Teil 5 - Blaue Blumen

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Je näher wir dem Hampton Court House kamen, desto aufgeregter wurde ich. Ich hatte gelesen, dass es eine sehr angesagte Hochzeitslocation war und mit seinem Charme viele Paare anlockte. Obwohl ich Fotos gesehen hatte, überwältigte mich der Anblick des gewaltigen Baus, der einem schloss glich. Harry hielt meine Hand, als wir zum Eingang gingen, wo uns eine Verwalterin empfing.
„Mr. Styles, wir hatten telefoniert.", sagte sie und reichte Harry die Hand.
„Hallo, ja, das ist meine Verlobte Mary-Jane.", stellte er mich vor. Sie begrüßte auch mich und begann dann mit der Führung. Während die Verwalterin viel über die Geschichte und den Charme des Gebäudes und seines Geländes sprach, dachte ich noch immer, wie ungewohnt es war, dass Harry mich als seine Verlobte vorstellte. Ich war seine Verlobte und das hatte sich nicht geändert, geschweige denn wollte ich es ändern, doch es war noch neu für mich.
„Das hier ist der Saal, in dem Ihre Trauung stattfinden könnte. Wir würden Bankreihen aufbauen, alles zu Ihren Wünschen dekorieren und bei Bedarf auch einen Geistlichen organisieren. Sicher möchten Sie wissen, was das Ganze sie kosten würde...", sagte sie und wühlte in ihren Papieren. Harry legte seine Hand auf ihre und lächelte sie freundlich an.
„Nicht nötig. Geld spielt keine Rolle. Was sagst du, Babe? Kannst du dir vorstellen, hier meine Frau zu werden?" Harry drehte mich an meiner Hüfte zu sich und streichelte mir über die Wange. Beinahe hätte ich laut geseufzt, so romantisch war das ganze hier. Ich blickte tief in Harrys Augen und fühlte mich in dem bestätigt, was mein Bauch mir sagte, seit wir hier angekommen waren. Also nickte ich.
„Ja, ich denke wir sollten hier heiraten." Harry strahlte noch mehr, als zuvor und küsste mich stürmisch.
„Wir nehmen es. Haben Sie noch einen Termin im Frühjahr frei?", fragte er die Verwalterin. Sie verzog das Gesicht und sah in ihre Mappe. Dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein, tut mir leid. Der nächste freie Termin wäre am 13.11.. Ich würde mich bei Ihnen melden, sollte sich etwas ändern. Nicht allzu selten springen Paare ab." Ihr Versuch uns zu besänftigen schlug fehl. Meine Enttäuschung war zu groß.
„Vielen dank.", sagte Harry und drückte meine Hand. Er zog mich aus dem Gebäude hinaus und blieb vorm Eingang stehen. Sanft hob er mein Kinn an und küsste mich.
„Hey, das ist doch nicht schlimm. Wir finden schon etwas anderes. Mir ist egal, wo wir heiraten, Hauptsache du sagst ja und wirst meine Frau. Ich würde sogar auf der Stelle mit dir nach Vegas fahren, nur um dich offiziell für immer Mein nennen zu können." Ich schmunzelte und schniefte die aufkommenden Tränen weg.
„Ich liebe dich so sehr.", sagte ich und küsste ihn. Harry zog mich an sich.
Kurz darauf fuhren wir zurück nach Hause. Dort angekommen ließ ich mich erschöpft auf der Couch nieder und setzte alle in Kenntnis.
Meine Mum schrieb, dass sie in wenigen Tagen zur Unterstützung zurück nach London kommen würde. Ich wusste nicht, ob es war, weil sie sich zuhause einsam fühlte, oder weil sie so sehr bei den Hochzeitsvorbereitungen helfen wollte. Doch das wichtigste war ja, dass sie glücklich war.
Es dauerte tatsächlich zwei Wochen, bis sie zuhause alles geklärt hatte und nach London kam. Um ehrlich zu sein war ich heilfroh, sie bei mir zu haben. Die Vorbereitung waren kräftezehrend und meine Mum hab mir den Halt, den ich neben Harrys brauchte. Inzwischen befänden wir uns mitten in den Vorbereitungen und zeitweise hatte ich glatt das Gefühl, mir würde der Kopf platzen. Mir war bei weitem nicht bewusst gewesen, was man alles planen musste, wenn man heiraten wollte. Dabei ging es mir nur darum, für immer mit Harry vereint zu sein.
„Die Blumen sind weiß und hellblau, oder?", fragte meine Mum. Ich nickte und lehnte mich zu ihr rüber, um die Kartenmuster in ihrer Hand zu begutachten.
„Ja. Ich weiß, dass es Harry egal ist, aber ich glaube er möchte keine zu niedlichen Karten."
„Deinem Zukünftigen ist alles egal, Mary. Solange du glücklich bist, ist er es auch.", wiederholte sie Harrys Worte. Ich rollte mit den Augen und konnte mir das Lächeln doch nicht verkneifen.
„Also, diese oder die?", fragte sie. Spontan entschied ich mich für jene mit den blauen Blumen am Rand. Schlicht und elegant. So wie es mein Kleid sein sollte.
„Gut, dann nehmen wir auch noch die passenden Platzkärtchen dazu. Bedrucken Sie sie auch?", fragte meine Mum den Verkäufer.
„Sehr gerne. Sie müssten uns nur die Anzahl und alle Eckdaten der Trauung mitteilen." Die beiden sahen mich Anime schienen auf die Infos zu warten.
„Was ist? Wir wissen doch noch nicht einmal, wo wir heiraten...", seufzte ich.
„Harry und ich werden später eine Gästeliste machen und Ihnen spätestens Ende der Woche alle wichtigen Infos zukommen lassen. Der Verkäufer nickte und auch meine Mum schien mit dieser Antwort vorerst zufrieden zu sein. Wir verließen den Laden und fuhren zurück zum Appartement. Statt meinen Verlobten hart arbeitend vorzufinden, lag er gemeinsam mit meiner besten Freundin auf der Couch und hielt sich den Magen.
„Was ist denn hier los?", fragte ich, als ich die beiden und die angefangenen Torten auf dem Tisch sah.
„Wir haben probiert. Du ahnst nicht wie gut die alle schmecken.", brummte Lya. Plötzlich sprang sie auf und lief in Richtung Bad. Ich schüttelte den Kopf und half Harry sich aufzusetzen. Dann zeigten wir ihm die Muster.
„Die sehen schön aus. Würdet ihr auch die Torten probieren? Lya und ich bevorzugen beide die rechte mit Schokolade.", sagte er und sackte zurück in die Kissen. Ich setzte mich zu meiner Mum an den Tisch und probierte die Torten. Lya hatte recht, sie waren alle sehr lecker. Ich holte mein Handy raus, als es klingelte, doch es war nicht meins, sondern Harrys. Er nahm den Anruf an und setzte sich ruckartig auf.
„Wirklich? Noch im Frühjahr? Das ist ja unglaublich! Ja, natürlich nehmen wir den Termin! Vielen, vielen Dank!", sagte er. Ich sah ihn überrasch an, als er zu mir gelaufen kam und mich hochhob und im Kreis wirbelte.
„Das war die Frau vom Hampton Court House. Es ist ein Termin frei geworden. Am 21. März. Mary, wir heiraten dort am 21. März!" Ich kreischte auf und drückte mich an Harry. Bis jetzt kam meine Hochzeit sehr nah an meinen Traum ran.

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