"Sie wissen nun also, was Sie erwartet?", fragte mich der Arzt.
Heute war das Aufklärungsgespräch für meine Erkrankung, zu dem mich meine Mum begleitete.
"Ja, kein Sport, keine Anstrengungen, wenig Kaffee und Aufregung vermeiden. Letzteres wird sicher nicht sehr einfach.", seufzte ich.
"Ich weiß, dass eine schwere Zeit vor Ihnen liegt und dass sie sicher aufregend sein wird, doch versuchen sie sich zu entspannen. Atmen Sie tief durch, denken sie an etwas anderes oder machen sie Yoga. Schrauben Sie Ihr öffentliches Leben runter und genießen Sie. Und denken Sie an Ihre Tabletten. Verstanden?" Ich nickte und reichte ihm zum Abschied meine Hand. Da ich noch immer leicht traumatisierte war, fuhr meine Mum uns nach Hause.
"Oh, sieh mal. Besuch für dich." Ich folgte dem Deuten meiner Mum und sah einen großen Blumenstrauß vor unserer Tür stehen. Lachend stieg ich aus, als er die Blumen senkte. Es war Louis Tomlinson. Ich hatte nicht den leisesten Schimmer, wie ich zu ihm stand. Doch wenn er mit Blumen vor meiner Haustür stand, mussten wir ja wenigstens so etwas wie Freunde sein.
"Ich hoffe, ich schocke dich nicht zu sehr.", sagte er und reichte mir den Strauß.
"Ich kann mich an nichts aus dem letzten Jahr erinnern, aber ich weiß wer du bist.", sagte ich.
"Hallo, Mrs. Hensley. Ich bin Louis Tomlinson. Ein Freund von Mary und Harry." Louis folgte uns in die Wohnung und zog seine Schuhe aus, bevor er mir ins Wohnzimmer folgte.
"Möchtest du etwas trinken?", fragte ich leicht unsicher.
"Ein Wasser, bitte." Ich holte ihm und auch mir ein Wasser und setzte mich dann zu ihm. Erstaunlicherweise fühlte ich mich bei ihm nicht im geringsten unwohl.
"Wie ich sehe, geht es dir wieder besser. Das freut mich, wirklich.", sagte er.
"Allerdings. Ich bin so froh, nicht mehr im Krankenhaus zu sein. Das Essen war der Horror." Louis lachte und stellte sein Glas auf dem Tisch ab. Er schien etwas unsicher zu sein.
"Du erinnerst dich echt an nichts aus dem letzten Jahr?", fragte er, woraufhin ich meinen Kopf schüttelte. Louis seufzte und schien erstaunt.
"Muss hart für dich sein. Wie kommst du damit zurecht?"
"Es ist schwer, wenn man Zusammenhänge nicht kennt, aber ich komme eigentlich recht gut damit zurecht.", sagte ich und spielte in Gedanken an Harry mit dem Ring an meinem Finger. Im Bezug auf Harry war meine Aussage mehr als gelogen.
"Und Harry?" Ich sah auf und schüttelte den Kopf. Selbst wenn ich mich an unsere Liebe nicht erinnerte, machte mich diese Tatsache traurig.
"Hey, das wird schon. Ihr seid durch so viel durchgegangen, bevor ihr zueinander gefunden habt. Wieso solltet ihr das jetzt nicht wieder schaffen?", fragte er aufmunternd lächelnd. Ich nickte und schob die pessimistischen Gedanken beiseite.
"Ja, mag schon sein. Es ist nur schwer, weil ich spüre, dass dort etwas ist, es nur nicht zuordnen kann, weißt du?" Louis nickte, als würde er mich verstehen.
"Klingt alles sehr verwirrend. Wohnst du deshalb wieder hier und nicht bei Harry?"
"Ich wollte erst mal wieder in meinem Leben ankommen und mich dann auf Harry fokussieren. Denn was auch immer das zwischen uns gewesen ist, es ist noch nicht vorbei.", sagte ich lächelnd.
"Ach, das sieht aber ganz anders aus." Erschrocken drehte ich mich um und fand Harry mit verschränkten Armen hinter uns stehen.
"Harry."
"Louis. Was machst du hier?", fragte er und klang wütend dabei. Hilflos blickte ich zu meiner Mum. Doch auch sie sah ratlos aus.
"Ich wollte nur Mary besuchen, kein Grund für Stress. Wenn das zu viel für dich ist, gehe ich.", sagte er und hob beschwichtigend die Hände.
"Geh einfach.", murrte Harry. Erschrocken sah ich ihn an. Woher kam diese Wut? Und vor allem, auf wen genau war er jetzt wütend?
"Was soll das?", fragte ich überfordert.
"Das geht dich nichts an, Mary.", zischte Harry. Dabei sah er mich n nicht einmal an. Ich verstand die Situation nicht, was mich auf der einen Seite hilflos und auf der andere wütend macht. Entschlossen stellte ich mich zwischen Louis und Harry. Harry blitzte mich wütend an, was mich jedoch nicht interessierte.
"Geh aus dem Weg."
"Nein. Das ist meine Wohnung und Louis ist mein Gast.", sagte ich mit verschränkten Armen.
"So ist das also. Kaum erinnerst du dich nicht mehr an mich, ist der nächste dran." Harrys Worte trafen mich wie Peitschenhiebe. Ich zuckte zusammen und nutzte meine Verzweiflung, um mich durchzusetzen.
"Geh einfach." Jetzt war Harry derjenige, der mich überrascht ansah. Verpufft war die Wut in seinen Augen. Verletzlichkeit tauchte auf, was mir ein ungutes Gefühl bescherte.
"Würdest du vielleicht in der Küche warten.", bat ich Louis. Er ging an mir vorbei, schon waren wir alleine. Harry sah aus, als würde er auf irgendwas warten.
"Du solltest keine Zeit mit ihm verbringen.", sagte er ruhig.
"Das sagst ausgerechnet du? Was meinst du, was ich die letzten Tage gemacht habe? Im Internet steht erstaunlich viel über dich. Und das meiste davon ist nicht positiv." Meine Aussagen schienen Harry den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seine Körperhaltung entspannte sich und er stützte sich an der Couch ab.
"Ich möchte dich doch nur beschützen.", seufzte er.
"Mich muss niemand beschützen." Ich machte einen Schritt auf ihn zu, bis er zu mir aufsah. Es zerriss mir glatt mein Herz, obwohl ich die Sache zwischen uns noch immer nicht verstand.
"Ich vermisse dich.", flüsterte Harry. Seine Hand fuhr zu meiner Wange. Ich war unfähig mich zu bewegen, als er sich aufrichtete und den Blickkontakt dabei nicht unterbrach. Langsam näherte er sich mir, bis seine Lippen kurz vor meinen waren und ich reflexartig reagierte. Meine Hand klatschte gegen seine Wange. Erschrocken zuckten wir beide zusammen.
"Ich, es tut mir leid.", brachte ich mit Mühe und Not heraus. Harry seufzte und drehte sich von mir weg.
"Schon ok, das hatte ich verdient.", sagte er und ging in Richtung Flur. Verwirrt sah ich ihm hinterher.
"Ist er endlich weg?", ertönte Louis Stimme. Den hatte ich glatt vergessen. Harry kam aus dem Flur gestürmt, mit vor Wut verzerrtem Gesicht. Er packte Louis am Kragen und hob ihn tatsächlich hoch.
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Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
