„Warte doch!", rief ich platzend und etwas aufgeregt. Verdammt, wieso war ich so nervös? Ich merkte, wie er in seinem Gang etwas langsamer wurde und vielleicht kurz davor war stehenzubleiben, was mich freute. Tat er dann doch nicht und nahm wieder eine gewöhnliche Geschwindigkeit ein. Das machte mich schon leicht wütend. Hastig stand ich auf und lief ihm hinterher.
„Warum läufst du von mir weg?", fragte ich und stellte mich vor ihn.
Er guckte nur desinteressiert zu mir hinab.
„Ich laufe nicht von dir weg. Warum sollte ich?"
„Natürlich läufst du von mir weg. Das war jetzt schon das vierte Mal in zwei Tagen."
„Ich habe es nicht nötig von jemandem wegzulaufen", sagte er entschlossen und ging an mir vorbei aus dem Café.
„Aber das machst du doch gerade!"
Ich eilte hinter ihm raus und wurde direkt von der brennenden Hitze des Sommers in die Arme genommen. War ihm in seiner Jacke etwa ich warm?
„Ich laufe nicht von dir weg."
„Doch, das tust du!", rief ich augenrollend und folgte seiner attraktiven Fortbewegung. Er sah sogar beim Gehen von hinten zu gut aus. Pure Männlichkeit.
„Also, was ich sehe, ist dein Rücken, der sich immer weiter von mir entfernt, während ich dich einholen will und du das auch weißt. Natürlich läufst du von mir weg."
Ich musste schmunzeln bei meiner eigenen Lockerheit. Als wäre er nicht ein Junge mit dem ich das erste Mal mehr oder weniger redete, sondern ein alter Freund. Wie Arian...
Am Anfang meiner Freundschaft mit Arian war er auch oft so gewesen. Immer hatte er von mir weglaufen gewollt und immer hatte ich es geschafft ihn durch meine Hartnäckigkeit einzuholen.
Es sah nicht danach aus, als würde er stehen bleiben wollen oder sonst was, weshalb ich es tat. Ich blieb stehen und atmete tief durch. Meine Hände wurden leicht schwitzig und ich fing an meine Zeigefinger und Daumen aneinander zu reiben.
„Arian!"
Das nervöse Rasen meines Herzens machte einen Stopp. Er blieb stehen und somit auch mein Herz. Er blieb tatsächlich stehen.
„Arian", kam es erneut geflüstert über meine Lippen und mein Herz begann wie verrückt zu schlagen, als er über seine Schulter guckte ehe er sich schnell umdrehte.
Unsicher setzte ich ein Lächeln auf und biss mir auf die Unterlippe. Zehn Jahre. Leichter Schock schien sich auf seinem Gesicht abzubilden. Ich schirmte meine Augen von der Sonne ab und konnte meine Vorfreude nicht verbergen. Seiner Reaktion nach zu urteilen, war er es und ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie sehr mein Leben jetzt durch ihn erhellt würde. Arian war in den schweren Zeiten, wo der Krebs meiner Mutter unglaublich schlimm war, zu dem einzigen Grund geworden, warum ich es trotzdem jeden Tag geschafft hatte aus Herzen zu lachen. Kurz gesagt; vor zehn Jahren war Arian mein Lächeln gewesen.
Breit grinste ich vor mich hin und sah ihn mit dem Daumen an seinem Helm kratzen. Arian hatte auch immer an irgendetwas herumgekratzt, wenn er nervös gewesen war. Ich hatte es gehasst. Dann nahm er große eilige Schritte und rannte schon fast auf mich zu.
„Wie hast du mich gerade gennant?"
Meine Aufregung erlosch bei seinem wütendem Blick und der knurrenden Stimme. Ich musste meinen Kopf ziemlich weit in den Nacken legen, um zu ihm hochschauen zu können, so nah wie er mir stand.
„Äh...Arian", antwortete ich etwas perplex lächelnd.
Ein Schnaufen verließ ihn und das Bohren seiner hellen Augen ließ mein Schlucken in ein schweres trockenes Kriechen über meine Kehle werden.
„A-Arian...d-das bist du doch. Arian..."
Ich versuchte erneut zu schlucken, was unter seinem eisigen und gleichzeitig glühenden Blick zu schwer war, genauso wie das Reden, was mir noch nie bekannt war. Reden war meine beste Fähigkeit.
„W-wir kennen uns doch...damal-"
„Hör zu", unterbrach er mich und machte einen weiteren Schritt auf mich zu, was in dieser kleinen Distanz zwischen uns dazu führte, dass ich zurücktreten musste.
„Wir..."
Er ging immer weiter und ich schritt immer weiter zurück. Er zeigte mit seinem Zeigefinger abwechselnd auf sich und mich.
„...kennen uns nicht."
Ich erschrak, als ich eine Wand an meinem Rücken spürte und nun von beiden eingeengt wurde. Ich wusste genau die Hitze in mir lag nicht an dem Wetter.
„Du kennst mich nicht, ich kenne dich nicht und das prägst du dir jetzt für immer ein, ja?"
Der bedrohliche Hauch in seiner leisen gefährlichen Stimme jagte mir einigermaßen Angst ein.
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Smile With Me
RomanceIch konnte die Hitze seiner Lippen an meinen spüren und hätte am liebsten die wenigen Millimeter zwischen uns sofort geschlossen. „Ich bin nicht gut für dich, Annabella", flüsterte er und strich brennend mit seinem Daumen über meine Lippe wobei sein...
