Die Wochen verging wie im Flug und ich war wieder mit meiner Routine aus Schule, Hausaufgaben und Lernen beschäftigt. Freitag Nachmittag kam Birte mich besuchen und wir gingen zusammen in die Stadt bummeln, Eis essen und einfach nur reden. Die Gespräche und die gemeinsame Zeit mit ihr bedeuteten mir so viel.
>Es läuft<
Die nächsten sechs Monate zogen ins Land und ich hatte bereits meinen 14. Geburtstag gefeiert. Es überraschte mich immer wieder wie gut ich mich in meinem 'neuen Leben' zurecht fand. Ich ging zur Schule, ein bis zwei Mal die Woche telefonierte ich mit Birte und wir trafen uns, wenn es ihr wegen ihrer Arbeitszeiten möglich war, mal mit und mal ohne Frank. Ich musste zwei weiteren Male bei der Polizei erscheinen um meine Aussagen zu vervollständigen. Diese Termine wühlte mich zwar auf, aber ich konnte mich gut mit der Schule ablenken und verdrängte es größtenteils.
Ich hatte die erste Male am Judo Unterricht teilgenommen und steckte nun in einer Klemme. Es fühlte sich gut an sich körperlich auszupowern. Solange ich die Anfangsübungen alleine machte, jedoch brachten die Partnerübungen mich an meine Grenzen. Mit Anke und Caro ging es noch, aber mit Fremden in Körperkontakt zu treten und von ihnen auf die Matten geworfen zu werden, war mir häufig zu viel und löste Flashbacks aus. Ich war trainiert dies zu vertuschen, aber die Bilder in meinem Kopf gingen nicht so schnell weg und verfolgten mich häufig bis in den Schlaf, was meine Nächte wieder unruhiger werden ließ und Lotta ein ums andere Mal zu mir ins Bett trieb, um mich zu trösten. Dies bleib auch Nadine nicht verborgen und sie suchte das Gespräch mit mir. Nach einiger Überwindung erzählte ich ihr von den Flashbacks. Es frustrierte mich selbst, da es grade zu laufen schien und ich meine neue Normalität nicht aufgeben wollte.
Wir beschlossen das sie sich nach einem Selbstverteidigungskurs für mich umsah, am besten nur mit Mädchen und Frauen. Diese Idee gefiel mir sehr.
Ohne das ich es zu Anfang selbst bemerkte rutschten meine Leistungen in der Schule ab, zu häufig hielten mich meine trüben Gedanken gefangen. Das Lernen bereitete mir keine Schwierigkeiten, jedoch konnte ich es in der Schule nicht anwenden, meine mündliche Mitarbeit ging gegen null. Dies warf seitens der Lehrer natürlich Fragen auf und ich war in einem Teufelskreis gefangen, da ich ihre Fragen nicht beantworten wollte, da Erklärungen zu viel von meiner jetzigen Situation und der Vergangenheit preisgegeben hätten. Die Betreuer zeigten sich beunruhige über den Abfall meiner Noten, aber ich konnte es mir ja selbst kaum erklären. Ich steuerte immer weiter in ein Tief hinein. Auch der kleinen Clique meiner Mitschüler fiel auf, dass ich nicht wie sonst lächelnd dabei stand, sonder immer teilnahmsloser und müde wirkte, mich regelrecht von ihnen zurückzog, wie Leon mir offenbarte. Auch hier wollte ich keine wirklichen Erklärungen liefern. Der Druck der Schule, meiner Klassenkameraden und den ich mir selber machte, drohte mich zu übermannen und ich hatte Angst ihm nicht mehr standhalten zu können.
An einem Donnerstag nach Schulschluss, als ich grade allein das Schulgelände verließ, passierte es. Mein Onkel stand wie aus dem Boden gewachsen vor mir. Er riss mich, schwungvoll so das mir mein Rucksack von der Schulter rutschte, zu den Müllcontainern die ein wenig Abseits des schmalen Weges standen. Ich war sofort in einer Art Schockstarre, lange hatte ich ihn nicht mehr gesehen und der Hasserfüllte Blick mit dem er mich bedachte, machte mir Angst. „Nun hab ich dich endlich, du kleines Miststück." Sagte er bedrohlich ruhig. Er presste mich an einen Container. „Was glaubst du wer du bist!" Donnerte er los. „Ich sehe dich schon die ganze Zeit fröhlich mit deinen Freunden durch die Gegend laufen."
>Er hatte mich beobachtet<
Die Angst in mir stieg und ich war wie versteinert, konnte ihn nur anstarren. „Machst dir ein schickes Leben und lässt dich von allen verhätscheln und vertätscheln. Weil es dem armen kleinen Mädchen ja so schlecht geht. Pahh! Das ich nicht lache." Er verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. „Du bist so eine abscheuliches Wesen, nichts als Lügen die du erzählst. Reißt deine ganze Familie ins verderben und bringst meinen Bruder sogar ins Grab." Seine Hand wanderte an meinen Hals. Meine Augen wurden groß und er drückte leicht zu. „Am liebsten würde ich dich auch..." Er drückte mir einen Moment die Luft ab und ließ dann wieder von meinem Hals ab. Ich sank nach Luft röchelnd zusammen, aber seine Starken Hände pressten mich schmerzhaft an den Container.
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Chance
Romancegirlxgirl Story Dunkel, voller Gewalt und Angst war ihre Kindheit und frühe Jugend. In den Händen des Systems fand sie einen Weg hinaus aus der Dunkelheit, zu sich selbst und mehr noch, sie fand Menschen die an ihrer Seite standen, zu ihr standen...
