Teil 30 - Watching

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Ich schmunzelte, als ich die Überschrift der nächsten Zeitschrift las.
„Was ist?", fragte Sarah neugierig. Sie kam zu mir gekrochen und las, als ich ihr die Zeitschrift hinhielt.
„Ja, ich erinnere mich nur zu gut daran.", sagte sie.
„An dem Abend davor habt ihr euch kennengelernt." Erschrocken blickte ich zurück auf das Bild, welches Harry in einer blauen Decke zeigte. Ich war mir sicher, dass es meine war. Doch wie war Harry da ran gekommen?
„Du hast Harry mehr oder weniger vor sich selber gerettet, indem du ihn nach einem Clubbesuch mit zu dir genommen hast. Am nächsten Morgen war er verschwunden und hatte dir nichts weiter als sein Jacket und sein Handy dagelassen. Deine Decke hat er einfach mitgenommen.", sagte Sarah.
„Lya hat mir davon erzählt. Klingt etwas untypisch für mich." Sarah legte ihre Zeitschrift nieder, sah mich mit einem schiefen Blick an und lächelte.
„An eurer Beziehung war nichts typisch. Weder dein noch Harrys Verhalten."
Eigentlich hätte mich das nicht mehr schockieren sollen, als die Tatsache, dass auf drei der Zeitschriften über eine vermeidliche Schwangerschaft meinerseits berichtet wurde.
„Und was ist hiermit?", fragte ich.
„Die Schwangerschaft? Reine Spekulation! Ein mal dachtest du, dass du schwanger wärst, aber warst du nicht.", stellte Sarah klar.
„Oh, ok. Irgendwie ist es sehr verrückt das alles zu lesen."
„Vielleicht solltest du einfach mit Harry darüber reden.", mischte Niall mit, als er seine Haare mit einem Handtuch trocknend den Raum betrat.
„Da magst du recht haben, aber das ist nicht so einfach wie ihr vielleicht denkt.", entgegnete ich.
„Nichts ist jemals einfach, wenn es um Gefühle geht. Aber ihnen aus dem Weg zu gehen macht es sicher nicht leichter." Aufmunternd lächelnd setzte  er sich neben mich und reichte mir eine der Zeitschriften, die ich noch nicht gesehen hatte.
„Das ist von der Gala.", sagte ich überrascht.
„Du erinnerst dich an den Abend?", fragte Sarah überrascht.
„Nein, Lya hat mir davon erzählt und ich habe in meinen Sachen genau dieses Bild gefunden." Ich deutete auf das Bild und fuhr mit den Fingern darüber. Nicht mal ich konnte abstreiten, dass wir ein süßes Paar abgaben.
„Harry hat mir von diesem Abend erzählt.", sagte Niall. Fragend blickte ich zu ihm auf.
„Wirklich?"
„Ja. Es war ihm etwas peinlich, aber er hat mir erzählt, dass ihr an diesem Abend euren ersten Kuss hattet." Verlegen senkte ich den Blick und betrachtete das Bild erneut. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie der Abend geendet hatte, doch es machte mich traurig, dass ich mich nicht daran erinnerte.
„An diesem Abend wart ihr beide so glücklich. Gemma hat eine unglaubliche Rede gehalten und deine Kinder aus dem St. Thomas Hospital waren da."
„Lilly.", hauchte ich den Namen. Niall und Sarah schauten mich überrascht an.
„Ja, Lilly war auch da an dem Abend.", sagte Sarah.
„Sie ist tot." Mehr und mehr Bilder erschienen vor meinem Auge und ich realisierte, was ich verloren hatte. Eine Träne lief meine Wange hinunter.
„Sie ist vor Monaten gestorben. Harry und du wart auf der Beerdigung.", sagte Sarah. Sie nahm mich in den Arm, um mich zu trösten.
„Ich glaube du solltest wirklich mit Harry reden. Er kann dir so viel mehr über die letzten Monate sagen, als wir." Ich sah zu Niall und wusste, dass er recht hatte. Vorsichtig nickte ich und erhob mich von der Couch.
„Ich danke euch beiden, für all das. Ihr seid wirklich gute Freunde.", sagte ich und drückte sie. Die beiden brachten mir zu Tür und wünschten mir erneut nur das beste.
Als ich mit der Tube nach Hause fuhr, war ich erleichtert, dass ich so gute Freunde hatte. Sowohl Sarah und Niall, als auch Lya und sogar Harry halfen mir dabei, mich zu erinnern.
In Gedanken versunken stieg ich aus der Tube aus und fuhr mit der Rolltreppe nach oben. Oben angekommen wehte mir der Wind meine Haare ins Gesicht. Als ich sie weggestrichen hatte, stellte ich erstaunt fest, dass ich nicht vor meiner Wohnung, sondern in einem ganz anderen Viertel in London war. Da das Wetter nicht sehr schlecht war, nutzte ich die Zeit für einen Spaziergang. Die Gegend war schön und etwas an ihr kam mir sehr bekannt vor.
„Klar, Gem. Wenn etwas ist kannst du mich jederzeit anrufen." Ich schaute über die Straße, um die bekannte Stimme zu identifizieren. Mein Puls beschleunigte sich und als ich die sprechende Person entdeckte, wusste ich wieso.
„Wir sehen uns. Ja, ich hab dich auch lieb." Erschrocken versteckte ich mich hinter einem der parkenden Autos. Ich hoffte, dass er mich nicht sehen würde. Harry schüttelte lächelnd seinen Kopf und steckte das Handy in seine Hosentasche. Er sah süß aus dabei.
Dann öffnete er sein Auto und lehnte sich hinein. Die Weise, wie sein Haar sich dabei bewegte und wie er es aus seinem Gesicht strich, war mehr als nur attraktiv. Er schloss sein Auto und ging auf das Gebäude hinter sich zu. Plötzlich hielt er inne und drehte sich um. Panisch duckte ich mich, als er sich umsah. Es war, als hätte er gespürt, dass ich ihn beobachtet hatte. Als er sich umdrehte und das Haus betrat, atmete ich erleichtert aus. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Sicher, weil ich nicht erwischt worden war. Für einen Moment blieb ich am Auto gelehnt stehen, um durchzuatmen. Die Situation schien mir neuen Mut eingehaucht zu haben. Es überraschte mich selber, als ich mit sicherem Schritt die Straße überquerte und nach seinem Namen auf der Klingel suchte. Ganz oben stand er. Doch er stand dort nicht alleine.
Styles/Hensley
Meine Hand zitterte, als ich sie anhob. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich klingeln wollte, doch bevor ich mich umentscheiden konnte, hatte ich gedrückt.
„Hallo?", erklang Harrys Stimme aus dem Lautsprecher.
„Hallo? Ist da jemand?"
„Ja, hier ist, also, ich bin's Mary.", stotterte ich.
„Mary. Wie kann ich dir weiter helfen?", fragte er und ich konnte das Lächeln in seiner Stimme hören.
„Ich, gute Frage. Also, kann ich vielleicht hochkommen?" Ich hörte ein Knacken und dann, wie die Tür neben mir sich öffnete.

Understand (III)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt