Der Bruch des Schwurs

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Das Taxi rollte rückwärts davon, da es nicht genügend Platz für eine Wendung gab. Hoffentlich würde der Fahrer nicht einen Hang hinunterrutschen! Er würde sich nach dieser verrückten Strecke des Waldes - und jetzt auch noch rückwärts, schwören nie wieder in diesen Waldteil zu fahren.

"Jo, kommst du?" Betty war schon in dem verwilderten Trampelpfad verschwunden, der steil empor ging.

Ich folgte ihr und trat sofort in Schlamm. Ich stöhnte und hob angewidert meinen Fuß. Ich werde heute Abend bestimmt nicht drumherum kommen, meine Sneaker zu putzten, die zu meinem Bedauern auch noch weiß waren. Von dieser Sekunde an, schwor ich mir, niemals mehr weiße Schuhe zu kaufen.

"Jo?", rief Betty.

"Ja, warte kurz". Ich versuchte einen dicken Zweig, der in den schmalen Pfad ragte, beiseite zu schieben.

Als ich Betty eingeholt hatte, fragte sie: "Was glaubst du werden wir gleich sehen?"

Ich zuckte mit den Achseln. Ich hatte wirklich keine Ahnung was oder wer uns erwarten würde. Aber eins stand fest: Wir hatte Angst.

Betty blieb abrupt stehen.

"Hey, was ist?" Ich hätte sie fast gerempelt.

"Das war eine blöde Idee!"

"Ach nee."

Sie beäugte mich spitzt.

"Was ist?", fragte ich und versuchte mich von ihrem Blick loszureißen.

"Du hast keine Ahnung, wie gefährlich das hier alles ist, oder?" Ihre Augen leuchteten vor Angst.

"Natürlich weiß ich das."

"Weißt du eben nicht!", zischte sie. "Wie kann es eigentlich sein, dass du keine Angst hast? Das ist überhaupt nicht mehr menschlich!"

Sie kannte mich doch als die Person, die nie Angst hatte. "Was ist los?" Ich blickte sie irritiert an. "Du warst doch auch dafür."

"Ich habe einfach Angst, was uns passieren könnte. Schon alleine der Fogforest macht mir Angst." Sie schüttelte sich. "Ich komme mir vor wie in einem Film. Was wenn es Mörder oder irgendeine kranke Sekte ist, die da am Werk sind?"

"Oder einfach nur Dummköpfe aus der Alhambra, die uns Angst einjagen wollen."

Auf ihrer Stirn bildeten sich tiefe Falten. "Glaubst du wirklich?"

Ich nickte. Sie schien sich wieder zu beruhigen.

Plötzlich knarrte etwas im Unterholz.

Wir fuhren herum. Unser Puls erhöhte sich, als der Wind pfeifend durch die Baumkronen drang.

"Was war das?", fragte Betty zitternd.

"Oder wer?", wisperte ich. Ich schaute sie todernst an und ich bildete mir ein ihr klopfendes Herz zu hören.

Dann brach ich in Gelächter aus.

"Man Jo, das ist nicht lustig!", fauchte sie.

Ich kriegte mich gar nicht mehr ein. "Ach, komm schon Betty!"

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, lief weiter und stieß mir mit Absicht ein paar Zweige ins Gesicht, die sie mit ihrem Arm wegschob - zurecht.

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Es ging steil den Berg empor und nach kurzer Zeit fragte Betty unsicher: "Glaubst du es sind wirklich die Jungs aus der Alhambra, die uns reinlegen?"

Ich nickte heftig. "Garantiert!"

"Oh Man, ich habe echt Angst, das uns irgendwas passiert."

"Wird es nicht", versuchte ich optimistisch zu klingen, aber sicher war ich mir überhaupt nicht. "Eine schlimme Art, so die Aufmerksamkeit von uns zu wecken. Nicht wahr? Zu schüchtern uns einfach in der Alhambra anzusprechen." Ich verzog verächtlich mein Gesicht.

Betty nickte. "Ach und Jo."

Ich horchte auf.

"Pass auf wo du hintrittst. Hier gib's Moore, die lebensgefährlich sind."

"Das weiß ich doch." Auf einmal blieb ich stehen.

"Was ist?" Betty's Stimme war von Angst erfüllt.

"Oh mein Gott ich... ich... ich." Meine Stimme wurde immer leiser und ich schnappte nach Luft.

"Jo? Verarsch mich nicht wieder!"

"Betty!"

"Hey, was ist?" Betty trat näher an mich heran und umfasste meine Handgelenke. "Jo, du zitterst ja!"

Ich schluckte und blickte mich nach allen Seiten um. Erst jetzt fiel mir auf, dass im Fogforest völlige Stille herrschte. Keine Vögel. Nichts. Ich hatte noch nicht einmal ein Eichhörnchen, Würmer oder Käfer gesehen.

"Du hast doch irgendwas."

Ich war wie eingefroren. "Mum", krächzte ich.

Betty hielt mich fester.

"Ich habe geschworen, als ich kleiner war niemals auch nur einen Fuß in den Fogforest zu setzten", wisperte ich.

"Das haben wir doch allen unseren Eltern versprochen." Sie versuchte meinen Blick einzufangen, doch ich schaute nur ängstlich in den tiefen Wald.

"Ich weiß, aber bei ihr war es anders. Sie hat fast geweint, als ich es schworen musste. So oft fragte sie mich, als ich kleiner war, was die größte Regel sei. Und ich antwortete immer ganz brav, dass ich niemals ich den Fogforest gehen würde." Ich schluckte und auf einmal fühlte sich mein Herz so schwer an. "Es ist wie ein Verrat", hauchte ich, während ich den Schlüssel meiner Kette fest umklammert hielt. Meine Erinnerung zu Mum... Der Schlüssel zu mir...

Meine allerbeste Freundin wusste nicht ganz, was sie sagen sollte. Sie kannte es gar nicht, das ich Angst hatte und war mit der Situation überfordert.

"Okay, ich war zwar schon im Fogforest. Vor vier Jahr mit Henry, aber nur für ein paar Sekunden." Ich sagte ihr nicht, das auch das Krächzen eines Rabens daran Schuld war, das ich damals wegrannte. Ich wollte nicht, dass sie das Bild Der - Furchtlosen - Jo verlor. "Es war ein paar Monate vor ihrem Tod." Ich stockte und ich glaubte die Luft, die ich atmete, verschwand. "Verstehst du Betty? Ich habe sie schon kurz vor ihrem Tod verraten! Und jetzt ein zweites Mal!" Ich versuchte zu schreien, aber es ging nicht...

Der Rubin gegen den Smaragd Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt