30. Schulabschluss

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Donnerstag

Ich hatte mich in den Schlaf geweint und die ganze Nacht plagten mich Albträume. Am Morgen war ich ausgelaugt und absolut fertig. Ich wollte nicht zur Schule, aber am vorletzten Tag gab es so viel organisatorisches, dass konnte ich nicht verpassen. Ich machte mich mühsam zurecht, obwohl ich nicht verbergen konnte wie fertig ich war und schleppte mich zur Schule. Immer wieder raffte ich mich auf, die Freude der Anderen zu imitieren und mir nichts anmerken zu lassen. Obwohl es wohl kaum jemanden interessiert hätte, aber ich wollte auch nicht auffallen.

>Also lächeln, wenn es auch schwer fällt<

Marius holte mich nach der Schule ab und wir gingen zusammen etwas essen, obwohl ich keinen wirklichen Hunger hatte und nur mühsam ein paar Pommes runter brachte. Corinna rief an und klärte mit mir, wann sie mich morgen abholen kommen würde. Das es mir nicht gut ginge hörte sie sofort, aber ich spielte es herunter und als ich ihr sagte das ich zur Therapie gehen würde, wirkte sie beruhigter. Marius fuhr mich nach hause und leistete mir Gesellschaft. Er kümmerte sich um das Päckchen von meinem Telefonanbieter und installierte alles. Ich hatte nun Telefon und Internet.

>Super<

Wirkliche Begeisterung darüber konnte ich nicht zeigen, auch wenn es mir wirklich leid tat, da Marius sich sehr bemühte meine Stimmung aufzuheitern. Er fuhr mich zur Therapie und ich öffnete mich dies Mal wirklich, ließ alles raus was mich aktuell belastete. Meine Therapeutin gab mir den Denkanstoß. Inwiefern eine Beziehung zu Kate aus Abhängigkeit bestehen würde und eine solche habe mein bisheriges Leben bestimmt. Ich war nicht von ihr abhängig und wollte das auch überhaupt nicht miteinander vergleichen.

>Der Vergleich war grotesk und abstoßend<

Natürlich verstand ich ihren Ansatz, aber er stimmte einfach nicht. Ich hatte mir so viel erarbeitet und das allein, damit hatte Kate nichts zu tun und würde sie auch nicht. Ich hätte sie gern als Teil meines Lebens, dessen war ich mir bewusst, aber auch das es mein Leben war. Als ich die Praxis verließ hatte ich ein leichtes lächeln auf den Lippen. Hatte sie das gewollte, das ich mir wieder bewusst wurde, das es mein Leben war was ich selbst bestimmt und selbstständig führte. Falls ja, dann hatte sie ihr Ziel erreicht. Marius lehnte an seinem Wagen und lächelte mich an. Ich erwiderte sein lächeln und wir stiegen ein. „Sehr schön." Sagte er und fuhr los. Ich sah ihn fragend an und er grinste. „Na das du wieder lächelst." Ich nickte und schnaubte kurz. „Na ja. Es ist mein Leben und morgen schließe ich die Schule ab, wer hätte das gedacht." Marius nickte und ich sah das er mich nicht ganz verstand, aber das war mir grade nicht so wichtig.

Den Sport ließen wir heute wirklich ausfallen und saßen dafür zusammen vor meinem Notebook und er erklärte mir einiges im Internet und richtete mir ein Email Postfach ein. Wir sprachen über Facebook und er zeigte mir seinen Account. Es interessierte mich, aber meine Angst von Personen aus meiner Vergangenheit gefunden zu werden, überwog. Wir stöberten gemeinsam etwas und ich hätte gern nach Kate gesucht, aber ich wusste ihren Nachnamen nicht. Dabei fiel mir auf, wie wenig ich über sie wusste, aber das war wohl ein geben und nehmen und daher wohl eher meine Schuld. Ich verwarf den Gedanken.

>Nur noch morgen<

Dann würde ich mich Kate stellen, mit allen Konsequenzen. Marius riss mich aus meinen trüben Gedanken, in den er mir lustige Videos zeigte. Und zum ersten Mal an diesem Tag lache ich wirklich.

Mitten drin klingelte mein Handy. Birte rief mich an und Marius verabschiedete sich, damit wir in ruhe telefonieren konnten. Dies taten wir, wie mittlerweile üblich über eine Stunde. Als wir auflegten, überkam mich das übliche Gefühl des vermissen und wie gern ich sie morgen an meiner Seite hätte, aber es war nicht möglich. Corinna und Marius wären dabei, dass war viel wert. Ich musste dringend schlafen, um morgen erholter auszusehen.

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