Meine Augen weiteten sich vor Schreck. „Nein, warum. Muss ich mit denen reden?" Birte nickte mir zu. „Ganz ruhig kleines. Du hast keine Schuld, wirklich nicht, aber die Polizei muss klären was passiert ist." Wieder dieser Druck auf meiner Brust, ich atmete mit mühe dagegen an. „Mit Mama?"
Birte senkte den Blick. „Eigentlich ist es üblich das ein Erziehungsberechtigter dabei ist, aber in deinem Fall, würden sie gern mit dir allein sprechen."
Ich griff panisch ihre Hand und umklammerte sie. Sie war grade der einzig mir bleibende Anker. „Bleibst du bei mir?" Sie drückte meine Hand ebenfalls. „Natürlich, wenn du das möchtest." Ich nickte eifrig. „Okay, dann sage ich ihnen Bescheid." Birte nickte nur, stand auf und ging zur Tür.
Einen Moment später standen zwei uniformierte Beamter vor meinem Bett, ein kleiner rundlicher Mann in den fünfzigern und eine zierliche Frau um die dreißig mit auffallend hellblonden Haaren und blauen Augen, die mich aufrichtig musterten.
>Bitte lass es nur ein Albtraum sein, aber so oft ich blinzle sie gehen nicht weg<
Sie stellten sich freundlich vor, erkundigten sich nach meinem Befinden wegen der OP und nahmen meine Daten auf. Der Mann hielt sich im Hintergrund und die Frau zog sich einen Stuhl heran um mich zu befragen. Wobei es zu Anfang keine Fragen waren, sondern die Erläuterung der Feststellungen die das Klinikpersonal gemacht hatte und was diese veranlasst hatte, die Polizei einzuschalten. Ich konnte immer nur nicken, was sollte ich auch tun
>Leugnen<
Wie denn nur? Die Narben, Hämatomen und Verbrennungen auf meinem Körper konnte ich nur mit Kleidung verstecken und die hatten sie mir bei der OP Vorbereitung genommen und alles gesehen und vermutlich dokumentiert. Also bestätigte ich die Vermutung der Polizisten das mir Gewalt angetan wurde.
Birte saß die ganze Zeit an meiner Seite und hielt meine Hand. Ich wollte und konnte nicht viel sagen, so beantwortete ich alle Fragen so knapp es ging.
Die junge Polizistin räusperte sich. „Ich kann mir vorstellen wie beschämt du dir vorkommst, aber vor uns muss dir nichts peinlich sein. Wir müssen datiert Fragen, um den Sachverhalt richtig einschätzen zu können." Ich schlug die Augen nieder, atmete tief durch und nickte. Wo bei ich eher nickte, als Bestätigung das es unfassbar schwer war.
Es wurde ein großer Fragenkatalog abgearbeitet. Unter anderem: Seit wann es passierte, wie häufig, aus welchen Gründen, wie und womit ich verletzt wurde.
>Die glauben echt das ich das einfach so erzählen kann<
Jedes Schulterzucken wird Minuten später genauer hinterfragt, was es nicht weniger peinlich oder die Erinnerungen daran noch schmerzhafter macht.
>Ich will das alles nicht<
Birte löste ihre Hand aus meiner und strich mit beruhigend über den Arm, ich hatte nicht gemerkt wie ich begonnen hatte zu zittern. Die Fragen fingen mittlerweile an körperlich weh zu tun. Die Polizistin sah mich vertrauensvoll an. „Du machen das wirklich gut. Wir sehen deine Bemühungen und verstehen wie schwer es für dich sein muss."
>Die haben doch alle keine Ahnung!<
Nur mit mühe konnte ich die Tränen zurück halten. Birte versuchte Zuversicht auszustrahlen, aber ich konnte ihr ansehen wie ihr meine Erzählungen zusetzten.
„Rebecca." Der ältere Polizist mischte sich in das Gespräch ein. „Du hast es vor deiner Bekannten schon gesagt, aber auch wir müssen es aus deinem Mund hören. Wer hat dich verletzt?" Ich zuckte zusammen, sollte ich es sagen.
>Du hast keine Wahl! Birte weiß es bereits und hat es ihnen gesagt<
Ich biss die Zähne hart aufeinander, kein Wort sollte aus meinem Mund kommen, aber da war wieder dieser innerliche Druck, es zerriss mich fast. Keuchend brachte ich hervor „Meine Vater, er war es, er hat es getan. Meine Mutter...." Ich stockte, konnte die Worte aber nicht aufhalten. „Sie hat mich versorgt und gepflegt, die Scherben aufgelesen und dann war alles wieder gut."
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Chance
Romancegirlxgirl Story Dunkel, voller Gewalt und Angst war ihre Kindheit und frühe Jugend. In den Händen des Systems fand sie einen Weg hinaus aus der Dunkelheit, zu sich selbst und mehr noch, sie fand Menschen die an ihrer Seite standen, zu ihr standen...
