Chapter 4
Es kannte doch bestimmt jeder diesen Moment, wenn man sich aus welchen Gründen auch immer mit einer fremden Person abgeben musste, die zum Überfluss auch noch aufdringlich war? Ja ja, diese Unannehmlichkeit bekam ich gerade zu spüren. Ich konnte es immer noch nicht so wirklich realisieren, denn es kam mir so unwahrscheinlich vor, dass sowas gerade passierte. Niemals hätte ich gedacht, dass so etwas Alltägliches wie eine Busfahrt so ausarten würde. Auch wenn das Alles so unvorstellbar zu sein schien, gab es einen kleinen Pluspunkt an Jimin. Damit wir nicht im peinlichen Schweigen nebeneinander hertrotteten, fragte er mich viele Dinge über meine Person aus, was ich eigentlich um einiges besser fand als die erste Option. Trotzdem schien er mir mit seiner Art echt aufdringlich zu sein.
Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Jimin wirklich an mir interessiert war und nicht nur die Zeit des Fußmarsches rumkriegen wollte. Ok, jetzt musste ich etwas klarstellen. Mit Interesse meinte ich natürlich nicht im sexuellen oder liebevollen Sinne, sondern an der Art Interesse, die man einer fremden Person gegenüber hatte, die aus einem anderen Land kam. Komischerweise bereitete mir diese Tatsache ein Freudensgefühl, da nicht alle so nett mit mir umsprangen. Seine Fragen verunsicherten mich nach und nach, da es mir wie ein Verhör vorkam, aber diesen Funken Freude verlor ich nicht. Im Prinzip widersprach ich mir hier selber, aber es war zum Teil erfreulich, zum anderen eher unangenehm. Es heiterte mich sogar ein bisschen auf, denn die Magenschmerzen über mein bevorstehendes Wiedersehen mit Jeongguk wurde ich nicht los.
Während Jimin sprach, stieß der warme Atem aus meiner Kehle und sah in der kalten Luft wie Zigarettenqualm aus. "Die Tante am Schalter hat zwar schon meinen Namen erwähnt, aber du hast ihn sicherlich vergessen. Ich bin Park Jimin.", stellte er sich vor und es schien als würden seine Augen lachen. Mich faszinierte es, wie sich die Lippen bewegten und der Atem in der Kälte somit immer eine andere Form annahm. Wie auch zu erwarten von mir, war ich so abgelenkt gewesen, dass ich seine Worte nicht wirklich wahrgenommen hatte und ihn leicht verdutzt anstarrte. "Eh jau, eh.. Ich bin Dea.. Branch. Also mein Vorname ist Dea und somit wäre ich hier Branch Dea, aber ich glaube, das hast du schon verstanden.", gab ich mit piepsiger Stimme von mir.
Mit einem unschuldig aussehendem Lächeln versuchte ich es zu vertuschen, dass ich nicht wirklich bei der Sache war. Jimins Ausdruck hatte sich nicht wesentlich verändert, doch er sah mich nicht mehr an. Seine Augen waren zum sternlosen Himmel gerichetet, an dem man aber einige Lichter entdecken konnte, die sicherlich von Werbereklamen und sonstigem kamen. Obwohl es schon ziemlich dunkel war, wurde alles durch die Lichter der Stadt erhellt. Ich musste wirklich zugeben, dass mir das Stadtleben so viel mehr als das Landleben gefiel. "Dein Name ist echt schön. Hat er auch eine Bedeutung?" Eigentlich sollte das Kompliment ja meine Wangen erröten, aber diesmal erlitten seine eine Verfärbung. Jedoch glaubte ich, dass es eher durch die Kälte kam als jetzt wegen sowas.
"Ehm, danke? Ja, hat er. "Dea" ist italienisch oder spanisch und bedeutet "Göttin". Hat deiner auch eine Bedeutung?" Im Gegensatz zu seiner Stimme hatte meine noch denselben Klang, seine klang eher so, als ob er langsam eine Erkältung bekam. Zweimal zuckte er mit den Schultern und blickte mich immer noch nicht an. "Ja, aber ich habe ihn vergessen, haha. Du solltest aufjedenfall stolz sein, dass deine Eltern dir so einen schönen Namen gegeben haben, der gut zu dir passt." Das sollte nicht undankbar klingen, aber ich konnte schlecht stolz auf etwas sein, das keine Leistung meinerseits war und worauf ich keinen Einfluss hatte. Mit einem lockeren "Joar" reagierte ich auf seine Worte, aber ob das passend war, hatte ich keine Ahnung.
Plötzlich richtete er seine Augen wieder zu mir und mir war gar nicht bewusst, welchen Weg wir gingen. Ich ließ mich einfach mit ihm treiben. "Woher kommst du?", wollte er auf einmal wissen. "Du kannst zwar koreanisch und es könnte die Möglichkeit bestehen, dass du hier geboren bist, aber ich wette, dass dem nicht so ist." Mit einer hochgezogenen Braue schenkte ich ihm einen fragenden Blick und war verblüfft, wie einfach er die Dinge versuchte, darzustellen. "Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen." Mit großen Augen sah er mich fasziniert an und formte seinen Mund zu einem O. "Boah, das ist ja mega. Du bist nicht hier geboren, aber kannst du gut koreanisch? Du siehst so jung aus, also als wärst du in meinem Alter. Wenn das wirklich der Fall ist, musst du ja früh mit Lernen der Sprache begonnen haben."
DU LIEST GERADE
Bulletproof Desire
Fiksi PenggemarKaum sind die Herbstferien vorbei, muss Dea auch schon zurück nach Seoul, um dort ihren einjährigen Sprachkurs fortzusetzen. Herzlicher Empfang? Fehlanzeige! Das Taxi, das sie in die Stadt bringen soll, gibt den Geist auf, woraufhin sie sich kurzerh...
