Heute war der Tag, an dem ich meine Brautjungfern einkleiden würde. Es waren noch genau 56 Tage bis zur Hochzeit. 56 Tage, die ich noch durchhalten musste, ohne durchzudrehen. 56 Tage, die ich meine Mum und meine beste Freundin beruhigen musste. 56 Tage, die ich noch als Mary-Jane Hensley verbringen würde. Nach diesen 56 Tagen würde ich zwar noch so heißen, aber nicht mehr die selbe Person sein.
„Wann triffst du dich mit Gemma und Lya?", fragte Harry. Ich ging zu ihm und Wohnzimmer, legte meine Arme von hinten auf seine Schultern und meinen Kopf darauf.
„In einer halben Stunde. Bist du sicher, dass ich nicht doch mitkommen soll, die Ringe abzuholen?" Harry drehte seinen Kopf zu mir und sah mich schmunzelnd an.
„Ich hätte dich gerne jede Sekunde meines Lebens um mich, aber es gibt auch Dinge, die ich alleine machen muss.", sagte er und hauchte einen Kuss auf meine Lippen.
„Dort drüben liegt übrigens Post."
„Ich dachte wir wären inzwischen an dem Punkt, an dem wir die Post des anderen öffnen...", entgegnete ich und nahm die Umschläge vom Esstisch. Es war etwas Werbung und sonst nichts aufregendes.
„Ich dachte, dass du den untersten sicher lieber selber öffnen möchtest." Ich setzte mich zu Harry, während ich ihn fragend ansah. Er blickte zu mir auf und zog einen grauen Umschlag aus dem Stapel. Ich ergriff ihn und fing an ihn aufzureißen.
„Der ist von der Universität in LA." Erst fragte ich mich, woher er das wusste, doch dann entdeckte ich den Absender auf dem Umschlag und schmunzelte. Dann öffnete ich ihn gänzlich und zog die Papiere heraus.
Was ich las, verschlug mir den Atem.
„Lies vor, ich will auch wissen was sie schreiben.", forderte Harry mich auf. Ich atmete tief durch und las dann vor, was in dem Brief geschrieben stand.
„Sehr geehrte Ms. Hensley.
Da sowohl viele unsere Studenten als auch unsere Professoren sehr begeistert von Ihrem Besuch im letzten Jahr waren, möchten wir Sie in diesem Schreiben zu einem persönlich Gespräch einladen. Bei diesem Gespräch handelt es sich um die Thematisierung einer Anstellung Ihrer Person, über welche wir uns sehr freuen würde...." Den Rest las ich nicht vor, da völlig irrelevant war, an wen ich mich bei Interesse wenden sollte.
„Und jetzt?", fragte ich abwesend.
„Ist doch klar!", sagte Harry nach einer Weile. Ich sah ihn an und konnte in seinen Augen lesen, das er zum selben Schluss kam, wie ich.
„Ich sage ab." „Du nimmst an!", sagte Harry im selben Moment. Verlegen lachte ich, auch wenn an dieser Situation nichts witzig war.
„Wieso ziehst du es nicht wenigstens in Betracht?", fragte Harry. Er zog mich auf seinen Schoß und strich meine Haare hinter mein Ohr. Sanft begann er meinen Hals zu küssen.
„Weil ich hier mit meinem Job zufrieden bin. Weil ich hier gerne mit dir wohne, meine Familie und Freunde hier ist und ich London als meine Heimat ausgewählt habe." Es fiel mir immer schwerer zu sprechen, weil Harry meinen Hals hinab zu meinem Schlüsselbein küsste.
„Und das sind genug Gründe für dich?", raunte er.
„Das sind nur einige Gründe. Da wären noch das Wetter, das Essen und dein Leben." Harry ließ von meinem Körper ab und sah mir tief in die Augen.
„Ich kann mein Leben führen, wo auch immer ich möchte. Solange ich dich bei mir habe, ist egal, wo ich bin. Du bist jetzt mein Leben.", flüsterte er. Sanft küsste ich Harry und lehnte mich an ihn.
„Lass und später noch mal darüber reden. Ich muss jetzt los.", sagte ich. Harry nickte und lächelte mich an.
„Ich wünsche dir ganz viel Spaß, Babe. Lass dir nicht auf dem Kopf herum tanzen.", sagte Harry. Ich stand auf, küsste ihn noch ein letztes Mal und machte mich dann auf den Weg.
Während ich Gemma unterwegs einsammelte, weil sie alleine nicht mehr fahren sollte, trafen wir Lya dort. Sie war von uns allen am aufgeregtesten.
„Ich weiß schon ganz genau, was für ein Kleid ich haben will."
„Es ist auch schön dich zu sehen.", sagte ich und zog sie in das Geschäft hinein.
„Außerdem ist es Marys Hochzeit.", wandte Gemma ein. Lya murmelte etwas vor sich hin, doch kaum sah sie die Kleider, war sie wieder Feuer und Flamme.
„Bevor wir mit dem Anprobieren starten, an was hattest du gedacht?", fragte Gemma mich. Die Verkäuferin machte sich bereit, um sich Notizen zu machen.
„Ich dachte an etwas eher schlichtes. Fliesender Stoff, sanfte Farben. Vielleicht Violett oder ein helles Blau."
„Damit kann ich mich anfreunden, wollen wir endlich loslegen?", fragte Lya ungeduldig. Sie leerte ihr Champusglas und sprang auf. Lächelnd folgte ich ihr mit Gemma.
„Wir können die Kleider noch kurzfristig ändern, oder? Ich weiß nämlich nicht, wie viel die kleine noch wachsen möchte.", sagte Gemma unsicher grinsend.
„Oh fuck.", sagte Lya plötzlich. Als ich zu ihr sah, hielt sie sich den Mund zu sah uns schockiert an.
„Was ist denn?", fragte ich überrascht.
„Ich, ich habe den Champagner getrunken.", flüsterte sie. Ich ging zu ihr und nahm ihre Hand. Dabei hatte ich keine Ahnung, wovon sie im Moment sprach.
„Ja, aber das machst du doch sonst auch und ein Glas ist sicher nicht schlimm, wenn du später noch fährst." Ich versuchte sie zu beruhigen, doch sie machte mich langsam ziemlich nervös.
„Aber ich kann keinen Champagner trinken, weil ich..."
„Weil du was?", fragte ich mir vorm Durchdrehen. Lya sprach nicht weiter. Auch nicht, als ich sie leicht an ihren Schultern haltend schüttelte.
„Ich darf es einfach nicht, weil ich..." Wieder brachte sie den Satz nicht zu Ende. Hilfesuchend sah ich zu Gemma, die ihren Bauch hielt und ebenso ratlos schien, wie ich es war. Lya drehte sich zu mir und war nun diejenige, die mich schüttelte.
„Ich darf keinen Alkohol trinken, verstehst du das nicht, Mary? Ich bin..." Ihre Stimme verklang und noch bevor ich Licht ins Dunkel bringen konnte, löste Gemma das Rätsel.
„Sie ist schwanger." Erschrocken sah ich von meiner zukünftigen Schwägerin zu meiner besten Freundin, die abwesend zu nicken begann. Eine Träne lief ihre Wange hinunter, als sie sich in meine Arme stürzte.
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Understand (III)
Fanfiction"Hallo?" "Harry? Wo bist du?", fragte ich eilig. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren. "Ich bin auf dem Weg nach Hause. Was ist denn?" "Komm zurück. Und beeil dich.", sagte ich und wartete seine Antwort nicht ab. Ich hörte noch, wie er wendete, bevo...
