Harrys POV
Ich war erschöpft. Ausgelaugt und übermüdet wischte ich mir über das Gesicht und seufzte. Was sollte das hier nur werden?
Ich saß hier rum, während meine Freundin mit ihrer Mutter über die Beerdigung ihres eigenen Vaters sprach. Seine Beerdigung.
Ich kannte Richard nicht wirklich, doch er war noch nicht alt und mal ganz davon abgesehen, dass ich niemandem etwas Schlechtes wünschte, der Vater meiner Freundin. Ihr Verhältnis war eng. Sehr eng.
Wenn er tatsächlich sterben würde, würde das eine sehr schwere Zeit.
Doch was machte ich mir darüber überhaupt Gedanken? Ich liebte Mary und würde damit jetzt auch sicher nicht aufhören.
Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich spürte ihn in der Tasche, als ich auf das Lenkrad schlug und dann endlich ausstieg. Die Empfangsdame fragte nicht mal mehr, wer ich war. Sie nickte mir bloß zu.
Ok, das würde schwer werden. Mit schwitzigen Händen klopfte ich an die Tür. Verflucht, was sollte das? Als ob er plötzlich antworten würde...
Tatsächlich wurde die Tür von innen geöffnet. Vor mir stand Marys Tante.
„Oh, Harry. Was machst du denn hier?", fragte sie überrascht und schloss die Tür hinter sich. Na super, jetzt musste ich es auch noch irgendwie erklären.
„Ist Mary auch da?"
„Äh, nein. Mary ist mit ihrer Mum unterwegs und plant, du weißt schon, die Beerdigung." Ich sprach etwas leiser, auch wenn Richard mich nicht hören konnte. Vermutlich nicht hören konnte.
„Harry? Du wirkst etwas durcheinander.", sagte Lissi.
„Ja, bin ich auch etwas. Ich bin hier, um mit Richard zu reden." Marys Tante blickte mich argwöhnisch an, nickte dann jedoch einfach.
„Ich fahre jetzt zu den beiden."
„Würdest du meinen Besuch für dich behalten?", fragte ich eilig. Lissi nickte, lächelte mich an und ging dann. Ich wartete, bis sie außer Sicht war und ging dann mit nun noch schwitzigeren Händen in das Krankenzimmer.
Es sah noch genau aus, wie bei meinen letzten Besuch.
„Hallo, Richard.", sagte ich und setzte mich neben ihn auf einen der Stühle.
Erst kam ich mir doof vor, mit einem Komapatienten zu sprechen. Doch irgendwie konnte es ja doch sein, dass er mich hörte.
„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Naja, ich hoffe natürlich, dass noch ein Wunder geschieht und du doch plötzlich wieder aufwachst. Es wäre leichter, wenn du hier wärst. Mary ist kurz davor durchzudrehen. Ich weiß ihr hattet ein sehr inniges Verhältnis. Doch sie ist stark. Aber wem sage ich das, du kennst sie noch besser als ich.", sagte ich schmunzelnd. Dann holte ich die Schachtel aus meiner Tasche und hielt sie einfach in Händen. Ich klappte sie auf und betrachtete den Ring. Meine Mum hatte ihn mir gegeben. Zu gerne würde ich sehen, wie er an Marys Finger aussah.
„Um zu dem Grund zu kommen, aus dem ich gekommen bin...
ich möchte Mary einen Antrag machen. Ich weiß das kommt jetzt vielleicht etwas plötzlich, aber ich bin mir sicher. So sicher war ich mir noch nie bei etwas. Ich wollte dich um deine Erlaubnis fragen. Natürlich kannst du jetzt nicht antworten und ich komme mir ehrlich gesagt auch etwas doof vor, aber meine Mum hat mich gut erzogen und so wollte ich es wenigstens durchziehen, auch wenn ich keine Antwort von dir bekomme. Ich weiß nicht, wie deine Antwort lauten würde, aber ich kann dir versprechen, dass ich das alles sehr ernst nehme. Mary ist mehr als nur meine Freundin. Sie hat mir vermutlich mein Leben gerettet und tut es jeden Tag aufs Neue. Ich liebe sie mehr als mich selber und werde immer auf sie aufpassen." Für einen Augenblick schwieg ich und blickte umher. Ich fühlte mich beobachtet und mein Gefühl täuschte mich nicht.
„Ich dachte du wolltest zu Mary und ihrer Mum.", sagte ich ruhig. Lissi betrat den Raum und setzte sich auf die anderen Seite von Richards Bett.
„Tut mir leid, ich war bloß etwas neugierig." Sie hielt Richards Hand und lächelte verlegen. Ich konnte ihr nicht mal wütend sein, weil ich vermutlich genau so gehandelt hätte.
„Hast du deine Antwort bekommen?", fragte ich und sah sie an.
„Nein, von draußen hört man nichts. Aber ich sehe die Schachtel in deiner Hand." Ich drehte sie und hielt sie Lissi dann geöffnet entgegen.
„Der Ring sieht wunderschön aus."
„Er ist von meiner Mutter. Sie möchte, dass Mary ihn bekommt. Immerhin hat sie mich gerettet.", sagte ich mit gesenktem Blick. Die Schachtel verstaute ich wieder in meiner Tasche.
„Wie meinst du das?"
Ich hatte noch nie sonderlich viele Worte mit Marys Familienmitgliedern geschweige denn ihrer Tante gewechselt. Doch es war angenehmer, als mit meinem komatösen Schwiegervater zu reden.
„Sicher hast du mitbekommen, dass mein Leben vor Mary eher unruhig und chaotisch war. Ich habe Drogen genommen. Ich aber viel zu viel getrunken und hatte die Kontrolle über mein Leben verloren. Jetzt habe ich sie wieder. Dank Mary.
Wegen ihr konnte ich dem Drang widerstehen und habe etwas gefunden, was viel mehr befriedigt, als Koks oder andere Substanzen es je konnten.", sprach ich ehrlich.
„Und das wäre?"
„Mary. Sie hat mein Leben strukturiert, mir einen Grund gegeben, mich zu besser und war immer für mich da, wenn ich kurz davor war, in meine alten Muster zurück zu fallen. Sie ist mein Schutzengel.", gestand ich. Lissi lächelte mich an und doch sah ich Sorge in ihren Augen.
„Liebst du sie deswegen?"
Für einen Augenblick dachte ich über die Frage nach.
„Ich denke, dass es damit angefangen hat. Wir haben in den letzten Monaten so viel Zeit miteinander verbracht und uns besser kennengelernt, als ich es für möglich gehalten hätte. Natürlich liebe ich sie dafür, dass sie mich gerettet hat, doch das ist nicht alles. Ich liebe sie, weil sie mir das Gefühl gibt, als wäre ich ganz normal und doch der wundervollste Mensch auf der Welt. Ich liebe sie, weil sie großzügig und warmherzig ist. Ich liebe sie dafür, dass sie auch in den ausweglosesten Situationen einen kühlen Kopf behält und immer die Kontrolle hat. Natürlich liebe ich sie auch, weil sie wunderschön und klug ist. Dabei bindet sie einem nicht auf die Nase, dass sie einem überlegen ist. Sie zeigt es subtil und möchte einem damit helfen. Jede ihrer Handlungen ist selbstlos. Und sie liebt mich, so wie ich bin. Nicht weil ich Harry Styles bin, der Sänger und Star, sondern weil ich einfach Harry bin. Auch wenn ich häufig nicht verstehe, wie ich sie verdienen kann."
Lissi blickte mich ernst an, begann dann zu lächeln. Sie ergriff meine Hand und drückte sie.
„Ich kann dir nicht sagen, was Richard dir sagen würde, aber er mochte dich. Ich kann mir für mich sprechen und meinen Segen hast du." Dankbar sah ich sie an.
„Dürfte ich den Ring noch mal sehen?", fragte sie lächelnd.
Wir saßen noch eine Weile im Krankenzimmer und unterhielten uns über Mary und die Vergangenheit und auch über die Zukunft.
Am Tag der Hochzeit...
Leise klopfte es an der Tür.
„Herein.", rief ich und drehte mich zu John, damit er meine Krawatte richten konnte.
„Da komme ich ja genau richtig.", sagte Lissi und nahm ihm den Job ab. John war das nur recht. Er setzte sich mit seinen Glas Scotch in den Sessel in der Ecke.
„Bist du aufgeregt?", fragte Lissi ruhig.
„Ich könnte dir darüber zig Lieder singen. Das heißt ja, mir ist schon ganz schlecht." Lissi lachte.
„So muss das auch sein, wenn man die richtige Person heiratet. Wir müssen jetzt los." Ich nickte und sah zu John.
„Hast du die Ringe?", fragte ich nervös.
„Klar. Müssen wir schon?"
„Wenn ihr pünktlich heiraten wollt müssen wir genau jetzt los.", sagte Lissi und ging voraus. Schwer atmend folgte ich ihr und John zur Klippe.
Alles sah wunderschön aus, doch das war mir egal.
Die meisten Gäste saßen schon, als ich mich neben John und Scott nach vorne stellte. Meine Nervosität stieg. Ich blickte durch die Menge und entdeckte meine Mum. Weiter links saß Lissi mit ihrer Familie. Sie lächelte mich an, was mich etwas beruhigte. Meine Gedanken drehte durch, bis ich sie sah.
Lya und Gemma kamen vor ihr. Dann Luke, der ein paar Blumen streute und schließlich Mary.
Mein Atem stockte, mein Herz blieb stehen. Sie sah atemberaubend schön aus. Das Kleid umschmeichelte ihre Kurven und ihre Frisur ließ ich wunderschönes Gesicht strahlen.
Obwohl ich am Ende des Ganges zwischen unseren Familien und Freunden stand, konnte ich noch immer nicht glauben, dass ich diesen wundervollen Menschen heiraten durfte.
Bei mir angekommen reichte sie Lya ihren Strauß und drehte sich dann zu mir. Ihre Augen strahlten. Ich sah nichts als Liebe in ihrem Blick.
Lissi hatte mir viele meiner Zweifel genommen, doch als ich jetzt vor Mary stand und in ihre wunderschönen blauen Augen blickte, wusste ich, dass dies das war, für das ich bestimmt war. Ich wollte sie lieben. Sie beschützen und der Ehemann sein, den sie verdiente. Sie sollte glücklich sein. So wie ich es mit ihr war.
„Liebe Verwandte, liebe Freunde und Vertrauten. Wir sind heute zusammengekommen, um Mary-Jane Hensley und Harry Edward Styles zu verheiraten..."
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Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
