Seit mehreren Minuten lag ich wach auf meinem Bett. Ich ärgerte mich, dass sie mich gestern nicht entlassen hatten, denn dann wäre ich diesem Chaos entgangen...
„Aber dort gehört sie nun mal hin!", rief Harry. Ich drückte das Kissen fester auf meinen Kopf, doch ihre Stimmen verklangen nicht.
„Es ist ihre Entscheidung und wenn sie nun mal nicht gleich in dein Appartement möchte, dann musst du das akzeptieren.", sagte meine Mum.
„Die Ärztin hat gesagt, dass sie in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren soll und das ist nun mal bei mir."
„Sie direkt in ihr altes Leben zu stürzen ist nicht keine Lösung!", erwiderte meine Mum. Jetzt reichte es mir. Wütend sprang ich aus meinem Bett auf und lief zu den beiden. Sie sahen mich erschrocken an und unterbrachen ihr Gespräch.
"Habt ihr's gleich? Ich würde nämlich sehr gerne endlich zurück nach Hause!", meckerte ich. Meine Mum nickte nur lächelnd.
"Bist du dir sicher, dass du zurück in deine Wohnung möchtest?", fragte Harry kleinlaut. Ich drehte mich zu ihm.
"Ja, ich denke das ist erst mal das Beste." Harry nickte und senkte traurig den Blick. Etwas appellierte an mein Inneres, weshalb ich seine Hand nahm und sie drückte.
"Ich denke nicht, dass ich in den nächsten Wochen arbeiten werde. Wenn du Zeit und Lust hast, kannst du mir von LA und dem erzählen, was danach so passiert ist.", sagte ich. Harry begann zu lächeln und es sah aus, als wollte er mich umarmen, traute sich jedoch nicht. Ich ließ seine Hand los und ging zurück in mein Zimmer.
"Lasst uns endlich dieses Krankenhaus verlassen!", rief ich und fing an mich anzuziehen. Meine Mum packte meine Sachen, während ich die Entlassungspapiere unterzeichnete und sie dann an der Treppe traf. Harry wartete dort mit ihr.
"Danke, für deinen Besuch.", sagte ich. Harry lächelte nur.
"Er fährt uns nach Hause."
"Wenn das für dich ok ist.", fügte er hinzu. Ich nickte und folgte meiner Mum in den Lift. Harrys Anwesenheit machte mich aus irgendeinem Grund nervös. Mit gesenktem Blick sah ich von meinen Füßen zu seinen. Er trug dunkelbraune Boots und eine schwarze Jeans. Mein Blick ging weiter hinauf, von seinen muskulösen Beinen über seinen Bauch, der unter einem schwarzen Hemd versteckt war. Seine Brust sah ebenfalls Seher muskulös aus und ich erwischte mich dabei, wie ich mich fragte, wie es wohl unter seinem Hemd aussah... Ohne darüber nachzudenken schweifte mein Blick weiter nach oben, bis er sein Gesicht erreicht. Harrys Mund sah aus, als würde er gewisse Dinge sehr gut können. Als er sich zu einem Lächeln verzog, blickte ich zu seinen Augen auf und erschrak, als sie mich ansahen. Er hatte mich erwischt.
Peinlich berührt senkte ich den Blick. Meine Wangen färbten sich rot, als ich mit etwas Abstand Harry und meiner Mutter folgte. Höflicherweise ließ ich meine Mum vorne sitzen und lauschte ihrem Gespräch. Vergessen schien der Streit von vorhin. Abwesend betrachtete ich Harry im Rückspiegel. Seine Haare waren leicht zurückgekämmt und lagen in großen Wellen auf seinem Kopf, was aussah, als wären sie richtige Wellen. Seine Stirn war leicht gerunzelt, weil er sich konzentrierte und seine Augen waren auf die Straße gerichtet. Trotzdem konnte ich das Grün sehen und musste zugeben, dass ich noch nie ein so schönes und beruhigendes Grün gesehen hatte.
Als Harrys Blick dieses Mal meinen traf, wich ich nicht aus. Ich hielt stand und wurde damit belohnt, dass sich ein wohliges Gefühl in meiner Bauchgegend ausbreitete. Kurz darauf hielten wir vor meiner Wohnung. Harry half mir und meiner Mum das Gepäck hochtragen und blieb dann unschlüssig im Flur stehen. Er hatte seine Hände in die Hosentaschen gesteckt und schien auf etwas zu warten. Lächelnd trat ich zu ihm und nahm ihn in den Arm.
"Danke, für die Hilfe.", sagte ich sanft. Als ich mich von ihm lösen wollte, legten sich seine Arme um mich und hielten mich vor sich fest. Es fühlte sich an, als würde sein Blick direkt durch meine Augen in meine Seele sehen können. Unsicher ließ ich meine Hände auf seiner Brust.
"Ich rufe dich an.", hauchte er, während sein Blick von meinen Augen zu meinen Lippen schweifte. Ich ahnte, was er vorhatte, doch dazu war ich nicht bereit.
"Mach das. Bis dann." Ich wandte mich aus seiner Umarmung und lächelte, als er die Wohnung verließ. Erschöpft ging ich in die Küche, wo meine Mum pfeifend Kartoffeln schälte. Ich ließ mich auf einen der Stühle fallen und schloss für ein paar Sekunden die Augen.
"Meinst du, es wird einfacher?", fragte ich sie nach einer Weile. Meine Mum zuckte mit den Schultern und drehte sich zu mir.
"Selbst wenn deine Erinnerungen zurückkommen, wird es nicht genau so sein, wie vor deinem Anfall. Vielleicht solltest du das was du fühlst einfach zulassen. Immerhin scheint da definitiv noch etwas zwischen dir und Harry zu sein." Ich sah zu ihr auf und nickte nachdenklich. Sie hatte recht, dass da noch etwas war. doch solange ich es nicht identifizieren konnte, wollte ich es nicht.
"Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Es wird für keinen von euch leicht, doch wenn ihr euch Freiraum gebt und vielleicht versucht euch einfach neu kennen zu lernen, wird das schon." Ich stand auf und lief zu meiner Mum. Sie nahm mich in den Arm und hielt mich fest. Für einen Moment blieb ich so stehen und wünschte mir, dass mein Anfall nicht geschehen wäre. Nach allem, was die anderen mir erzählt hatten, war ich davor sehr glücklich gewesen. Das wünschte ich mir nun zurück.
"Ich gehe erst mal duschen.", sagte ich. Meine Mum küsste mich auf den Kopf und widmete sich dann wieder dem Essen. Ich ging ins Schlafzimmer, wo ich meine Taschen fand und suchte alles heraus, was ich zum duschen brauchen würde. Als ich gerade alles hatte und mit vollen Armen ins Bad gehen wollte, entdeckt ich etwas in einer der Taschen. Mit zitternden Händen zog ich es heraus. Es war ein Bilderrahmen mit einem Foto von mir und Harry. Der Kleidung nach zu urteilen war es ein wichtiger Abend gewesen. Vielleicht diese Gala, von der Lya erzählt hatte...
Auf dem Foto blickte ich zu Harry hinauf und lächelte. Glücklich.
DU LIEST GERADE
Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
