Dale und ich, sehen uns schlagartig ab. Harry redet. Endlich!
„Es ist nicht jeden Tag passiert", spricht Harry ruhig weiter, doch laut genug, damit wir ihn hören können. „Aber es war am Schlimmsten, kurz bevor ich gegangen bin."
Leise begeben Dale und ich uns vor die Badezimmertür, um ihn besser verstehen zu können. Ich setze mich aufgeregt und ängstlich vor Harrys Worten auf den Boden und sehe die Tür an, hinter der er sitzt. Dale lehnt sich neben die Wand daneben. Wahrscheinlich lässt er Harry erst raus, wenn er ausgesprochen hat.
Ich höre Harry kurz tief durchatmen, bevor er weiterredet.
Mein Herz pocht wie wild. Erfahren wir jetzt alles von ihm oder wieder nur Bruchteile? Ich hoffe, er sagt uns einfach die komplette Wahrheit, obwohl ich Angst vor der Wahrheit habe.
„Dale", sagt Harry. „Bevor du gegangen bist, haben sie mit so einer Scheiße noch nicht angefangen, deswegen wundere dich nicht, weshalb du nie so etwas mitbekommen hast. Aber du weißt, wie sie mich immer genannt haben.
Ausgeburt der Hölle, Satan, Dämon, das Sinnbild des Bösen ... Der Teufel.
Am Anfang dachten wir beide noch, dass sie das sagen, weil sie mich einfach nur dafür gehasst haben, dass ich so scheiße frech und vorlaut war, aber, scheiße ..." Er lacht kurz auf. „Du bist gegangen, sie dachten, ich hätte dich umgebracht und dann waren sie sich sicher, dass ihr Sohn nur Satan höchstpersönlich sein kann. Ab dem Tag deines Verschwindens, hat es angefangen. Sie waren sich so scheiße sicher, dass ich – ein sechsjähriger – der Mörder meines eigenen Bruders bin, dass sie mir Luzifer in die Haut ritzen wollten. Scheiße, sie hätten mich am liebsten noch an diesem Abend umgebracht, aber stattdessen haben sie ...."
Kurze Stille.
„Sie haben harmlos angefangen. Harmlos für ihre Verhältnisse. Am Anfang haben sie mich am Bettgestell festgebunden, mich mit Weihwasser bespritzt und mir jedes Mal eine Ohrfeige gegeben, wenn ich nicht auf ihre Worte reagiert habe. Was hätte ich auch tun sollen? Scheiße, meine Eltern wollten mir irgendein scheiß Dämon austreiben, von dem ich nicht mal wusste, was es überhaupt war. Ich hatte keine Ahnung, was sie da taten und wieso zur Hölle ich ständig nach und nach Schläge dafür bekommen habe, wenn ich mich einfach nur befreien wollte.
Seht das Kreuz des Herrn, flieht ihr feindlichen Mächte.
Scheiße, ich hasse diese Worte. Wie oft musste ich so einen Bullshit hören? Gefühlte tausend Mal, doch es schien einfach kein Ende zu nehmen.
Natürlich ist nichts passiert, während sie dachten, sie hätten mich von irgendeinem beschissenen Satan befreit. Ich war immer noch ich und ich hatte immer noch die grünen Augen und die dunklen, gelockten Haare. Honor, wahrscheinlich hast du davon gelesen, aber sie haben mich immer mit Pan verglichen. Pan, dieser abgefuckte Hirtengott, der den Teufel verkörpern sollte.
Ich war frech ihnen gegenüber und wollte kein Gebet sprechen? – Pan spricht aus mir. Sofort der nächste Abend, indem ich Höllenqualen erleben würde.
Dale, du weißt, dass sie immer über meine grünen Augen gesprochen haben. Wie hässlich und grausam sie wären und wie falsch und wie teuflisch. Tja, wahrscheinlich kennt ihr die Geschichte von diesem verkackten Adam und der abgefuckten Eva, die in der Schöpfungszeit von der Schlange auf dem Baum manipuliert wurden, um diese beschissene Frucht zu essen.
Die Schlange war in diesem Fall der Teufel und weil die Schlange auch noch verkackte grüne Augen hat, hatten unsere Eltern nur noch mehr Beweise dafür, ich sei wirklich die Verkörperung des Bösen.
Ich glaube, es war in der zweiten Klasse, als sie versucht haben, mir die Augen rauszuschneiden."
Ich ziehe scharf die Luft ein. Er sagt es so locker, als wäre es nichts, doch dabei ist es grausam.
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Remember His Story
Fanfiction"Sie wünschte sich manchmal, sie könnte seine Gedanken lesen. Doch dann fragte sie sich, ob sie mit der Wahrheit leben könnte." In Honors Grundschulzeit gab es einen Jungen, an den sie sich ewig erinnern würde. Er war anders, als die anderen Jungs...
