21. Vorbereitungen

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Die Tage verflogen nur so. In drei Wochen waren Sommerferien und bereits in 14 tagen würde ich umziehen. Corinna und ich klärten meine finanzielle Situation, da es ein Sparbuch gab was mein Vater mir hinterlassen hatte und ich bekam Opfer entschädigung.

Eigentlich wollte ich sein Geld nicht und als Opfer bezeichnet werden erst recht nicht, aber es war für den Start in mein neues Leben. Corinna rührte mich zu Tränen als sie es treffend auf den Punkt brachte. „Er hat dir dein bisheriges Leben zur Hölle gemacht. Nun nimm das Geld und gestalte dein Leben neu!"

>Es traf mich tief, weil es so wahr war<

Gemeinsam fuhren wir von der WG zu meiner neuen Wohnung und die Vermieter überreichten mir die Schlüssel. Die Ersatzschlüssel nahm Corinna an sich. Feierlich zog sie einen kleinen Anhänger aus ihrer Tasche auf dem in bunten Buchstaben 'New Life' stand. Ich befestigte ihn Freude strahlend daran und wir gingen die Stufen hoch in den ersten Stock. Mit zitternden Fingern schloss ich die Tür auf und wagte einen Schritt hinein. Corinna ließ mir diesen Moment und blieb im Flur stehen.

>Meine eigenen vier Wände<

Erst als ich tief durch atmete und mich glücklich lächelnd zu ihr drehte, lächelte auch sie und betrat die Wohnung. Ich fiel ihr in die Arme und konnte die Tränen nicht unterdrücken. Ich war ihr so dankbar das ich es nicht in Worte fassen konnte. „Danke!" Flüsterte ich nach einigen Minuten in denen ich mich langsam beruhigt hatte. Sie löste sich von mir, hielt mich an den Schultern fest und drückte leicht zu. „Das war ich nicht allein, dass ist auch dein verdienst. Du kannst stolz auf dich sein!" Wir lächelten beide. Ich atmete tief durch und sie ließ mich los. Langsam drehte ich mich im Flur um. Dann wollen wir mal. Corinna zog einen Block und einen Stift aus ihrer Tasche. Ich öffnete die erste Tür auf der rechten Seite, das Bad. Rechts war das Waschbecken, ein bisschen versetzt auf der linken Seite die Toilette und über die komplette Wandbreite am ende des Raums eine Badewanne mit Glasabtrennung für die Dusche. Ein Fenster befand sich mittig über der Wanne und war mit Folie überklebt, damit niemand rein sehen konnte. Mein Vormieter hatte alles über dem Fliesenspiegel der die Amateuren einfasste, schwarz gestrichen. Zu den Anthrazitfarbenen Bodenfliesen sah es nicht schlecht aus. Corinna zog die Augenbrauen hoch. „Wandfarbe?" Ich schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein das kann so bleiben. Einen Spiegelschrank übers Waschbecken." Corinna nickte bedächtig und schrieb es auf. Wir gingen in den nächsten Raum auf der rechten Seite, die Küche. Eine Einbauküche in einer L-Form, sie begann an der linken Seite des Raumes. Auf der Wand vor uns wurden die Hängeschranke durch ein Fenster über dem Wachbecken unterbrochen. Ansonsten war über den Arbeitsflächen weiß gefliest und die Wände weiß gestrichen. „Nun ja, das haben wir ja schon gesehen. Auch Eiche Rustikal hat seinen Charme." Witzelte Corinna hinter mir. Ich deutete unter das Waschbecken. „Aber ich hab eine Spülmaschine und das Ceranfeld über dem Herd wurde wie versprochen erneuert!" „Also du brauchst einen Esstisch und Stühle." Stellte sie fest. Ich nickte. „Und Folie." „Folie?" Corinna stand an der Arbeitsfläche auf der sie ihren Block abgelegt hatte und sah mich fragend an. „Ich hab mit Marius darüber gesprochen, er meint wir können die Schränke mit Folie verschönern." Sie nickte und schrieb es auf. „Wandfarbe kann so bleiben?" Fragte sie als ich bereits in den gegenüberliegenden Raum auf der linken Seite ging. „Ja. Weiß ist okay." Corinna folgte mir und stand mittig in dem kleinen weiß gestrichenen Raum. „Schlafzimmer?" Ich nickte und sah mich um. Ein großes Fenster war mittig auf der gegenüberliegenden Wand der Tür. „Darunter möchte ich mein Bett haben." Lächelte ich breit. Corinna lehnte sich an die Wand. „Also du brauchst ein Bett..." „Ein Doppelbett." Unterbrach ich sie und lächelte schief.

Sie lächelte ebenfalls und nickte. „Okay, dann also auch zwei Nachttischschränke und einen Kleiderschrank." Ich nickte und sie legte Block und Stift auf den Boden und zog ein Maßband aus ihrer Jackentasche. Wir maßen den Platz für Bett und Schränke aus und sie notierte alles. „Vielleicht noch eine kleine Kommode." Ich deutete auf den freien Platz neben der Tür. Ein wenig umständlich stellte ich mich an die abgemessenen zwei Meter des Bettes damit Corinna die tiefe der Kommode messen konnte, damit noch ein Durchgang blieb. Sie schrieb die Maße dazu und ich ging zurück in den Flur nach links in den letzten Raum der am ende des Flures lag. „Das Wohnzimmer." Sagte ich beeindruckt. Der Raum war ebenfalls in weiß gestrichen und größer. Er öffnete sich zu beiden Seiten. Ich sah direkt durch die vier kleineren Fenster mit gegenüber, auf der rechten Wandseite war ein größeres Fenster und eine Glastür die auf den Balkon führte. Corinna lehnte im Durchgang zum Flur und ließ den Blick schweifen. „Hast du dir schon Gedanken gemacht, wie du es einrichten willst?" Ich drehte mich im Kreis und lächelte. „Ja!"neben dir auf die Wand links eine gemütliche Couch, vielleicht als L-Form. Gegenüber eine Schrankwand für einen Fernseher?!" Ich zog die Augenbrauen hoch. „Den ich dann wohl auch noch brauche." Corinna nickte und nahm wieder ihre Schreibutensilien zur Hand. Ich drehte mich zum Balkon. „Auf die Wand rechts von dir" Ich zeigte vor mich. „Einen Schreibtisch und ein Regal. Gemeinsam nahmen wir wieder Maß und Corinna notierte alles. Als wir fertig waren öffnete ich die Balkontür und ging hinaus. Gedankenverloren stützte ich mich auf die Brüstung und ließ den Blick durch meine neue Nachbarschaft schweifen.

>Ein Wahnsinns Gefühl<

Corinna stellte sich neben mich. „Ich hab mal günstige Balkonmöbel aufgeschrieben. Die sind ja erst mal nicht so wichtig." Ich nickte immer noch in Gedanken. „Zufrieden?" Fragte Corinna leise. Ich sah zu ihr und strahlte mit erneuten Tränen in den Augen. „Mehr als das!" Sie lächelte und klopfte mir seicht auf die Schulter.

Nachdem wir den Blick noch ein paar Minuten schweigend genossen hatten, gingen wir noch mal alle Räume ab und verglichen die Notizen, im Anschluss brachte sie mich in die WG. Völlig Überwältigt von dem Gefühl, holte ich mir das Telefon und rief Birte an. Sie arbeitet leider, aber ich erzählte Frank alles ganz genau, der sich genau so zu freuen schien wie ich. Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis Jasmin in mein Zimmer kam. Wir legten auf und ich folgte ihr ins Wohnzimmer, wo Kim schon auf seinem üblichen Platz der Zweisitzer Couch lümmelte und Jasmin sich in den Sessel fallen ließ. Ich nahm auf der großen Couch platz und berichtete ausführlich. Beide freuten sich riesig für mich. „Das müssen wir Feiern! Auf in die Kneipe!" Rief Kim begeistert. Wir stimmten mit ein und machten uns sogleich auf den Weg. Ein wenig später kam auch Marius dazu, der sich interessiert alles noch mal erzählen ließ und sich ebenso mit mir freute. „Die Küche, überlass mal mir. Ich hab da einiges im Petto." Ich sah ihn fragend an, aber er schüttelte nur den Kopf. „Du wirst schon sehen. Überraschung!" Er tat so als würde er seinen Mund abschließen und den Schlüssel weg werfen. „Du wirst vorher nichts erfahren." Ich stöhnte gequält und gab mich geschlagen. „Montag fahre ich mit Corinna Möbel aussuchen." Marius lächelte. „Soll ich euch begleiten oder kommen dann gleich wieder Gerüchte auf?" Ich zuckte mit den Schultern und grinste. „Na ja ich hab Corinna schon gesagt das ich ein Doppelbett möchte und das du was mit Folie in der Küche machst. Also was wird sie wohl denken?" Er lachte auf. „Uhh welche Seite des Bettes wird meine?" Ich stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Spinner!"

>Noch vor einiger Zeit wären solche Witze für mich unmöglich gewesen<

Wir lachten beide und Kim und Jasmin tauschten fragende Blicke. Sie waren wieder einmal verwirrt, mal kauften sie uns die Freundschaft ab und mal zweifelten sie daran. „Also. Fahre ich mit?" Ich nickte. „Um 14.00 Uhr kommt Corinna." „Dann sammel ich dich nach der Schule ein und wir fahren in die WG." Ich hielt ihn mein Glas entgegen. „Das klingt gut." Marius stieß mit mir an und zwinkerte mir zu. Das Wochenende verging schnell und schon war der Montag da. Corinna holte Marius und mich ab und guckte wie erwartet kurz fragend. Worüber wir uns sehr amüsierten.

Wir klapperten die üblichen Möbelhäuser und einen Secondhandshop ab. Corinna war über Marius Anwesenheit erfreut, da er die Preis im Blick behielt. Ich war nicht all zu wählerisch, darum ging es recht zügig. Bett und Couch dauerten am längsten. Ich war erstaunt im Secondhandshop direkt einen quadratischen Esstisch mit vier Stühlen für einen humanen Preis zu finden. „Wer will auch Eiche Brutal." Kommentierte Marius nur knapp und wir lachten. „Aber zur Küche passt es und mit weißen Sitzkissen und einer Decke, sieht es nicht mehr so schlimm aus." Er nickte stumm und Corinna lächelte zustimmend. „Du machst das schon." Ich entdeckte ein Geschirrset, was mir gut gefiel, aber Marius schüttelte den Kopf. „Warte es ab." Mehr sagte er nicht. Corinna sah fragend von ihm zu mir, aber ich zuckte auch nur mit den Schultern. Wir machten in einem Schnellimbiss Pause. Corinna und Marius gönnten sich einen Kaffee, dem konnte ich nichts abgewinnen und nahm einen Milchshake. Wir gingen die Liste durch und verglichen die Preise. Als Marius meinte für den Kleinkram noch in den Baumarkt zu müssen, wurde mir erst recht flau im Magen. Corinna beruhigte mich, da das Finanzielle noch im Rahmen sei. Wir fuhren auf den Rückweg in die betreffenden Möbelhäuser und vereinbarten liefer- und Abholtermine. Alles konntein der darauf folgenden Woche statt finden. Nur Die Couch dauerte drei Wochen.

Die restliche Woche verbrachte ich nach der Schule überwiegend beim Sport. Marius war nur zwei Mal dabei, weil er etwas 'Geld verdienen'müsse.

>Alles schien zu funktionieren<

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