Neununddünfzig

7.9K 391 41
                                        

Kapitel 3/3 Last one 💜

Kelly lud mich dann ins Café ein, damit ich alles genau erklärte. Nicht nur, dass sie mich grimmig und mit verschränkten Armen erwartete, sondern auch Celina und Sheyna tranken bereits auf mich wartend einen Eiscafé. Alle drei waren nicht gerade zufrieden mit mir und fingen sofort, als ich durch die Glastür spazierte, an mich damit zu konfrontieren, dass sie Arian gar nicht gut für mich hielten. Ohne viel Zeit zu verlieren oder mir zu viel gegen Arian anzuhören begann ich dann mit der ganzen außergewöhnlichen und ziemlich traurigen Geschichte von ihm, wobei sich ihre angespannten Gesichter immer mehr in Realisation lockerten.

„Oh Gooottt", schniefte Celina und stieß ihren Kaffee weg, um ihre Stirn auf den Tisch zu werfen. Sie war sogar den Tränen nahe, so sehr berührte sie alles.
„Ich wusste es, ich wusste einfach, dass er nicht so ist, wie wir alle plötzlich dachten. Ich möchte ihn schon von Anfang an", sagte sie, als sie ihren Kopf wieder erhob und uns alle mit glasigen, blauen Augen ansah.
„Wie kann man nur so viel aushalten und trotzdem so stark sein."
Sie schüttelte total berührt ihren Kopf und nahm dann doch ihren Kaffe wieder, um einen großen Schluck zu nehmen.
„Ok zu sentimental musst du jetzt auch wieder nicht werden."
Sheyna rollte mit ihren grauen Augen, woraufhin Celina auf den Tisch schlug.
„Nicht heute, Sheyna! Du musst zugeben, dass es dir auch leidtut, was du über Arian gedacht hast."
Seufzend gab sie nach und nickte mir zu.
„Tut mir echt leid, Bel. Der Typ hat es echt hart."
Bewundernd weitete sie ihre Augen und ich war zufrieden damit, dass sie es endlich verstanden.

„Kann ich ihn fest umarmen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe?"
Celina sah mich fragend und bittend an. Das Mitgefühl in ihrem Gesicht abgebildet.
„Also nur wenn du nicht eifersüchtig wirst oder so, ich will ihn nur drücken, damit er sich nicht so schlecht fühlt. Oh mein Gott, ist seine Geschichte traurig. Ich würde sterben wollen."
Sie schüttelte wieder ihren Kopf und kniff gequält ihre Augen zu. Ich musste leicht schmunzeln. Sie war echt eine Süße.
„Keine Sorge, ich werde nicht eifersüchtig, wenn du ihn umarmst."
„Ja, wir wissen ja nicht, wie schnell du eifersüchtig werden könntest, weil du ja sonst nie etwas mit nem Jungen hattest, deshalb wollte ich zur Sicherheit fragen."
Ich lachte leicht.
„Ich glaube aber nicht, dass er das so toll findet, wenn du ihn bemitleiden würdest."
„Ach ja, er ist ja dieser taffe Boy, oh mein Gott, er ist so verdammt stark, Bel."
Sheyna rollte nochmals mit ihren Augen und schüttelte über Celinas „Drama", so nannte sie es, ihren Kopf.

„Und...wie geht er jetzt mit Allem um? Also, jetzt wo die Wahrheit über seinen Onkel und seine Eltern raus ist...wie geht es ihm?", fragte Kelly vorsichtig und etwas besorgt. Ich erinnerte mich an gestern Nacht, sein Ausrasten und an heute morgen.
„Ach, ich weiß nicht. Er tut so, als wäre nichts passiert, er verdrängt das alles und lächelt einfach, obwohl ich weiß, dass es ihm voll scheiße geht."
Überfordert und betrübt nippte ich an meinem Kaffee und merkte, dass ich gar keinen Appetit hatte. Doch ich brauchte Koffein.

Betrübt stützte ich mein Kinn auf meiner Hand ab und starrte auf den Lippenstiftabdruck auf Celinas Tasse. Ich wollte unbedingt wieder zurück zu Arian und etwas tun, um ihn glücklich zu machen. Oder zumindest dafür zu sorgen, dass er offen zeigte, wie miserabel es ihm ging. Ich hatte es auch früher immer gehasst, wenn er so getan hatte, als würde ihm nichts ausmachen. Als wäre er nicht am Boden zerstört wegen irgendetwas, damals wegen der Gesundheit seiner Mutter.

Ich tapste abwechselnd auf die Fliesen, ohne die Linien zu berühren, während ich angestrengt über Arian nachdachte. Ich hätte bei ihm bleiben und mich nicht überreden lassen sollen, ihn alleine zu lassen. Ich wusste gerade nicht, was er tat, wie er mit Allem zurechtkam.

Ich atmete vor der Tür durch und setzte mein breites Lächeln auf bevor ich mein typisches Klopfen anwandte.
„Bel ist da!", hörte ich die freudige Stimme meiner Mutter und konnte die Beruhigung durch mich fließen spüren. Ich öffnete die Tür und hüpfte hinein. Das strahlende Gesicht meiner Mutter begrüßte mich auf eine Art, die niemand anders anwenden könnte. Es drang zu meinem Herzen, zu dem Herzen des kleinen Mädchens, das vermisste ihre Mutter in der Küche kochen zu sehen.

Smile With MeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt