„Würdet ihr mir jetzt bitte endlich verraten, wo wir hinfahren.", forderte ich meine zwei Begleiterinnen jetzt schon zum dritten Mal auf. Lya grinste im Rückspiegel und Chloe sah einfach weiter stur aus ihrem Fenster. Ich seufzte.
„Wir fahren jetzt zu Gemma, dann zu Sarah und dann zu Cheryl und dann wirst du schon sehen...", sagte Lya lächelnd. Mit den Augen rollend verschränkte ich meine Arme. Sie alle wussten, dass ich Überraschungen hasste.
Nachdem wir Gemma eingesammelt hatten (sie verriet mir auch nicht, wo wir hinfuhren), verlief die Fahrt durchwachsen. Während ich eher schmollte und mich aus den Gesprächen raushielt, plapperten Lya die ganze Zeit und den anderen schien das zu gefallen.
Wir sammelten auch noch Sarah und Cheryl ein und fuhren dann mit einem voll beladenen Wagen weiter. Ich liebte alle Menschen in diesem Auto, doch in diesem Moment wollte ich nichts mehr, als sie alle raus zu stoßen.
„Wir sind ja gleich da.", sagte Cheryl und strich mir über das Bein. Ich nahm es murrend hin, blickte stur weiter aus dem Fenster.
„Sei nicht so ein Miesepeter, du wirst es lieben.", mischte Gemma sich ein.
Ich wollte nach Hause. Ich wollte zu Harry, ins Bett oder und die Couch; Hauptsache hier weg...
„Da wären wir." Nach Lays Aussage blickte ich an ihr vorbei und sah eine kleine Pension. Es sah hübsch aus, doch ich verstand nicht, warum wir hier hergefahren waren.
„Und jetzt?", fragte ich genervt.
„Jetzt folgst du uns und bist bitte etwas freundlicher." Cheryl harkte sich bei mir ein und zog mich hinter den anderen her. Lya ging voraus und bestätigte ihre Reservierung. Wie lange hatte sie das hier denn schon geplant, dass sie eine Reservierung hatte?
Ich sagte nichts, ließ mich die Treppe hochscheuchen und betrat dann das reservierte Zimmer. Meine Laune war noch immer nicht besser. Dabei half es auch nichts, als ich die drei Damen sah, die für maniküre, Pediküre, Make-up und Styling zuständig waren.
„Jacke aus, Schuhe in die Ecke und ab geht der Spaß!", rief Chloe. Gemma und Cheryl ließen sich das nicht zwei mal sagen und während Lya noch mal zum Auto gehen wollte, zog mich eine der Frauen auf einen Stuhl und begann mit der Maniküre. Auf dem Stuhl neben mir nahm Sarah Platz. Ich ließ es über mich ergehen und nach einer Weile genoss ich es sogar.
„Siehst du, ist doch halb so schlimm.", sagte Lya im vorbeigehen. Verwundert blickte ich ihr hinterher, da sie schwer bewaffnet war. Doch mit was konnte ich nicht erkennen.
„Also mein Make-up ist fertig, wer will als nächstes?", fragte Cheryl. Ich staunte nicht schlecht, da sie tatsächlich noch hübscher aussah, als sie es eh schon tat.
„Los Mary, du bist die Nächste.", entschied Sarah. Ich seufzte und folgte der Frau in den Nachbarraum. Gemma saß auf dem einen Stuhl, ich ließ mich auf den neben ihr fallen und schloss meine Augen. Bis ich ihre Hand an meiner spürte.
„Genieß es. Sie haben sich wirklich viel Mühe gegeben." Ich lächelte meine Schwägerin vorsichtig an, fragte mich jedoch, was an dem ganzen Mühe abverlangt hatte. Nicht, dass es nicht schön war, aber es war eben nichts aufwendiges.
Als Gemma fertig war ließ sie mich alleine sitzen. Ich ignorierte das ganze. Wozu der Stress, wenn ich eh keine Lust hatte hier zu sein.
Ich horchte auf, als ich die anderen tuscheln hörte. Wirklich verstehen konnte ich nichts, da half auch kein Lauschen. Doch dadurch erschrak ich umso mehr, als die Visagistin mich ansprach.
„Welchen Lippenstift bevorzugen Sie?", fragte sie freundlich. Ich blickte auf und stockte, als ich mein Spiegelbild sah. Mein Make-up sah unglaublich aus. Ich hatte mich beinahe selber nicht erkannt.
„Ich, ähm, ich verlasse mich da auf Ihr Urteil.", stotterte ich. Was zum Teufel ging hier vor? So ein Make-up legte man nicht mal eben für nichts auf!
Ich hatte zu den anderen gehen wollen, als der Lippenstift das Gesamtbild vervollständigt hatte. Genau in jenem Moment rief sie mich. Alle vier zusammen. Überrascht erhob ich mich und trat vorsichtig zurück in das Wohnzimmer. Dort standen sie. In Reih und Glied. Jede in einen Kleid. Perfekt gestylt und hergerichtet. Eine schöne als die andere. Und alle in einem unterschiedlichen Kleid. Jedoch mit der selben Farbe. Als ich die Kleider erkannte, stockte mein Atem.
„Was sagst du?", fragte Lya hibbelig.
Ich war überwältigt und vorerst sprachlos.
„Eure Kleider sehen aus wie mein Hochzeitskleid.", hauchte ich. Die anderen lachten.
„Chloe hat sie für uns gemacht.", warf Cheryl ein. Ich sah von einer zur anderen und suchte den Sinn.
Sie sagen hübsch aus, keine Frage. Doch solche Kleider trug man nicht zum Essen gehen oder beim Spa.
„Du bist so intelligent und doch stehst du manchmal echt auf dem Schlauch.", spottete Lya. Ich sah sie wütend an und verschränkte meine Arme.
„Jeder von euch weiß genau, dass ich Geheimnisse und Überraschungen hatte, also, was ist hier los?", forderte ich meine Antwort. Mir wurde das ganze langsam etwas zu bunt.
„Ihr steht hier, im Partnerlook, perfekt gestylt und aufgedonnert, als würdet ihr auf eine Ho- oh!", rief ich und hielt mir die Hände vor den Mund. Die anderen lachten und umreihten mich.
„Das ist nicht euer Ernst, oder? Bitte sagt mir nicht, dass ihr mich gerade mit meiner eigenen Hochzeit überrascht!"
„Naja, es war schon unser Plan, aber die Fäden zieht ein anderer.", lachte Gemma. Ich hob eine Augenbraue, bis ich verstand.
„Harry.", sagte ich wütend.
„Ich bin froh, dass du es jetzt endlich weißt. Dann verstehst du sicher auch, warum wir uns jetzt etwas beeilen müssen!" Lya übernahm wieder das Kommando, weshalb ich schmunzelte.
„Von den anderen habe ich ja nichts anderes erwartet, aber von dir.", sagte ich zu Chloe, weshalb sie lachte.
„Ich würde ja sagen, dass es mir leid tut, aber das wäre eine glatte Lüge."
Während Lya nun wild telefonierte und Gemma mit Cheryl losfuhr, um nach den Männern zu schauen, erreichte mich Anne; mit meinem Kleid. Sie zog die Kleiderhülle auf und seufzte mit mir.
„Dich haben sie also auch mit ins Boot geholt.", merkte ich an. Anne lächelte verlegen.
„Jeder ist beteiligt, meine Liebe. Jeder außer dir." Ihre Anmerkung machte es nicht besser, doch ich vergaß sie, als ich mich samt Hochzeitskleid im Spiegel betrachtete.
„Du siehst fast noch schöner aus, als bei der ersten Hochzeit.", sagte Anne.
„Wo ist denn unsere Braut?", hörte ich eine tiefe Stimme fragen. Ich drehte mich um und entdeckte Hank. Im Smoking.
„Ah, da ist sie ja. Bist du schon aufgeregt?", begrüßte er mich und küsste mich auf die Wange.
„Da ich bis vor wenigen Minuten nicht mal wusste, dass ich heute vor hunderten von Menschen mein Ja-Wort wiederhole, bin ich etwas gestresst." Hank schmunzelte und begrüßte auch Anne.
„Wenn beim ersten Mal nichts schief gegangen ist, wird auch jetzt nichts schiefgehen. Wo ist denn Haley mit den Brautstrauß?" Hank sah sich um und genau in diesem Moment kam Haley gestresst in das Zimmer geeilt.
„Bin schon da. Oh, du siehst atemberaubend aus!", rief sie und küsste mich auf die Wange.
„Genug Sentimentalität. Müssen wir nicht langsam los?", fragte ich.
„Allerdings. Verfrachten wir sie in den Wagen und ab geht's!" Ich lachte über Hanks Aussage und ging dann bei ihm eingeharkt nach unten. Vor der Pension erwartete uns ein schwarzer Audi. Ich schmunzelte, weil Hank das selbe Auto fuhr, wie Harry und stieg dann hinten neben Haley ein. Während Anne vorne bei Hank Platz nahm.
Wir fuhren nicht mehr lange. Auf der Fahrt überkam mich jedoch die Nervosität. Wir hatten die Hochzeit im Hampton Court House nie geprobt, an den Ablauf erinnerte ich mich noch schwach. Ob das ausreichen würde?
„Mach Dir keine Gedanken, Mary. Ich führe dich nach vorne zum Altar und danach stehen deine Brautjungfern für jeden Notfall direkt hinter dir.", sprach Hank, als hätte er meine Gedanken gehört. Ich nickte und blickte runter auf meinen Brautstrauß.
„Dafür bringe ich Harry um.", seufzte ich, als wir vor dem großen Eingangstor hielten. Anne neben mir lachte und ergriff meine Hand.
„Er hat das fast alles alleine organisiert. Wir haben zwar geholfen, doch er wollte, dass es genau so wird, wie du es dir vorgestellt hast."
Wieder zeigte mir das ganze, wieso ich Harry liebte; wieso ich ihn vor wenigen Tagen geheiratet hatte und jetzt kurz davor war, dieses Band vor Gott zu festigen.
„Trotzdem bringe ich ihn um."
„Aber bitte erst nach der Hochzeit.", mischte Hank nun mit. Ich schmunzelte und staunte, als wir vorfuhren. Es waren viele Menschen dort, die drauf und dran waren, den Hochzeitssaal zu betreten. Bis dies geschehen war, warteten wir im Auto.
„Wir gehen schon mal rein. Viel Glück und Hals- und Beinbruch.", sagte Haley und meinte es nur gut, doch bei meinen Glück würde das tatsächlich geschehen.
„Bist du soweit?" Hank reichte mir seine Hand, sodass ich besser aus dem Auto aussteigen konnte.
„Wie bereit kann man für eine Hochzeit schon sein?", entgegnete ich.
„Gut gewählte Antwort. Ma'am?" Hank hielt mir seinen Arm hin, weshalb ich mich einhackte und dann mit ihm die Treppen zum Eingang erklomm.
Die typische Hochzeitsmusik erklang. Meine Hände wurden schwitzig, doch Hank geleitete mich sicher.
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Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
