Ich griff nach der Türklinke, verweilte einen Moment, atmete tief durch und öffnete dann die Tür. Gegenüber von Birte stand nun eine etwas kleinere, sportlich-schlanke Frau mit kurzen blonden Haaren. Als ich ein paar Schritte auf sie zu ging, drehte sie sich zu mir. Sie hatte ein freundliches Lächeln, strahlend weiße Zähne und tief braune Augen. Ich schätzte sie auf ende zwanzig. Sie streckte mir ihre Hand entgegen. „Hi, du musst Rebecca sein?!" Ich nickte und griff nach ihrer Hand. „Freud mich, dich kennenzulernen. Ich bin Nadine Kohlbring, aber Nadine reicht völlig." Zwinkerte sie mir zu. Ich ließ ihre Hand wieder los und stand hilflos im Raum, wusste nicht was ich sagen oder machen sollte. Nadine machte einen Schritt auf mich zu und legte mir die Hand auf die Schulter. „Alles okay. Wir bekommen das schon hin." Birte versuchte es ebenfalls mit einem aufmunterten lächeln. Ich nickte einfach nur und versuchte das Zittern zu unterdrücken. „Hast du all deine Sachen schon gepackt?" Fragte Nadine. Ich sah mich kurz um. „Ja." Brachte ich mit zittriger Stimme hervor. Birte ließ ebenfalls ihren Blick schweifen und nickte mir zu. „Okay, dann lass uns los." Zu Birte gewandt meinte sie. „Sie begleiten uns noch bis zum Auto?" Birte nickte lächelnd. „Natürlich." Nadine griff nach meiner Tasche. „Das ist alles?" Wieder nickte ich nur. „Okay, sie ging vor zur Tür und Birte schloss zu mir auf und griff nach meiner Hand um mit mir raus zu gehen. Sie ließ mich bis zum Auto nicht ein Mal los und ich war dankbar dafür.
>Ihre Hand gab mir halt<
Wir blieben von einem dunkel blauen VW Caddy stehen. „Das ist meiner." Sagte Nadine lächelnd. „Carsten, also mein Kollege ist grade mit unserem Dienstwagen unterwegs." Birte und ich nickten. Nadine verstaute meine Tasche auf dem Rücksitz. Birte wand sich zu mir und zog mich in ihre Arme, wir hielten uns fest und ich wünschte mir kurz, sie nicht los lassen zu müssen, aber es musste sein und so lösten wir uns voneinander. Birte hielt jedoch mit ihrer rechten Hand meine rechte fest und sah mir fest in die Augen. „Das ist kein Abschied für immer, Becky. Versprochen!" Ich hob den Blick zu ihren Augen und sah die Ehrlichkeit in ihrem Blick. Ich nickte schwach und umarmte sie erneut. Sie hielt mich einen Moment fest, nahm dann meinen Kopf und drückte mir einen Kuss auf die Stirn und dann trennten wir uns. Langsam ging ich zur Beifahrerseite rüber und hörte wie Nadine und Birte noch ein paar Worte tauschten und sich verabschiedeten. Ich stand unterdessen neben der Tür und hielt den Griff fest. Ich atmete tief durch lächelte gezwungen zu Birte rüber und stieg dann ein.
>Angst und Trauer überkamen mich<
Nadine nahm ebenfalls neben mir platz. Sie sah mich an. „Alles gut?" Ich nickte. „Geht schon. Danke." Langsam fuhr sie aus der Parklücke wir winkten Birte und Birte uns. Dann war sie außer Sichtweite und Nadine bahnte sich ihren Weg über den Parkplatz Richtung Straße.
Das Radio war das erste was mir bewusst auffiel. Musik, wie sehr hatte mir Musik in den letzten Tagen gefehlt. Ich lehnte meinen Kopf ans Fenster und sah Häuserreihen an uns vorbeiziehen, eine Schule, ein Supermarkt. Minuten vergingen. Als wir an einer roten Ampel hielten sah Nadine zu mir rüber. Ich bemerkte es aus dem Augenwinkel und drehte meinen Kopf, ein wenig in ihrer Richtung. Sie lächelte mich an. „Ich kann mir vorstellen das du Angst hast, aber das brauchst du wirklich nicht. Die anderen Kids freuen sich auf dich."
>Angst<
Ich fühlte vorsichtig in mich hinein. Ja es war Angst, aber weniger vor den anderen Kindern als vor dem was auf mich zukommen würde. Sie fuhr auf den Parkstreifen und ich sah irritiert aus dem Fenster. Es war eine normale Reihenhaussiedlung. Nadine lächelte nickend und deute auf das Reihenendhaus. „Da wären wir. Also aussteigen bitte." Ich folgte ihr die wenigen Meter bis zur Haustür, vorbei an einer kleinen Gartenhütte und einem achtlos liegen gelassenen Roller. Nadine öffnete die Tür, hielt sie mir offen und ich folgte ihr ein paar Stufen hinauf, sie ging auf dem Absatz grade aus und öffnete mit ihrem Schlüssel ein kleines Zimmer. „Das ist unser Mitarbeiterbüro." Ich nickte und sah mich kurz um. Sie stellte meine Tasche auf die kleine Couch an der Wand neben der Tür. Ihr gegenüber stand ein Schreibtisch und an der linken Wandseite befanden sich Regale voller Akten. Nadine machte wieder einen Schritt zur Tür und sah auf die Uhr, wir haben noch einen Moment bevor die Anderen kommen. „Dann zeig ich dir mal das Haus." „Okay." Ich folgte ihr aus der Tür die sie hinter uns zuzog und den Flur nach links weiter ging. Wir kamen in eine große Wohnküche in dessen Mitte ein Tisch für 10 Personen stand, es duftete nach Essen was wohl im Ofen stand. Nadine drehte sich zu mir und lächelte. „Die Küche und das angrenzende Wohnzimmer. Und so wie es duftet, hat Carsten mein Kollege gekocht, dann können wir gleich mit den Anderen essen."
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Chance
Romancegirlxgirl Story Dunkel, voller Gewalt und Angst war ihre Kindheit und frühe Jugend. In den Händen des Systems fand sie einen Weg hinaus aus der Dunkelheit, zu sich selbst und mehr noch, sie fand Menschen die an ihrer Seite standen, zu ihr standen...
