Chapter 72
Weg. Ich wollte einfach nur weg von hier. Raus aus diesem Gebäude. Weg von all diesen fremden Menschen um mich herum. Momentan wollte ich nur allein sein und über alles nachdenken. Dementsprechend lief ich schnell und mit großen Schritten durch die Gänge in Richtung Ausgang, der gar nichtmal so nah schien. Mein Kopf war eindeutig zu voll, um sich auf solche Sachen wie Wege zu konzentrieren. Das könnte höchstwahrscheinlich der Grund sein, wieso ich immer noch in diesem Gebäude herumirrte. Die Wut in mir war unbeschreiblich groß. Dass ich wütend auf Dea war, konnte man sich sicherlich denken, jedoch war ich viel wütender auf mich selbst. Natürlich wusste ich, dass ich verdammt naiv gedacht und gehandelt hatte. Was hätte ich denn auch sonst tun sollen? Was sollte man tun, wenn man allmählich die Hoffnung in allem verlor und aber noch lange nicht aufgeben wollte? Die Idee war so dumm. Im Endeffekt hatte ich aus purer Verzweiflung gehandelt. Als ich von dem Trip nach Amerika gehört hatte, schien es für mich die einzige Lösung zu sein, die uns nicht sowas wie Zeit kosten würde. Es kam anfangs nicht in Frage, dass ich zuließ, dass Dea und ich getrennte Wege gehen mussten.
In dem Chaos, in dem wir uns augenblicklich befanden, schien ich verrückt zu werden. Alles schien in die Brüche zu gehen. Mein ganzes Leben bröckelte vor meinen Augen und diese kaputten Teile verwandelten sich in Staub. Man hatte mich oft genug eingesperrt, man hatte mich durch solch eine Qual gehen lassen und das Schlimmste an allem war, dass man mir beinahe meine Liebe für immer genommen hätte. Wie sollte man so etwas bitte verarbeiten? Und danach ganz normal weiterleben und handeln? Ich wollte mich hier keines Falls rechtfertigen, doch ich hatte Gründe, wieso ich so handelte, wie ich gehandelt hatte. Wie es weitergehen sollte, konnte ich mir nicht ausmalen. Es schien schon lange nicht mehr in meiner Hand zu liegen. Diese fehlende Kontrolle machte mir furchtbare Angst. Bevor ich mich mit diesem elendigem Schicksal, das man mir aufdrücken wollte, zufrieden geben konnte, wollte ich noch ein letztes Mal alles versuchen, was in meiner Macht stand. Letztendlich hatte ich nur Scheiße gebaut. Ich erkannte mich langsam selber nicht mehr wieder.
Enttäuschungen. Verzweiflung. Frust. Dass die Person, die du so sehr liebtest, nicht deiner Meinung war, beziehungsweise einen anderen Weg gehen wollte, schmerzte so unfassbar sehr. Ihre Lösung des Problems schien nicht falsch, jedoch wollte ich nicht warten. Viel zu lange hatte es gedauert ihr Herz zu erobern. Jetzt verlangte sie von mir, dass ich weitere 3-4 Jahre auf sie warten sollte? So egoistisch das auch klang, ich konnte es einfach nicht. Wir hatten zu viele Höhen und Tiefen zusammen überstanden, um einfach eine Pause einzuschieben. Wer wusste schon, was nach dieser langen Zeit geschehen würde. 4 Jahre waren ja nicht ausgesprochen wenig. Es müsste nicht einmal ein ganzes Jahr vergehen, indem sie neue Träume bekäme, neue Ziele erreichen möchte oder sich in jemand anderen verliebte. Dass wir noch ziemlich jung waren, um uns aneinander zu binden, schob ich mal beiseite. Geduldig und gehorsam auf sie zu warten, konnte ich nicht, um nach all dieser Zeit enttäuscht zu werden. Menschen konnten sich so schnell auseinander leben, wenn sie nicht zusammen die Zeit verbrachten.
Ach, keine Ahnung. Auf Kompromisse einzugehen, die uns auch eventuell auseinander bringen konnten, war mir zu riskant. Vielleicht war ich auch nur ein Idiot. Ich war ganz sicher ein Idiot. Der größte Fehler, den ich gemacht hatte, war es, Schluss zu machen. Was hatte ich mir dabei gedacht? Und aus diesem Grund würde ich mich selber lieber totboxen. In meinem Kopf schien es einfacher gedacht als in der Realität. Ich dachte mir, wenn wir schon nicht zusammen sein konnten und wir uns so oder so auseinander leben würden, dann wollte ich dem jetzt schonmal ein Ende setzen. Nichts tat mehr weh als die eigene Dummheit. Wie sollte es von nun an weitergehen? Was hatte ich vor? Im Moment hasste ich mich mehr als irgendein Hater es tun könnte. Am liebsten hätte ich alles um mich rum zerschlagen, bis meine Hände blutig zitterten. Am liebsten hätte ich alles zusammengeschrien, damit die Welt erfuhr, wie scheiße sie doch war, was sie uns allen angetan hatte. Am liebsten hätte ich geweint, bis sich keine Flüssigkeit mehr in meinem Körper befand. So verzweifelt war ich.
DU LIEST GERADE
Bulletproof Desire
FanfictionKaum sind die Herbstferien vorbei, muss Dea auch schon zurück nach Seoul, um dort ihren einjährigen Sprachkurs fortzusetzen. Herzlicher Empfang? Fehlanzeige! Das Taxi, das sie in die Stadt bringen soll, gibt den Geist auf, woraufhin sie sich kurzerh...
