Das Märchenschloss

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Betty stöhnte keuchend. "Wir sind schon 20 Minuten gelaufen!" Sie stütze nach Luft hechelnd ihre Hände in die Knie. "Wir sind doch in der Ravenstreet. Warum kommt keine Hütte oder so etwas in der Art? Oder warum kommen uns die Leute, die dir geschrieben haben, nicht entgegen?"

Wir sind weitergegangen. Immer geradeaus. Ich hatte das Gefühl des Verrates abgestellt. Das musste ich. Vielleicht hatte ich wirklich keine Wahl.

Ich wollte mich gerade auf einen umgefallenen Baumstamm setzten, als ich plötzlich etwas sah. Eine Art Gemäuer - und Türme. "Sieh mal da!", rief ich.

Betty reckte ihren Oberkörper nach oben. Ich drängte mich an ihr vorbei und schob einen dichten Zweig weg. Betty blickte über meine Schulter. Und dann sahen wir es: Ein riesiges Schloss - mitten im Wald. Das musste das Haddingtonschloss sein! Größer wie der Buckingham Palace! Mit offenen Mündern starrten wir das prächtige Schloss an. Es wirkte noch majestätischer und größer wie im Internet. Hatte mir wirklich der berühmte Wissenschaftler geschrieben? Betty schien das gleiche zu denken, denn sie sah verwundert und geschockt aus. Ein wunderschöner Vorhof war zu sehen. Mit einem Springbrunnen in der Mitte. Auch von weitem konnte man sehen, dass das Schloss viele Goldverzierungen und mächtige Säulen hatte. Seine Türme ragten majestätisch in die Höhe, wo Ranken und Äste mit Knopsen sich emporschlängelten. Das Schloss war einfach bombastisch und ähnelte diesem Schloss von Disney ein bisschen. Es war aus prächtigem Marmor gebaut und die Architektur wie in einem Märchen. Aber es war auch alt und geheimnisvoll. Der Fogforest, der sich um das Schloss schmiegte, machte das Schloss mystisch.

"Wohl doch das Haddingtonschloss", sagte ich grinsend zu Betty, womit ich die Wette gewann. Ich hatte ja mit allem gerechnet - aber definitiv nicht mit dem!

Betty nickte geschockt. "Allerdings. Ich hatte ja keine Ahnung das es so riesig ist!"

Jetzt gab es keine Zweifel mehr - der Brief war wirklich von Mr Armin Haddington!

Wir traten aus dem Trampelpfad hervor und spürten festen Steinboden unter unseren Sohlen.

"Hände hoch!", brüllten Männer.

Erschrocken fuhren wir herum und streckten die Arme nach oben.

Erst jetzt fiel mir auf, dass das Gelände von Wachen übersät war. Von diesen Wachen in schicker blauer Uniform, starrten uns ungefähr zehn Männer dunkel in die Augen, während sie Gewehre auf uns hielten.

Unser Puls und das Herz rasten.

"Was machen Sie hier? Wie heißen Sie beide?", schrie einer von ihnen.

Die erste Frage konnte ich ihm nicht beantworten. Ich wusste es ja selber nicht. Stadtessen sagte ich so selbstbewusst wie möglich zu klingen, (auch wenn ich meinen Blick nur auf ihre Maschinengewehre hielt): "Jolina Lockwood."

Die Wachen ließen ihre Gewehre sofort sinken, was sehr überraschend kam und komisch wirkte. Nur weil sie meinen Namen kannten? Bekannt war ich bei einer Wissenschaftlerfamilie, die in Milliarden schwamm, ganz sicher nicht.

Betty piepste kleinlaut hinterher: "Betty Adam."

Die Wachen kümmerten sich nicht um sie. Ihre volle Aufmerksamkeit war auf mich gerichtet. Sie verschlangen mich gerade so mit ihren Blicken. Wo blieb der Anstand? Und überhaupt, warum reagierten sie so auf mich und ließen von der einen auf der anderen Sekunde ihre Gewehre sinken? Hätten sie uns nicht verhaften müssen? Immerhin war das Privatgelände eines bekannten Milliardärs und höchstes Verbrechen auch nur einen Fuß auf dieses monströse Gelände zu setzten.

Eine Wache von hinten flüsterte: "Ist sie es wirklich?"

Alle nickten und einer wisperte: "Sieh dir doch mal die smaragdgrünen Augen an. Diese Augen kann man nicht verwechseln."

"Miss Lockwood, Sie dürfen weiter gehen", sagte einer der Wachen. Betty schienen sie noch gar nicht wahrgenommen zu haben.

Ich spürte ihre verzauberten Blicke in meinem Rücken.

Wir atmeten tief durch, aber trotzdem fühlten sich unsere Beine wie Pudding an, als wir weiterliefen.

"Wurden wir gerade ernsthaft mit Maschinengewehren bedroht?" Betty lief in einer verkrampften Haltung und ihre Augen waren immer noch voller Angst. "Und sie haben ihre Waffen ernsthaft nur deshalb gesenkt, weil sie deinen Namen gehört haben?"

Ich nickte. "Mal was neues, nicht?"

Betty schluckte und verzog den Mund. "Du sagst es."

"Hast du auch die flüsternden Wachen gehört?"

Betty schüttelte den Kopf. "Nö, ich war viel zu sehr beschäftigt, darauf zu achten, dass sie den Abzug nicht drücken."

Wir liefen schweigend weiter und staunten immer mehr, je näher wir dem Haddingtonschloss kamen.

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Betty fand nach langem Schweigen zuerst die Worte: "Das ist... ist..." Ihr fehlten die Worte, um dieses mächtige Schloss zu beschreiben.

"Unendlich prachtvoll", beendete ich ihren Satz, obwohl nicht einmal das auf dieses wunderschöne Schloss zutraf.

Sie nickte noch immer mit offenem Mund.

Ich konnte es einfach immer noch nicht glauben, wie so ein alberner Streich mit diesem mächtigen Schloss und den Wissenschaftlern in Verbindung stehen sollte. Was sollten wir hier? Was wollte dieser steinreiche Mr Haddington von mir? Ich kam mir vor, wie in einem falschen Film.

Wir kamen an dem plätschernden Brunnen vorbei. Dem Schloss waren wir ein Stück näher gekommen.

Als wir endlich die Treppen bis zum Haupteingang hochliefen, kam ich mir klein vor, während die Türme des Schlosses den Mond erreichen könnten.

Die Palastwachen nickten mir freundlich zu. "Miss Lockwood."

Jetzt war ich noch verwirrter, als ich es ohnehin schon war. Woher kannten die denn meinen Namen? Ich hatte es nur den Wachen gesagt, die dort hinten standen und sich so langsam wieder auf ihre Posten begaben. Aber wahrscheinlich hatten sie ein Gerät im Ohr, das sie verband.

Wir gelangten an eine Flügeltüre, die wahrscheinlich der Haupteingang war. Ich klopfte mit einem Türklopfer, der die Form eines gemeißelten Rabenkopfs hatte, gegen eine wundervolle verzierte Holzflügeltüre. Der Rabentürklopfer sah genau gleich aus, wie der auf dem Siegel des Briefs.

Der Rubin gegen den Smaragd Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt