Einundfünfzig

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Ich fasste meinen Mut zusammen und wollte einfach weitergehen. Ich wollte mich nicht umdrehen und seinem gefährlichen Blick gegenüberstehen, da ich noch seinem Gespräch gelauscht hatte. Ein Gespräch, das viel zu viel offenbarte.
„Stehen bleiben."
Der nicht sehr zufrieden Unterton in seiner Stimme ließ meine Schritte unweigerlich stoppen. Angst stieg in mir auf. Ich rieb mir die schwitzigen Hände an meinem Kleid ab und ging in meinem Kopf beängstigende Szenarien durch, was gleich passieren würde.
„Umdrehen."
Mich drängte es einfach so zu tun, als hätte ich ihn nicht gehört und doch weiterzugehen. Wenn ich unter all den Gästen war, könnte er nichts sagen oder machen.

„Umdrehen",sagte er nochmals mit Nachdruck und ich traute mich nicht gegen seinen Befehl zu gehen und drehte mich ungewollt um. Er stand lässig mit seinen Händen in den Taschen seiner Anzughose vor mir und legte grinsend seinen runden Kopf schief. Wenn in seinen dunklen Augen nicht diese hinterhältige Mordlust glänzen würde, könnte man meinen er wäre ein anständiger, gut verdienender Mann mit teurem Anzug. Er musterte mich und meine innere Unruhe einen kurzen, für mich zu langen, Moment und lachte schließlich, was nicht gerade zur Beruhigung beitrat.

„Warum kommst du nicht kurz mit rein?"
Er deutete auf die Tür, aus der er gekommen war und lächelte mich an.
„Has...hast du Arians Vater umgebracht?"
Ich wusste nicht woher ich den Mut hatte diese Frage zu stellen und machte zur Sicherheit einen Schritt nach hinten. Er lachte erneut und zuckte seine Schultern, was nichts geringeres als ein ‚ja' zu deuten war, mich anekelte und abstieß.
„Aber lass uns das drinnen besprechen."
„Nein!"
Ich trat wieder ängstlich nach hinten und wollte ihm und seinem Vorhaben entfliehen.
„Du hast mich wohl nicht verstanden."
Sein Gesicht war mit einem Mal voller Zorn. Er trat mit seinem polierten Schuh auf die Porzellanscherbe auf dem Boden, um Nachdruck zu verleihen und die Verzweiflung in mir stieg an.

„Annabella, da bist du ja!"
Mein Herz machte einen Satz, als ich Arians Stimme hinter mir hörte und drehte mich sofort um. Mit einem etwas verwirrten Lächeln guckte er von mir zu Georgios.
„Arian!"
Hastig eilte ich zu ihm und klammerte mich an seinen Arm, um mich hinter ihn zu stellen.
„Annabella...was ist denn?",fragte er besorgt und schaute stirnrunzelnd zu mir runter.
„Ach Arian, mein Kind."
Mit breiten Armen kam Georgios auf und zu und strahlte Arian an.
„Guck doch mal, ich wollte deiner Freundin nur erklären, dass ich dich wirklich wie meinen Sohn liebe aber sie glaubt mir einfach nicht", log er kopfschüttelnd wie auf Knopfdruck.

„Ich dachte mir, ich versuche deine Liebe etwas besser kennenlernen und wir sollten uns ja verstehen aber sie denkt einfach falsch von mir. Sie denkt immer noch ich nutze dich nur aus, täusche alles vor und bin eine Gefahr für dich", lachte er, als sei er amüsiert darüber, über welchen Unsinn ein Kleinkind redete und sorgte somit dafür, dass alles, was ich jetzt gegen ihn sagen würde, entkräftet wurde.Ich krallte mich vor Fassungslosigkeit und Wut in Arians Arm.

„Erklär' ihr bitte, ich will nur dein Bestes. Ich weiß nicht, wie oft ich das noch beweisen muss."
Georgios seufzte und verschränkte seine Arme am Rücken, als sei er total erschöpft. Seine alte Leier.
„Nein, Georgios du musst nichts beweisen. Sie ist nur immer sehr besorgt um mich. Ich rede mit ihr."
Zum Glück war Arians Stimme zu entnehmen, dass er nicht sauer auf mich war, wie beim letzten Mal, als sowas passiert war. Was viel wichtiger aber war, dass er auf die geübte Manipulation von Georgios hereinfiel und ich jetzt nichts sagen oder tun könnte, um ihr entgegenzuwirken.

Er legte seinen Arm um meine Schulter und zog mich aus dem Flur, wo wir zum Glück nicht mehr in der Nähe seines hinterhältigen Onkels waren. Ich war überfordert und konnte meine Gedanken nicht ordnen. Wollte er Arian auch umbringen?
„Annabella."
Arian hakte meinen Arm unter seinem und führte mich zur Treppe, wobei die Geräusche der bereits begonnen Feier lauter wurden.
„Ich verstehe dich aber vertrau mir. Er ist gewalttätig, ungeduldig...er ist kein so guter Mensch, das weiß ich aber er hat alles für mich getan."

Smile With MeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt