schon zurück nach Seoul, um dort ihren einjährigen Sprachkurs fortzusetzen. Herzlicher Empfang? Fehlanzeige! Das Taxi, das sie in die Stadt bringen soll, gibt den Geist auf, woraufhin sie sich kurzerh...
