Kapitel 71 - Machtkämpfe

32.9K 2.6K 813
                                        

Und ich hatte schon Angst, das Kapitel würde zu kurz werden ... Tja.

Das Geräusch der Tür holt mich aus einem sanften Schlaf. Langsam öffne ich die Augen und stelle fest, dass es wärmer ist, als gedacht. Ich spüre Harrys warme Haut seiner Schulter an meiner Wange und ich sehe unmittelbar auf sein Hals und sein kantiges Kann. Sein Atem ist gleichmäßig und ruhig, weswegen ich denke, dass er schläft.

Wieder geht leise die Tür und dann kommen tapsige Schritte ins Zimmer.

Noch total verschlafen drehe ich mich um und sehe Diabo, der auf das Bett zugelaufen kommt. Dale kommt ihm hinterher.

„Hallo", grüße ich ihn mit kratziger Stimme und richte mich ein wenig auf, jedoch nicht ohne aufzupassen, dass ich Harry nicht wehtue. Er schläft noch ruhig und entspannt.

„Hallo. Diabo war noch bei Eduard", sagt Dale leise und setzt sich auf die Bettkante. Er sieht nicht weniger müde aus, als ich. Doch das ist verständlich. „Es ist gleich fünf", lässt er mich wissen, während Diabo ins Bett springt und sich zu Harry an die Wand legt. „Ich sollte dich jetzt besser nach Hause fahren."

Ich nicke übermüdet und sehe nochmal seufzend zu Harry. Eigentlich will ich nicht gehen. Ich will noch die ganze Nacht hier verbringen, mit ihm so eng nebeneinander schlafen und am nächsten Morgen neben ihm aufwachen.

„Du kannst ihn gleich morgen wieder sehen", spricht Dale. „Aber es ist wirklich besser, wenn du gehst."

„Ich weiß", hauche ich unglücklich und werfe mir die Decke von den Beinen. Ich stehe mit Dale auf. Klar steht, dass ich morgen nicht in die Schule gehen werde. Aber ich werde auch nicht Zuhause bleiben, sondern zu Harry gehen. Zwar habe ich noch nie die Schule geschwänzt, doch ich habe auch noch nie so eine starke Anziehungskraft zu jemanden gespürt, wie zu Harry.

Dale fährt mich nach Hause und er schweigt die ganze Fahrt über. Er wirkt nachdenklich und gleichzeitig erschöpft. Wir müssen uns endlich etwas einfallen lassen, wie wir all diese Probleme lösen. Seine Eltern laufen noch immer irgendwo rum und wollen Harry umbringen, irgendetwas muss passieren, womit wir sie aufhalten können. Möglichst, ohne ihnen etwas anzutun.

„Schatz, du siehst ja ganz ermüdet aus", sagt mein Vater, am nächsten Morgen zu mir, während er das Marmeladenglas in den Ofen stellt. Ständig verwechselt er diese Dinge.

„Ja", gebe ich zurück und schnappe mir eine Wasserflasche, als ich mir die Schultasche um die Schulter werfe. Ich bin hundemüde. Genau zwei Stunden konnte ich schlafen, dann war die Nacht auch schon vorbei, doch das ist nicht schlimm. Ich werde in die Stadt fahren, Harry etwas zu essen kaufen und dann sofort zu ihm gehen.

Mein Vater drückt mich zur Verabschiedung. Er küsst mich auf den Kopf. „Bitte mach dir nicht so viele Gedanken, ja? Wir wollen nur dein Bestes."

Mein Bestes, schon klar. Im Moment will ich mit meinen Eltern einfach nicht reden, sie haben mich zu sehr enttäuscht. Ich gehe einfach ohne ein weiteres Wort. Harry steht, wie immer, im Vordergrund.

Ich kaufe ihm in der Stadt Frühstück und dann mache ich mich auch schon zu Fuß auf den Weg zu ihm nach Hause. Die Tür steht unten mal wieder offen, weshalb ich einfach das Haus betreten kann. Und weil Harry das Schloss nicht an die Wohnungstür gemacht hat, kann ich auch diese einfach aufdrücken.

Es ist still, als ich die Tür hinter mir schließe. Ich höre nur Diabo aus dem Schlafzimmer knurren.

„Diabo", höre ich Harry brummen, weil Diabo aufbellt. Anscheinend denkt er, ich wäre ein Einbrecher.

Ich betrete das Schlafzimmer und ich sehe Harry, noch genauso wie gestern, auf dem Rücken liegend in seinem Bett. Nur sitzt jetzt Diabo vor ihm, als würde er ihn beschützen wollen.

Remember His StoryGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt