Teil 23 - Bruchstücke

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Blonde Haare, blaue Augen und ein unglaubliches Lächeln. An ihn erinnerte ich mich!
„Niall!", rief ich und umarmte ihn.
„Wow, nicht so stürmisch! Ich dachte du hättest mich vergessen...", seufzte er.
„Ich, ja eigentlich schon, aber, oh mein Gott, du bist Niall!", rief ich und drückte ihn erneut.
„Wahrscheinlich flippte sie gerade aus, obwohl sie dich vorher schon kannte.", sagte Lya.
„Nein, gar nicht wahr. Ich kenne ihn. Er ist Niall."
„Aber das wusstest du auch schon, bevor du mit befreundet warst.", warf Lya ein. Ich seufzte und brachte sie mit meiner Hand zum schweigen.
„Ach ja? Wusste ich damals auch, dass er jetzt mit Sarah zusammen ist? Wusste ich, wo er wohnt? Immerhin war sein Pool in dem ich geschwommen bin!" Jetzt war meine beste Freundin sprachlos. Überrascht sprang sie auf und drückte mich.
„Freut mich, dass ich dir helfen konnte, dich an etwas zu erinnern. Wollen wir vielleicht unten ein Stück Kuchen essen?", sagte Niall unsicher. Lya und ich waren sofort dabei. Denn auch dieser kleine Fortschritt musste gefeiert werden. Wir gingen nach unten in das Café des Krankenhauses und tranken Kaffee zum Kuchen. Naja, für mich gab es Tee. Besser fürs Herz.
„Du hast also dein Gedächtnis verloren...", begann Niall das Gespräch.  Ich nickte und führte es dann weiter aus.
„Ja, aufgrund meines Sturzes habe ich sämtliche Erinnerungen an die letzten zwei Jahre verloren. Die Ärztin meinte, es könnte sich schnell wieder regenerieren, doch ich sollte mich nicht zu sehr darauf fixieren. Aber wie wir sehen, wird es bereits besser.", sagte ich lächelnd.
„Es ist so schlimm, dass das direkt vor der Hochzeit passieren musste. Harry geht es sicher schrecklich.", sagte Niall.
„Heute morgen ging es ihm eigentlich ganz gut.", mischte Lya nun mit.
„Heute morgen?"
„Harry ist gestern Abend hergekommen und wohl bei mir eingeschlafen. Lya hat ihn dann Heute morgen verscheucht.", sagte ich und lachte unsicher. Niall schmunzelte.
„Wir wollen es ihm ja auch nicht zu einfach machen.", sagte er und zwinkerte Lya zu.
„Wann wirst du entlassen?"
„Wahrscheinlich morgen, wenn Sie Werte morgens alle gut sind. Ich freue mich schon auf meine Wohnung!", seufzte ich. Der Blick zwischen Niall und Lya entging mir dabei nicht.
„Was?", fragte ich.
„Naja, eigentlich wohnst du bei Harry.", sagte Lya.
„Ich habe meine Wohnung nicht mehr?", fragte ich traurig. Ich hatte diese Wohnung so sehr geliebt...
„Doch, naja, nicht ganz. Du hast nachdem zu Harry gezogen bist eine Wohnung im gleichen Haus gemietet. Für deine Mum."
„Du kannst sicher mit ihr reden und vorerst bei ihr wohnen.", sagte Niall und griff nach meiner Hand. Unsicher nickte ich und beruhigte mich wieder.
„Ja, das wird sicher gehen. Und was ist mit Sammy?"
„Bei Harry. Aber wenn du magst, kann ich ihn fragen, ob er ihn dir dann vorbei bringen kann.", sagte Lya.
„Nein, schon gut. Das wäre zu viel Stress für ihn. Hauptsache für ihn wird gesorgt."
„So Mädels, ich muss jetzt leider wieder los. Ich freue mich, dass es dir wieder besser geht. Schreib, wenn du zuhause bist und pass gut auf dich auf. Und lass den Kopf nicht hängen, wegen Harry. Am Ende kommt immer zusammen, was zusammen gehört.", sagte Niall. Als er gegangen war Liesen Lya und ich zurück zu meinem Zimmer. Während sie das Bett in Beschlag nahm und ein Nickerchen machte, setzte ich mich auf einen Stuhl am Fenster und nahm mein Handy hervor. Ich öffnete die Fotos, scrollte ganz zum Anfang und sah sie mir an.
Von Lucas und mir fand ich keine, doch schon nach wenigen tauchte Harry auf. Ich fand ein zwei Fotos, welche eindeutig in England geschossen worden waren und landete schließlich in Deutschland. Bilder aus Berlin, vom Panorama Ausblick und aus dem Hotel.
Ich musste zugeben, dass Harry gut aussah. Doch das wusste ich ja schon lange...
was mir viel mehr ins Auge sprang, war ich, während ich Zeit mit Harry verbrachte. Auf so gut wie jedem Bild lachte ich und selbst, wenn ich es nicht tat, lachten meine Augen.
Schließlich fand ich die Bilder aus LA. Entweder hatte ich Lya nicht alles über die Reise erzählt, oder sie hatte es mir nicht erzählen wollen, denn die Bilder waren sehr eindeutig. Harry und ich vor dem Hotel. Harry und ich im Restaurant und Harry und ich am Strand.
Das Bild am Strand zog meine Aufmerksamkeit auf sich, weil es kein Bild von Harry und mir, sondern mit einer Gruppe war. Wir saßen ums Lagerfeuer und lachten, während Harry die Gitarre in den Händen hielt und spielte. Lächelnd fuhr ich mit einem Finger über das Bild. Es musste so schön gewesen sein...
Ein Räuspern zog mich aus meinen Gedanken und als ich aufblickte, sah ich Harry in der Tür stehen. Lächelnd stand ich auf und ging an ihm vorbei aus dem Zimmer.
„Ich wollte nicht stören, aber ich habe etwas für dich.", flüsterte er und reichte mir einen kleinen Umschlag. Lächelnd nahm ich ihn und zog die Karte heraus.
„Das hat Luke für dich gemalt, mein-„
„Dein Neffe. Ich erinnere mich an Luke.", unterbrach ich ihn und sah mir die Zeichnung an. In der Karte stand, dass sie mir eine gute Besserung und alle Gute wünschten. Von Anne, Gemma und John.
„Eine sehr nette Karte. Richtest du ihnen meinen dank aus?", fragte ich. Harry nickte und setzte sich auf einen der Hocker in der Sitzecke.
„Du erinnerst dich also?"
„Nicht an alles. Es sind nur manche Personen oder Situationen, an die ich mich erinnere. Vorhin war Niall da und an ihn habe ich mich sofort erinnert. Es tut mir leid, dass es bei dir nicht so leicht ist.", sagte ich traurig. Harry ergriff vorsichtig meine Hand und blickte mich sanft an.
„Solange es dir gut geht, kannst du alle Zeit der Welt nutzen, um dich an mich zu erinnern." Seine Worte waren wir Balsam für die Seele. Ich seufzte und nahm meine Hand aus seiner. So langsam verstand ich, wieso ich mich in Harry verliebt hatte...
„Morgen kann ich wohl nach Hause. Ich werde bei meiner Mum schlafen.", sagte ich und sah in Harrys Augen, wie seine Welt zusammen brach.

Understand (III)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt