„Die Liebe verbindet nicht bloß zwei Menschen; sie verbindet zwei Leben und genau dieses Band festigen wir heute mit dem heiligen Bund der Ehe...."
Ich saß zwischen Gemma und Anne auf der Couch und versuchte beim Hochzeitsvideo von Harrys Schwester nicht zu weinen. Meiner Mum fiel das nicht ganz so leicht wie mir. Sie schniefte, seit Gemma den Gang nach vorne gelaufen war.
„Dein Kleid war so schön.", schwärmte Anne. Gemma drückte ihre Hand und blickte dann zu mir.
"Für dich finden wir auch noch eins, da bin ich mir sicher.", sagte sie.
"Natürlich. Aber damit wir dazu noch eine Möglichkeit haben, sollten wir bald los." Meine Mum war die erste, die aufstand und sich auf den Weg zum Auto zu machen. Wir anderen folgten ihr und fuhren zu dem Brautladen, in dem auch Gemma damals ihr Kleid gefunden hatte. Auf dem Weg dort hin sammelten wir Lya noch ein. Schon von außen sah der Laden sehr schick aus. Wir wurden mit Champagner empfangen, was mich etwas einschüchterte, doch dass Anne und Gemma die Besitzerin kannten, nahm mir die Sorge wieder.
"Da wir beim letzten Mal jeder ein Kleid ausgewählt haben und es nicht funktioniert hat, denke ich, du solltest dieses Mal selber welche auswählen. Wir beraten dich dann.", schlug meine Mum vor. Ich nickte und folgte der Verkäuferin in den Nebenraum mit den Kleidern.
"An was für einen Schnitt hatten Sie denn gedacht, Mrs. Hensley?", fragte sie.
"Zuallererst, nennen Sie mich Mary. Und ich habe an eine A-Linie oder Duchesse gedacht." Sie nickte und führte mich an einer Reihe eingepackter, weißer, funkelnder Kleider vorbei. Ich streifte einige von ihnen mit der Hand und seufzte. So lange hatte ich von diesem Tag geträumt und jetzt würde er endlich wahr werden.
"Was halten Sie von diesem?", fragte die Verkäuferin als sie ein Kleid hochhielt. Ich betrachtete es und befand es als gut.
"Das würde ich gerne anprobieren.", sagte ich. So verlief es mit den nächsten vier Kleidern. Sie alle waren sehr schön und auch ähnlich. Ich probierte sie alle an und führte sie vor. Wie sollte es anders sein, hatte jeder meiner Begleitungen eine anderen, eigene Meinung zu jedem einzelnen Kleid. Meine Mum war meist eher kritisch. Anne liebte jedes Kleid und Gemma legte nur Wert darauf, wie ich mich fühlte. Lya war fast die ganze Zeit am weinen.
"Ich glaube, das ist es auch nicht.", sagte ich nach dem letzten Kleid, das ich ausgewählt hatte. Die Verkäuferin betrachtete mich kritisch und kaute auf ihrer Lippe.
"Wenn Geld für Sie tatsächlich keine Rolle spielt, dann hätte ich da tatsächlich noch eines..." Neugierig nickte ich, ging in die Kabine und zog mich aus. Kurz darauf kam die Verkäuferin lächelnd zu mir und reichte mir ein Kleid. Ich ließ mir von ihr beim Anziehen helfen und betrachtete mich dann im Spiegel. Sprachlos ließ ich meinen Blick rauf und runter gleiten. Das Kleid war trägerlos, wie die anderen. Es lag oben eng an und betonte meine Brust dezent, wie die anderen. Von der Taille abwärts floss der Stoff in mehreren Schichten hinab und formte einen runden Rock, wie die anderen. Doch dieses Kleid war nicht wie die anderen. Es waren der Stoff, die Farbe und die Art und Weise, wie es meinen Körper umschmeichelte, eine Träne floss Wange hinunter.
"Ich glaube, das ist es.", flüsterte ich. Die Verkäuferin nickte zufrieden und folgte mir zurück zu den anderen. Vorsichtig stieg ich die zwei Stufen hinauf auf das Podest. Als ich aufsah, blickten mir vier Augenpaare entgegen, doch keiner von ihnen sagte etwas. Lya schniefte mal wieder, Gemma drückte die Hand ihrer Mutter und meine Mum fing auch an zu weinen.
"Gefällt es euch nicht?", fragte ich unsicher.
"Du bist so wunderschön.", sagte meine Mum.
"Dieses Kleid steht dir so perfekt.", sagte Gemma.
"Das ist dein Kleid.", sagte Anne. Lya sah mich weiterhin nur an. Plötzlich stand sie auf, kam zu mir und ergriff meine Hände.
"Ich fasse es nicht, dass du heiraten wirst. Ich weiß noch, wie ich dich vor ein paar Jahren kennen gelernt habe und damals dachten wir noch, wir würden für immer einsam und alleine bleiben. Du siehst so unglaublich aus und ich freue mich schon so sehr, deine Trauzeugin zu sein." Jetzt weinte ich mit ihr, als ich sie in meine Arme schloss. Ich war so froh, dass ich meine Familie an meiner Seite und nun auch mein Kleid gefunden hatte.
"Ich nehme dieses Kleid. Ich denke, in diesem Kleid kann ich Harry heiraten. Aber nur, wenn Gemma meine zweite Trauzeugin wird.", sagte ich. Meine zukünftige Schwägerin stand auf und drückte mich. Dabei war ihr kleiner Bauch bereits etwas im Weg.
"Es wäre mir eine Ehre, deine Trauzeugin zu sein. Auch wenn ich dann wahrscheinlich dick und rund sein werde."
Nachdem ich mein Kleid bezahlt und meine beiden Trauzeuginnen einen Termin zur Kleidprobe gemacht hatten, fuhren wir zurück nach Hause. Wir setzten Lya ab, dann Anne und Gemma und letztendlich hielt ich vor meiner alten Wohnung.
"Was machen wir hier?", fragte meine Mum. Natürlich hatte sie das Haus erkannt, immerhin hatte ich hier einige Jahre gewohnt und sie mich häufig besucht.
"Komm mit.", sagte ich und stieg aus. Ich nahm ihre Hand und zog sie zum Haus. Dann schloss ich die Tür auf, genau wie die Wohnungstür. Als ich den Flur vor meiner Mum betrat, roch es ähnlich, wie in meiner Wohnung damals. Tatsächlich war der Schnitt der Wohnung nahezu identisch. Was die Verwirrung meiner Mum jedoch nicht schmälerte.
"Mary, was machen wir hier? Sind das deine Möbel?"
"Ich habe diese Wohnung gemietet und ja, das sind meine alten Möbel.", sagte ich.
"Wozu brauchst du diese Wohnung? Bist du dir nicht mehr sicher mit Harry?", fragte sie schockiert. Ich setzte mich auf einen der Essstühle und meine Mum tat es mir gleich.
"Nein, Mum. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ich Harry heiraten will."
"Was machen wir dann hier?", fragte sie erneut. Ich schmunzelte.
"Diese Wohnung habe ich für dich gemietet. Du kannst sie solange benutzen, wie du in London bist. Ich kenne den Vermieter, er ist sehr nett und hofft, dass du dich hier wohl fühlst."
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Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
