Teil 31 - Guter Sex

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„Herzlich willkommen.", empfing Harry mich an der Wohnungstür. Ich lächelte verlegen und betrat die Wohnung. Als Harry die Tür geschlossen hatte, spürte ich seine Hand an meinem Rücken, was mich zusammen zucken ließ. Hoffentlich hatte er das nicht gespürt.
„Fühl dich wie zuhause.", sagte er, was etwas ironisches hatte, da dies laut ihm ja mein Zuhause sein sollte. Ich folgte ihm und betrachtete alles. Es kam mir bekannt vor.
„Also, was verschlägt dich hier her?", fragte Harry mich. Ich sah zu ihm. Er saß auf der Couch und schaute zu mir rüber. Dabei lag ein Lächeln auf seinen Lippen, welches mich in seinen Bann zog.
„Ich war vorhin bei Niall und Sarah und habe etwas nachgeforscht. Deswegen habe ich ein paar Fragen.", sagte ich und betrat das Wohnzimmer. Der Anblick ließ mich für einen Moment innehalten. Wie vorhin erschienen Bilder aus anderen Zeiten. Ich erinnerte mich an den Raum. An die Couch und wie ich darauf gesessen hatte, neben Harry. Wie Harry meine Hand gehalten hatte, wie wir gekuschelt hatten; uns geküsst hatten und-
„Oh mein Gott.", platzte es aus mir heraus. Harry sprang erschrocken auf und kam zu mir geeilt.
„Was? Was ist?", fragte er panisch. Ich hob meinen Blick und sah in seine Augen. Sie sahen mich besorgt an, musterten mein Gesicht.
„Ich erinnere mich.", flüsterte ich. Ich spürte Harrys Hand an meiner.
„Woran erinnerst du dich?"
„Ich erinnere mich an die Couch und an alles, was wir darauf gemacht haben.", sagte ich mit einer Stimme voll mit Scham. Harry ließ meine Hand los und hob seine zu meiner Wange.
„Das ist doch wenigstens ein Anfang. Wollen wir uns dann vielleicht wo anders hinsetzen?", hauchte er mit einem undeutbaren Grinsen auf den Lippen. Noch immer perplex nickte ich.  Harry rührte sich als erstes und ich folgte ihm. Kurz darauf fand ich mich auf dem Dach des Hauses wieder.
„Besser?", fragte er mit ausgebreiteten Armen.
„Kommt drauf an. Hatten wir hier auch...?" Harry zuckte mit den Schultern und grinste mich an. Ich seufzte und ging zu ihm. Als ich mich auf die kleine Bank setzte, setzte er sich zu mir.
„Was möchtest du mich fragen?" Ich blickte zu Harry, was er erwiderte.
„Was ist damals auf der Lesereise passiert?", fragte ich.
„Was weißt du davon?"
„Nur dass du mich auf der Reise begleitet hast. Und ich habe ein paar Fotos von damals gesehen.", sagte ich. Harry lächelte mit gesenktem Blick und  fing dann zu erzählen an.
„Ich bin dir damals auf deine Reise gefolgt, weil ich nicht alleine in London bleiben wollte. Wir hatten gerade begonnen uns anzufreunden und das wollte ich nicht riskieren, also habe ich mir von Lya alle Daten besorgt und bin mit dir geflogen.", sagte er.
„Und was genau ist auf der Reise zwischen uns passiert? Eigentlich war ich da ja noch mit Lucas zusammen."
Harry schmunzelte und sah zu mir.
„Keine Sorge, wir haben nichts unanständiges gemacht. Wir haben uns mehrmals ein Zimmer geteilt und jede Minute deiner freien Zeit miteinander verbracht. Wir sind essen gegangen, haben Sightseeing-Touren gemacht und in LA waren wir am Strand." Während er sprach, konnte ich hören, wie viele Gefühle für ihn darin lagen und was er empfand. Ich war trotz allem anscheinend noch fähig ihn zu lesen.
„Das Foto aus LA haben ich gesehen. Ich sah glücklich aus. Wir beide waren es." Harry nickte.
„Ja, in LA schien der Alltag so weit weg und wir konnten alle Sorgen vergessen.", seufzte er.
„Und was ist nach der Reise geschehen?", fragte ich neugierig.
„Nach der Reise hast du mit deinem Freund Schluss gemacht. Du hast immer abgestritten, dass ich damit etwas zu tun hatte, aber die wenigstens haben dir das geglaubt. Ich war keiner davon." Er sah mir tief in die Augen, als er das sagte.  Ich versuchte seinem Blick stand zu halten, scheiterte jedoch.
„Als wir dann beide Single waren hat es sich noch etwas gezogen, bis wir zusammen gekommen sind."
„Wieso?", fragte ich, was Harry schmunzeln ließ.
„Unsere Freundschaft hatte es anfangs nicht leicht, weil meine Vergangenheit uns im Weg stand und du, sagen wir, etwas spießig warst."
„Ey.", sagte ich und lachte doch mit ihm.
„Sorry, aber es ist wahr! Wir waren ganz brav und ich habe dir deinen Freiraum gelassen, bis zu dem Abend mit der Gala."
„Ich erinnere mich etwas an die Gala. Zumindest daran, wie ich Geld eingesammelt und mich mit vielen reichen Leuten unterhalten habe.", sagte ich.
„Tatsächlich haben wir uns viel unterhalten an dem Abend. Und getanzt. Wir haben gefühlte Stunden getanzt. Als dann alles zu Ende war, habe ich dich nach Hause gefahren.", erklärte Harry.
„Ich hatte etwas spannenderes erwartet.", meckerte ich.
„Das war nicht alles. An diesem Abend haben wir uns das erste mal geküsst.", stellte Harry klar.
„Oh."
„Mehr hast du dazu nichts zu sagen?", fragte er überrascht.
„Wer hat wen geküsst?", harkte ich nach.
„Zuerst habe ich dich geküsst, wie es sich gehört und dann hast du mich geküsst und konntest dich gar nicht mehr zurückhalten.", sagte Harry und warf mir grinsend einen Blick von der Seite zu.
„Das kann ich mir gar nicht vorstellen.", spielte ich mit.
„Ich sage nur die Wahrheit. Allerdings ist das auch schon alles, was an diesem Abend geschehen ist."
„Wirklich?"
„Jap. Ich bin wie ein Gentleman alleine nach Hause gefahren.", sagte er.
„Wieso?", fragte ich verwirrt. Harry schien ebenfalls verwirrt.
„Ich meine, wenn du etwas von mir wolltest und ich etwas von dir, was stand dann noch im Weg?" Harry seufzte und blickte in die Ferne.
„Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst oder die Widmung deines Buches gelesen hast, aber ich habe dir mal gesagt, dass es nichts stärkeres gibt als eine Beziehung, die aus einer engen Freundschaft erblüht und von Vertrauen und gemeinsamen Erlebnissen gespeist wird. Als ich ahnte, dass du meine Gefühl eventuell erwidern könntest, habe ich mich zurückgehalten, weil ich Angst hatte. Du warst der erste Mensch, der mir in so kurzer Zeit so wichtig geworden ist und ich wollte dich nicht verlieren. Auch wenn der Sex echt gut war."

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