You Are The Reason
Ich hielt die Luft an und merkte, wie mir die komplette Körperwärme entwich, um einer ziehende Kälte Platz zu machen, die sich durch seine Worte und dem Leiden in seinen Augen in mir verbreitete.
„Sie sind beide tot."
Beim letzten Wort verlor seine Stimme an Kraft und ich hielt das bloße Blicken in seinen schmerzvollen Blick nicht aus und schlang meine Arme um seinen Hals. Sofort klammerte er sich an mich und drückte mich so fest, als könne er dadurch seinen Schmerz ersticken.
„Und du warst nicht da."
Sein leise gehauchter Satz raubte mir die letzte Kraft und meiner Brust drohte zu erdrücken. Ich fragte nichts und sagte nichts. Versuchte ihn nur festzuhalten.
„Lass es raus", raunte ich gegen sein Ohr und strich mit meinem Daumen über seinen Nacken.
„Ich war alleine, Annabella. Habe dich gesucht, habe dich gebraucht. Du hattest es mir versprochen. Versprochen mich in die Arme zu nehmen...aber du warst nicht da..."
Das Brennen der Sonnenstrahlen war auf meiner Haut nichts im Gegensatz zu den Stichen in meinem Herzen, die durch seine bedrückte Stimme und seinen Worten ausgelöst wurden.
Aber ich war froh, froh, dass er es endlich rausließ.
Seine Finger hatten sich in meine Taille gekrallt, nicht fest, sondern Halt suchend. Tränen stiegen in meine Augen. Sie waren so schnell da, wodurch ich genau bemerkte, wie quälend sein Leiden für mich war.
Ich löste mich von ihm, um in seine Augen sehen zu können, deren tiefe Last ich jetzt identifizieren konnte. Ich legte meine Hände auf seine Wangen und deutete ihm mit einem sanften Blick weiter zu sprechen und alles, was er verstaut hatte loszulassen. Er hatte es nie vor jemand anderen gekonnt. Er brauchte mich.
„Du warst weg", fing er wieder mit verlorenem Blick in meine Augen an, als erinnerte er sich an alles zurück.
„Ein halbes Jahr nachdem du gegangen bist, Annabella."
Er lachte ganz kurz und leicht, eher sarkastisch.
„Hat die Therapie bei meiner Mutter nicht mehr gewirkt."
Er hielt mich immer noch genauso umklammert fest. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie er sich damals gefühlt hatte. Es war Herzzerreißend darüber nachzudenken und sorgte für erstickende Schuldgefühle.
„Und drei Monate nach dem Tod meiner Mutter..."
Ein erneutes noch sarkastischeres Lachen trat aus seinem Mund und zusammen mit dem Ausdruck in seinen Augen war es purer, durchlöchernder Schmerz.
„...was für eine Ironie des Schicksal. Mein Vater fährt betrunken Auto und kracht mit drei anderen zusammen, um mich dann ganz alleine zu lassen."
„Oh Gott", trat es mit erstickter Stimme über meine Lippen und ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter. Es war viel zu viel auch nur zuzuhören und er hatte es selber, als kleines Kind erlebt.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und ließ einfach meine Stirn auf seiner fallen.
„Ich hatte dich gebraucht. Wollte in deinen Armen weinen, wollte, dass du etwas gegen diese Leere tust, die angefangen hatte mich einzunehmen, Annabella, du wärst die einzige gewesen, die mich wieder hätte glücklich machen können...aber...du warst nicht da..."
Ich kniff meine Augen fest zu und versuchte das Beben meiner Unterlippe zu unterdrücken, doch seine so sensible Stimme, die mir gerade seine ganze innere Schwere offenbarte, sorgte dafür, dass mir eine Träne über die Wange rollte.
Er drückte mich leicht von sich weg und musterte mich stirnrunzelnd. Die Träne war auf seiner Wange gelandet.
„Warum weinst du denn jetzt?...Annabella, nein..."
Sofort war dieses krampfhafte Verziehen seiner Gesichtsmuskeln, die seinen Schmerz zeigten verschwunden und einer Besorgnis gewichen.
Ich zog meinen Oberkörper näher an seinen und versuchte ihn komplett mit meiner Körperwärme einhüllen zu können. Meine Daumen strichen seinen Nacken in der Hoffnung ihm Beruhigung verleihen zu können.
„Es tut mir so leid, Arian", hauchte ich betrübt.
„Jetzt bin ich da und ich bleibe."
Ich sah ihm tief in die Augen und nickte verstärkend, um dieses Versprechen aus meinem Herzen, über meine Lippen in seins führen zu können.
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Smile With Me
RomanceIch konnte die Hitze seiner Lippen an meinen spüren und hätte am liebsten die wenigen Millimeter zwischen uns sofort geschlossen. „Ich bin nicht gut für dich, Annabella", flüsterte er und strich brennend mit seinem Daumen über meine Lippe wobei sein...
