Mr Haddington saß mit gefalteten Händen am Tisch (wie immer). Er schien zu grübeln. Neben ihm saß Mrs Haddington, die ich in London traf! Ihre Augen waren leblos auf ihren Tee gerichtet. Ich schluckte, aber versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Dad schaute mich nicht an. Er rührte in seinem Kaffee herum und wirkte recht verschlafen. Sogar aus weiter Entfernung konnte ich seine tiefen Augenringe deutlich erkennen. Auch Mr Haddington machte einen schläfrigen Eindruck, den er zu verbergen mochte.
Schweigend setzte ich mich neben Dad. Als ich mich hingesetzt hatte, griff Mr Haddington sofort nach dem Porridge, das in einer großen Schale war. Er löffelte sich einen ordentlichen Haufen in seine Goldschüssel und löffelte gierig das Porridge. Dad schnitt an seinem Hemmelbraten, das er sich soeben von einer Kristallplatte nahm. Dazu aß er Rührei. Ich schaute unbemerkt zu Mrs Haddington. Sie hielt den Zeigefinger schnell vor ihren geschlossenen Mund. Ich verstand. Sie hatte ihrem Mann von unserer Begegnung in London nichts erzählt. Vielleicht war es besser so. Vielleicht aber auch nur für sie.
Der Tisch war reichlich gedeckt, wie in einem Hotel. Es gab die unterschiedlichsten Gerichte und Getränke an denen ich mich aber nicht heranwagte. Ich griff lieber wie Mr Haddington zu dem Porridge. Ich beobachtete wie Mr Haddington sich Milch in seinen Schwarztee goss. Ich verzog den Mund. Wie konnte er denn nur so etwas trinken? Ich nahm den ersten Löffel von dem Porridge. Am liebsten hätte ich es wieder ausgespuckt. Kleine Stückchen von irgendwelchen Früchten machte den Geschmack grauenvoll! Das Schlimmste aber war, dass ich nicht wusste, was das für Früchte sein sollten (oder ob es überhaupt Früchte waren). Außerdem war kein Zucker oder Zimt dran. Es war eine eklige Pampe und ich fragte mich, wie Mr Haddington dieses Zeug nur so hinunterschlingen konnte. Ich aß trotzdem heiter weiter.
Ich war froh, als ich den Letzten Löffel hinunterwürgte. Ich spülte schnell den Geschmack mit pfirsich Eistee herunter. Wenigstens ist Dad meinem Wunsch nach Eistee nachgekommen. Mr Haddington grinste schadenfroh bei seiner steifen Haltung in sich hinein. Ich funkelte ihn böse an. Aber ich durfte nicht vom Thema abkommen. Ich war wegen etwas anderem hier und das Schweigen, was zwischen uns vier herrschte, war unerträglich. Ich ärgerte mich darüber, dass ich den ersten Schritt machen musste, obwohl es umgekehrt sein sollte und Dad ihn machen sollte.
Ich wollte gerade zu Sprache ansetzen, als Mrs Haddington fragte: "Miss Lockwood, was ist das denn für ein Getränk, das sie genießen?"
Ihr Ernst? "Pfirsich Eistee", antwortete ich und nahm gleich noch einen Schluck. Dieser Eistee versüßte mir den Tag. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen.
"Aha", erwiderte sie neugierig. "Miss, dürfte ich davon etwas kosten?"
Jetzt war die Überraschte. Mrs Haddington war viel offener, als ich es für möglich hielt. "Klar." Ich griff nach der Packung, als ich schon wieder unterbrochen wurde.
Und von wem? Natürlich von Mr Armin Haddington. "Ach Xara, das ist ein ungesundes Chemiezeug, das man nicht braucht. Alles Massenherstellung."
Mrs Haddington klappte ihren Mund auf und zu, als wolle sie etwas sagen. Aber schließlich verstummte sie. WIe feige war denn das von ihr? Sie stand eindeutig im Schatten ihres Ehemanns. Fühlte sie sich nicht unterdrückt? So wie sich ansahen, sah ich nur Kälte in ihren Augen. Liebten die beiden sich überhaupt? Wenn es den Gerüchten zufolge stimmte, musste Mrs Xara Haddington zwangshaft heiraten. Das erklärte alles. Irgendwie empfand ich Mitleid mit ihr. Ihr Leben musste doch armseelig sein, auch wenn sie alles hatte. Alles, außer Liebe. Fühlte sie sich manchmal alleine? Aber das war jetzt nicht mein Problem. Endlich konnte ich die Worte ausprechen, die mir auf der Zunge lagen: "Also ihr lügt mich auch wirklich nicht an? Das mit dem Fluch und der Verwandlung?"
"Nein Miss Lockwood, warum sollten wir"?, sagte Mr Haddington, während er sich eine Ladung Porridge auf seinen Löffel schaufelte.
"Dad?" Ich wand mich zu ihm.
"Es ist wahr", sagte er stumm und mit trauriger Mine. "Die Anzeichen dafür waren deine Schmerzen und das du schwach warst, weshalb du auch ohnmächtig wurdest."
Jetzt verstand ich einiges mehr! Meine Ohnmacht, meine Schmerzen! Natürlich, das waren Anzeichen auf meine angebliche Verwandlung! Deshalb fragte Dad mich auch damals, wo ich Schmerzen hätte, obwohl ich nur einen Alptraum hatte.
Ich riss mich zusammen. Ich musste den beiden jetzt einfach vertrauen. Auch wenn es völlig unmöglich war und ich es mir nicht vorstellen konnte, sagte ich: "Okay, ich glaube euch." Ich zuckte kurz und kniff die Augen zusammen. Ich hatte es tatsächlich ausgesprochen! Ich glaubte wirklich an den Fluch! Ob ich es nun wollte oder nicht, jetzt hatte ich es gesagt und war Teil des ganzen - was immer das hier auch war. "Warum habe ich den Fluch?", brach es aus mir heraus. Ich hatte so viele Fragen, die mir auf der Zunge brannten.
Dad schluckte. "Als erstes muss ich etwas anderes los werden."
Ich hob eine Augenbraue an. Nur raus mit den Geheimnissen!
"Mr Armin Haddington und... und Mrs Xara Haddington sind dein... dein ähm dein Onkel und deine Tante." Er bekam es nur schwer von den Lippen.
Ich gefror zu Eis.
"Armin ist mein ein paar Minuten jüngerer Zwillingsbruder", sagte Dad, während er nickte.
Ich klappte meinen Mund auf und zu und hielt meinen Schlüssel fest, um nicht den Vertsand zu verlieren. Daher hatten sie die gleichen grauen Augen und das gleiche schwarz in ihren Haaren. Mrs Haddington hatte also nicht gelogen, als wir damals in London aneinander gerieten. Ich wusste nicht, was ich denken sollte oder wie ich mich fühlen sollte. Um ehrlich zu sein konnte ich in diesem Moment keinen klaren Gedanken fassen.
"Am besten ist es, wenn Mr Haddington dir alles von Anfang an erzählt", sagte Dad.
Ich wand mich zu Mr Haddington. Meinen Onkel. Und die Tatsache war, dass seine Söhne Ezra und Liam meine Cousins waren! Das hieß... das hieß, dass ich eine Milliardärstochter war? Ich war fassungslos und sprachlos überrumpelt.
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Der Rubin gegen den Smaragd
FantasyDiese Geschichte handelt von einem beliebten Mädchen in ihrer Kleinstadt Cursetown. Jolina Lockwood, die mit einer außergewöhnlichen Schönheit beschenkt wurde. Ihr Leben stellt sich völlig auf den Kopf, als ihre Mum bei einem Autounfall ums Leben ko...
