„Tschüss", rief ich Kelly euphorisch in der Küche zu und wollte gerade die Haustür öffnen, da fiel mein Blick auf mein Spiegelbild im Spiegel an der Wand des Flures. Das Grinsen strahlte übers ganze Gesicht und ich erkannte, was Kelly gestern gemeint hatte. Ich hatte schon lange nicht mehr gespürt und gesehen, wie wahr dieses Lächeln war. Ich hob kurz meinen hohen Kragen an, der den dicken, dunkel rot schimmernden Knutschfleck versteckte. Meine Fingerspitzen glitten zu meinen Lippen, die mich seine nicht vergessen ließen und ich musste plötzlich kichern.
Kelly steckte ihren Kopf aus der Küche und guckte mich stirnrunzelnd an. Schnell ließ ich mein Lächeln erblassen und fuhr mir durch die Haare, als täte ich genau das vor dem Spiegel und verschwand zügig aus dem Haus.
Die Sonne schien wieder mit ihrer vollen prahlenden Helligkeit und tauchte mich in die übliche Sommerhitze. Aber heute konnte ich tief durchatmen und eine gewisse Schwerelosigkeit in mir wahrnehmen. Ich fühlte mich so gut wie schon lange nicht mehr. Ich hatte vielleicht drei Meter meines Schulweges angetreten und wurde schon erwartet. Doch leider war es nicht Arian, sondern Azat, der an einem schwarzen Auto stand und mir zunickte.
„Guten Morgen. Boss möchte, dass ich Sie sicher zur Schule bringe."
War ja klar, dass er nach dem Vorfall gestern so viel tun würde. Aber es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.
„Und wo ist er selbst?"
„Boss ist...er hatte was zu erledigen und wird wahrscheinlich den ganzen Tag noch unterwegs sein."
Er hielt mir die Autotür für die Sitze hinten auf aber ich wollte ihn nicht wie ein Chauffeur behandeln und ging zum Beifahrersitz, um mich hineinzusetzen.
„Ist er etwa die ganze Nacht schon dabei...was auch immer er macht?",fragte ich langsam besorgt und seiner bedauernden Mimik nach, war es der Fall.
Seufzend guckte ich aus dem Fenster und bedauerte Arians Lage. Wie er weiterhin das machen musste, was er so abgrundtief hasste.
„Naja, Boss kann halt alles für Georgios tun",sagte Azat nach kurzer Stille.
„Warte mal, ist dieser Georgios nicht der Oberboss oder so? Ihn nennst du beim Namen aber Arian nicht?"
Er nickte und konzentrierte sich auf die Straße. Es schien als sei er sich nicht sicher, ob er reden sollte oder nicht.
„Mir kannst du das ruhig sagen Azat."
„Wissen Sie nicht, dass Georgios Boss' Onkel ist?"
Überrascht starrte ich ihn an.
„Was? Onkel?"
Ohne mich anzusehen nickte er ernst und ich versuchte kurz diese Wahrheit aufzunehmen.
„Er hat Boss aufgezogen. Er ist wie sein Sohn."
Seufzend fiel ich in meinen Sitz zurück und konnte jetzt alles verstehen. Arians Gefühle Georgios gegenüber und sein Drang, ihn nicht zu enttäuschen.
Nach einem kurzen Moment der Realisation wurde ich mit noch mehr Neugier gefüllt und drängte Azat dazu mir mehr zu verraten. Er zögerte sehr, er war nun mal ein sehr loyaler Arbeiter, aber irgendwie wollte er mir selber vieles sagen wodurch es dazu kam, dass er mir erzählte, wie sehr Georgios Arian liebte. Genauso wie Arian, konnte er alles für ihn tun und wollte ihm ein tolles Leben schenken mit vollem Respekt. Deshalb bestand er darauf, dass all seine Arbeiter Arian ‚Boss' nannten, ganz egal, wie er selbst genannt wurde. Dies verdeutlichte mir umso mehr, dass Arian sich nie würde gegen ihn stellen können.
„Ma'am, ich mag vielleicht nur ein Angestellter sein aber Boss hat mich wie einen Freund behandelt. Ich arbeite schon lange genug für Boss, um zu wissen, dass er ein großes Herz hat. Er gehört nicht in dieses Geschäft", sagte er aufrichtig und selber seufzend, als er vor der Schule hielt.
„Und das ist der Grund, warum ich Ihnen so viel sage. Ich habe Boss zum ersten Mal gestern richtig lächeln gesehen...wegen Ihnen."
Er trug ein ganz zartes, trauriges Lächeln und mich rührte es zutiefst, was er über Arian sagte. In seinen Augen lag eine kleine Bitte, die ich selber erfüllen wollte.
„Ich hole ihn aus dieser Welt raus, Azat" ,lächelte ich ihn an. Ich wusste es doch. Jeder Mensch hatte etwas Gutes an sich.
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Smile With Me
RomantizmIch konnte die Hitze seiner Lippen an meinen spüren und hätte am liebsten die wenigen Millimeter zwischen uns sofort geschlossen. „Ich bin nicht gut für dich, Annabella", flüsterte er und strich brennend mit seinem Daumen über meine Lippe wobei sein...
