43. Packing Suitcases

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Chapter 43

Mit einem bedrückenden Gefühl in der Magengrube minimierte ich die Größe meiner Schritte, sodass ich nach wenigen Sekunden hinter Jeongguk herlief und nicht neben ihm. Dies hatte er bemerkt, gab jedoch keinen Kommentar dazu ab. Ohne jeglichen Austausch von Worten, was für uns beide eigentlich im Normalfall nicht üblich war, schlenderten wir zum Wohnzimmer. Die Gesichter der anderen Jungen, die ich seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatte, stachen mir ins Auge. Noch hatten sie mich nicht wahrgenommen, also nahm ich mir die Gelegenheit, ihre noch erhellten Ausdrücke für einige Atemzüge zu genießen. Wundersamerweise waren alle im Wohnzimmer anwesend. Zusammen saßen sie entweder um den Tisch oder machten es sich teilweise auf dem Sofa bequem. Wenn wir ihnen gleich sagen würden, was Sache war, würden sich ihre Ausdrücke im Nu ändern. Es würde dem Einschlag eines Blitzes ähneln, bei dem manche Menschen in Panik und Angst geraten würden. Bevor sie uns auch nur zu Gesicht bekamen, blieb Jeongguk stehen, als wir nah genug dran waren. Ich stellte mich direkt neben ihn und schielte von der Seite zu ihm. Er hingegen drehte sein Gesicht ganz in meine Richtung, schenkte mir ein Lächeln, das mir Mut zusprechen sollte, und hielt mir seine Hand hin. Ausnahmsweise versuchte mein Gehirn mir nicht zu sagen, dass es keine gute Idee war, also ließ ich mich von meinem Herzen leiten und war dabei, seine Hand zu nehmen.

"Dongsaeng!", hörte ich Taehyung deutlich rufen. Zügig zog ich meine Hand zurück an meinen Körper und wandte meinen Blick von Jeongguk ab. Unverzüglich drehten sich fünf weitere Köpfe in unsere Richtung und schenkten mir allesamt ein breites Grinsen. Taehyungs unerwartete Reaktion war für mich wie eine Warnung, die mich des Besseren belehren sollte. Meine Naivität und der Mangel des Vorausdenkens waren schuld, dass Hobeom-ssi uns erwischt hatte, weswegen es besser für uns alle wäre, wenn Jeongguk und ich für eine Weile weniger Körperkontakt herstellen würden. Dieser Gedanke, dass ich mich mindestens ein wenig von ihm fernhalten musste, machte mir das Atmen schwerer. Unsicher schmunzelnd schaute ich Taehyung an und konnte entdecken, wie seine Augen vor Glück strahlten. Tatsächlich war es etwas her, als wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Dazu erstaunte mich die Tatsache, dass sich die Haarfarben der Jungen stetig änderten, außer bei Jeongguk. In letzter Zeit ließ er die dunkelrote Farbe bei, die ihm echt gut stand. Unvorhersehbar sprang Taehyung von dem Sofa auf und rannte deutlich in meine Richtung, was Jeongguk natürlich nicht entgangen war. Er funkelte diesen böse an, während die anderen mich gleichzeitig begrüßten und damit durcheinander sprachen.

Bevor die Stimmung zu heiter werden konnte, brüllte Jeongguk einmal ganz laut "Jungs" und stellte somit her, dass sie wenigstens etwas leiser wurden. "..Hobeom Hyung hat uns entdeckt..", gestand ich mit trockener Kehle, die meine Stimme kratzig klingen ließ. Schlagartig traf vollkommene Stille ein, in der sich die Jungen gegenseitig Blicke zuwarfen. Auch Taehyung blieb wie geschockt stehen und blickte Jeongguk und mich abwechselnd an. Das Schweigen, das zwischen uns lag, war mir mehr als unangenehm und verschlimmerte mein Schuldgefühl. Es ging eine Zeitlang so weiter, bis Suga ein Seufzen entfuhr, das zeigen sollte, dass ihm dieses Schweigen auf die Nerven ging. "Wie um alles in der Welt hat der mitbekommen, dass du zu uns wolltest?", fragte er mit einem Funken Entsetzen im Ton. "I-Ich dachte, alles wäre nach Plan verlaufen..", fügte Taehyung hinzu, während er sich zur Seite stellte, damit er zwischen den Jungen und mir und Jeongguk hin- und herschauen konnte. Man sah ihm am meisten an, dass er dieselbe Angst wie ich verspürte. An Hoseoks und Namjoons Gesichtern konnte man ablesen, dass sie innerlich fluchten, derweilen Jin und Jimin das Entsetzen groß auf der Stirn stand.

Scheiße! Ich wusste nicht, was ich sagen, geschweige denn tun sollte. Wieso musste es immer Probleme geben? Wieso konnte nicht alles mal so verlaufen, wie ich es haben wollte? Meine Augen wanderten zwischen den Jungs hin und her. Automatisch blieben sie bei Jeongguk stehen, der meinen Blick erwiderte. Das vorherige Lächeln auf seinem Gesicht, das mich ruhiger stellen sollte, war ganz verschwunden. Hatte er nun auch begriffen, dass es sich hier um ein ernstes Problem handelte? Ohne etwas zu sagen und ohne jeglichen Ausdruck in den Augen, starrten wir uns an. "Wie ist es passiert?", wiederholte Namjoon Sugas Fragestellung etwas abgewandelt, würdigte uns jedoch keines Blickes. "Es.. E-Es tut mir so leid! Ich.. wollte das wirklich nicht, aber es ist alles meine Schuld!", rief ich in den Raum, sodass ich mir einbildete, dass es mir in den Ohren hallte. "Nein, es ist eher meine Schuld.", fing Jeongguk mit einem überraschend kühlen Unterton an. Bevor er weitersprach, blickte er mich flüchtig von der Seite an. "Kurz nachdem sie bei dem Telefonat mit Namjoon aufgelegt hatte, bin ich in einen anderen Raum gegangen und habe sie erneut angerufen."

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