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Kapitel 84

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Ein letzter schneller Check ihrer Ausrüstung und sie war bereit für die Dritte, und somit vorletzte Show, dieser Tour. "Ist dieser Platz noch frei?", tauchte Ingo neben ihr auf und deutete mit seiner Hand, auf einen freien Stuhl links neben ihrem Mischpult, von welchen man einem perfekten Blick auf die Bühne besaß. "Klar, setz dich. Magst du mir heute Gesellschaft leisten?", fragte sie lächelnd. "Jup, ich dachte mir wir können uns das Konzert heute mal zusammen anschauen... wobei ich dich nicht von deiner Arbeit abhalten mag.", nehm er neben ihr Platz. "Machst du nicht." "Dann ist gut.", erwiederten seine Lippen ihr Lächeln, "Ich hab übrigens schon erste Informationen zu deinem Vater. Sein Name tauchte vor Jahren mal bei einer alten Plattenfirma auf. Allerdings exestiert diese Firma nicht mehr, weshalb wir leider nicht wissen in welcher Verbindung sie zu einander standen... also ob er dort gearbeitet oder ein Album produziert hat. Mein Kontakt versucht jetzt ein paar Mitarbeiter von früher ausfindig zu machen und zu erreichen, in der Hoffnung das sie sich an deinen Vater erinnern und eventuell mehr über ihn wissen. Im Internet findet man leider nichts genaueres über ihn.", erklärte er ihr den aktuellen Stand ihrer Suche. Mit einer solchen, beinah schon konkreten, Information nach so kurzer Zeit, hatte sie keineswegs gerechnet. Nach ein oder zwei Wochen vielleicht mit einer winzigen Spur, aber doch nicht bereits nach wenigen Stunden. Mit einem Mal fühlte sich die Tatsache, dass sie das Kind von einem fremden Mann ist, viel realer an. Neil Hayes gibt es wirklich. Er ist keine fiktive Person, aus einem Märchen... Nein. Er lebt. Irgendwo in Deutschland lebt ihr Vater... weit entfernt von seinem kleinen Mädchen, welches sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Familie, die sie lieb hat. Sie wusste zwar noch nicht viel über ihren leiblichen Vater, doch wenn sie ihm noch immer, wenn auch nur ansatzweise, so ähnlich ist, wie ihre Mutter in ihren Brief geschrieb, dann könnte er dieser eine Mensch in ihrer Familie sein, der sie akzeptiert. Falls er überhaupt etwas mit ihr zutun haben möchte, sollten sie ihn finden. Vielleicht hat er mit dem Thema auch längst abgeschlossen, ihren Verlust verarbeitet und einen eigene Familie gegründet, in der für sie kein Platz ist. Auf keinen Fall wollte sie ihn zwingen, den Schmerz von damals nochmal zu erleben. Immer mit dem Hinblick, dass sie nicht kennengelernt zu haben, ihn wirklich verletzt hat. Natürlich bestand die Möglichkeit, die sie nicht außer acht lassen wollte, dass er sie nie vermisst hat und ihr Verlust ihm gänzlich egal gewesen ist. Nicht jeder Mann möchte Vater werden, genauso wie nicht jede Frau Mutter werden möchte. Allerdings hatte sie es aus dem Brief ihrer Mutter schon so verstand, dass ihr Vater gerne Kontakt zu ihr gehabt hätte. Sowie sie ihre Mutter kannte, hätte sie eine solche große Entscheidung, ob sie sie als Baby behalten oder die Schwangerschaft lieber abbricht, niemals alleine treffen können. Selbst wenn Neil, der letzte Idiot dieser Erde ist, hätte sie ihm nie sein Mitspracherecht entzogen. Ihre Mutter wollte immer das jeder Mensch gleich behandelt und niemand benachteiligt wird.

"Nicht gut?", fragte der Bodyguard behutsam, nachdem von der Tonfrau keine Reaktion auf die Rechercheergebnisse zu ihrem Vater kam. "Doch, doch. Klar. Das ist super.", stotterte sie und fühlte sich in ihren Gedanken ertappt. "Das geht alles ein wenig schnell oder?" Sie nickte, "Ich weiß nicht ob ich dafür schon bereit bin. Was wenn er mich nicht sehen will. Vielleicht ist es besser, wenn ich ihn in Ruhe lasse. Er hat bestimmt ein schönes Leben ohne mich.", nervös begannen ihre Finger mit einem Stift auf ihrem Schreibtisch zu spielen, "Andererseits fällt es mir schwer diese Tatsache zu ignorieren, dass er mein Vater ist, weil ich jetzt die Wahrheit kenne. Ich hätte niemals diesen Brief lesen sollen, dann wäre mein Leben nicht schon wieder ein Chaos." Mitfühlend sah der ältere Mann sie an, "Ich versteh dich Min. So eine Entscheidung trifft man nicht einfach von heute auf morgen. Allerdings würde ich die gerne die Chance geben deinen Vater kennenzulernen, wenn du das willst. Was hältst du davon... mein Kontakt sucht weiter nach deinen Vater und wenn er genauere Informationen habe, dann geb ich dir diese weiter... und am Ende entscheidest du, ob du ihn kennenlernen willst oder nicht. Ganz ohne Zwang. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass wir ihn trotz Informationen nicht finden. Mein Kontakt ist leider nicht Mitglied beim Geheimdienst.", grinste er sanft und legte seine Hand auf ihren Unterarm, "Ich möchte nur dein bestes und das du glücklich bist. Und wenn er dich nicht will, dann sag ich ihm wie blöd er doch ist... aber dazu wird es sicher nicht kommen. Falls doch, dann hast du immer noch Paddy und mich, ich bin gern dein Ersatzvater.", ergänzte er seine liebe Antwort mit einem Zwinkern. Ersatzvater trifft den Nagel wahrlich auf den Kopf. Er ist immer genau dann da, wenn sie ihn am meisten braucht. Und auch sonst hält er stehts einen schützenden Blick über sie und Michael. Manchmal fühlt es sich merkwürdig an, dass sie zu ihm eine engere und vertraute Bindung besitzt als zu ihren Geschwistern und den Rest ihrer Familie. Normalerweise müsste man meinen, dass die Menschen, die einen bereits ein ganzes Leben lang begleitet, einem näher stehen, wie die Menschen, mit denen man erst seit einigen Monaten einen gemeinsamen Weg beschreitet. In ihrem Fall herrscht dahingehend das komplette Gegenteil. "Danke Ingo. Du bist wirklich der beste Ersatzvater, den man haben kann.", lächelte sie ihm zu, "Ich werde mir ein wenig Zeit nehmen, um nochmal in Ruhe über alles nachzudenken, denn du hast recht, dass ist keine Entscheidung die man zwischen Tür und Angel fällt. Zum Glück weiß er nicht das ich ihn suche, so steh ich nicht unter Druck, ihn wirklich kennenlernen zu müssen. Ich will nur nicht undankbar wirken, weil ich die Chance nicht nutze, die ich habe... während andere Menschen alles dafür tun würden." "Ach Kleine, es gibt in der Hinsicht keine Undankbarkeit. Zerbrech dir darüber nicht den Kopf, was andere sagen ist egal. Dir muss es mit der Entscheidung gut gehen, nicht Paddy, nicht mir, sondern nur dir. Also nimm dir die Zeit, die du brauchst um herauszufinden was dein Herz dir sagt, was du willst." "Du hast recht.", nickte die Tonfrau und legte ihre Hand auf seinen Handrücken, für einen kurzen Moment übte sie einen seichten Druck aus als Zeichen ihrer Dankbarkeit, "Ich werde auf mein Herz hören und den richtigen Weg für mich wählen." Wie bedauerlich, dass ihr Herz nicht einfach mit ihr sprechen und ihr die Antwort auf ihre Frage, ob sie ihren Vater kennenlernen möchte, mitteilen kann.

seventeen daysGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt