Eine merkwürdige Begegnung

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Ich musste noch ein paar Tage im Krankenhaus verbringen, bevor ich raus durfte. Am Hinterkopf musste ich ein Pflaster tragen, bis meine Wunde verheilt war. Zayn gab sich immer noch die Schuld, für das was passiert war. Er und Henry stritten sich ständig vor meiner Tür. Ich hoffte, dass wegen mir ihre Freundschaft nicht zerbrach. Sie benahmen sich wie zwei kleine Kinder! Außerdem ließ mich Dad jetzt nicht mehr aus den Augen. Er bestand darauf, das ich bis zu den Weihnachtsferien Zuhause bleiben sollte, obwohl ich mich gut fühlte. Was auch ziemlich komisch war, dass er mich nicht mal aus der Tür gehen ließ! Ich fragte warum, doch er mied ständig meinen Blick, ging öfters ins Büro und sah unendlich traurig aus. Manchmal hörte ich ihn sogar Abends in seinem Zimmer weinen. Ich konnte die Situation nur mit einem Wort beschreiben: Komisch.

Ich seufzte, drückte die Türklinke meines Zimmers nach unten und lief die Treppe hinunter. Als ich zur Küche gehen wollte, sah ich, das ein Brief im Briefkasten steckte. Ich ging zur Türe und wollte ihn gerade herausziehen, als er mir plötzlich aus den Fingerspitzen glitt! Mist! Ich machte die Türe auf. Sofort durchflutete die Kälte meinen Körper, während mir der Regen ins Gesicht peitschte. Der Brief flog mit dem stark wehenden Wind davon! Was war, wenn es eine wichtige Rechnung für Dad oder so etwas in der Art war?

Ohne zu zögern, rannte ich nach draußen. Ich wusste selbst nicht, warum ich losrannte, ohne nach zu denken, denn Dad hatte mir verboten raus zu gehen.

Es war eisig kalt und in wenigen Sekunden waren meine ganzen Klamotten durchnässt. Der Brief wirbelte durch die Luft! Ich sprang immer wieder hoch und versuchte vergeblich ihn aufzufangen, aber immer wenn ich kurz davor war ihn zu kriegen, stieg er nur noch höher! Es war, als würde er mit mir Fange spielen wollen! Meine Lippen bebten und mir war kalt. So kalt, dass ich schon fast nicht mehr gegen den starken Wind rennen konnte. Ich fühlte mich wie ein Eisklumpen, der unfähig war sich zu bewegen. So als würde alles in mir gefrieren.

Ich rannte unsere Straße hinunter, immer weiter nach Norden, was mir in dem Moment egal war, obwohl es mir von klein auf gesagt wurde nicht die Norhside zu betreten. Es war mir auch egal, wenn mich die Nachbarn mit Pyjama im Regen rennen sahen.

Der Wind legte sich und der Brief landete in einer dunklen Gasse. Fröstelnd hob ich den Brief auf, ohne zu schauen, was drauf stand. Ich rieb mir meine kalten Arme und wollte gerade umkehren, als genau an der selben Stelle, wo der Brief gelandet war, ein Rabe saß. Ich schaute verdutzt drein, dass er sich so nah an mich ran traute.

Was?

Ich erschrak und stolperte ein paar Schritte zurück. Wie konnte das möglich sein? Ich wagte kaum, dies zu denken, aber der Rabe hatte rubinrote Augen!

Ich schüttelte meinen Kopf, während ich die Augen zumachte. Ich sah noch einmal hin. Es war keine Einbildung. Was ging in meinen Gehirn schief, dass ich so etwas sah? War ich noch immer von der Ohnmacht und der Gehirnerschütterung befallen? Aber ich fühlte mich so wie immer, bloß das ein angsteinflößender Rabe mich mit seinen rubinroten Augen gierig musterte! Ich zweifelte an mir selbst und kniff mir sogar in den Arm.

"Ksch, ksch!", machte ich und wedelte mit den Händen herum, aber er verzog keine Mine und blieb sitzen. Es konnte doch nicht sein, dass ein Rabe nicht scheu vor einem Menschen war! Was war das für ein komischer Rabe? Auf einmal hatte ich schreckliche Angst vor ihm und die dunkle Gasse, indem alte zerfallene Häuser standen, machten die Situation auch nicht besser. Ich konnte mich gar nicht richtig orientierten, wo ich war. Der Regen lief in meinen Pyjama, auf meinen nackten Bauch und Rücken. Ich schüttelte mich vor Kälte. Ich hatte das Gefühl, das ich von ihm beobachtet wurde, mit jedem Atemzug den ich machte. Ich bildete mir ein, dass es um mich herum dunkler wurde. Ich starrte den Raben einfach nur an, obwohl ich lieber nach Hause gehen würde, mich in mein Bett kuscheln und diese gruselige Begegnung mit diesem Raben vergessen könnte. Aber ich stand wie angewurzelt vor ihm. Es war die Angst, die sich in mir breit machte und mich nicht bewegen ließ. Er krächzte und das machte das ganze nur noch gruseliger. Meine Nackenhaare stellten sich auf. Ich starrte ihm in die Augen, ohne ein einziges Mal zu blinzeln. Es sah so aus, als würde sich das Licht in seinen Augen brechen, sodass sie wild durcheinander funkelten. Wie ein Rubin. Wie er da unten saß und mich neugierig mit schief gelegten Kopf beobachtete. Sein Gefieder war ebenfalls nass und es glänzte. Die Fensterläden klapperten quietschend im Wind. Ein eisiger Wind wehte und ein Schauer lief mir eiskalt über den Rücken. Seine kleinen Pupillen waren vollkommen auf mich fixiert.

Ich schüttelte den Kopf und rannte weg. Den Blick des Raben spürte ich immer noch...

Keuchend gelangte ich an unsere Haustüre. Ich klingelte im Sturm, denn diese Kälte würde ich nicht länger aushalten.

"Jolina, was machst du hier draußen?", fragte Dad, der mir die Türe aufmachte.

Schnell sprang ich hinein. Das Wasser an meiner Kleidung tropfte auf den Parkettboden.

"Ich habe dir ausdrücklich verboten keinen Fuß vor die Türe zu setzten!", schrie er.

"Warum bist du denn so aufgebracht?", fragte ich verwundert. "Warum darf ich nicht raus? Mir geht's blendend!"

"Das sieht man, wenn man bedenkt, dass du ohne Jacke in diesen strömenden Regen raus gegangen bist!" Er sah mich vorwurfsvoll an. "Was hast du dir dabei gedacht?"

"Ach - ähm", stotterte ich, während ich schnell den Brief in meine Jeans klemmte. "Ich... ich musste einfach mal frische Luft schnappen."

"Obwohl ich es dir verboten habe?" Er kochte wie eine pfeifende Teekanne.

Ich nickte und tat so, als würde es mir Leid tun. "Sorry, aber ich musste einfach mal raus."

Dad schnaubte vor Zorn. Dann stiegen ihm plötzlich Tränen in die Augen. Er konnte es gerade noch so kontrollieren, dass der Staudamm nicht zerbrach. "Ich habe doch einfach nur Angst um dich Jolina." In seinen Augen sah ich die Sorge.

"Aber wieso? Warum hältst du mich hier fest, wenn ich doch wieder gesund bin und die Ärzte gesagt haben, dass ich wieder zur High School gehen kann?" Ich war ratlos.

"Zu deinem besten, aber ich schwöre dir, das ich dich davor bewahren werde."

"Vor was?"

Er schüttelte den Kopf und ging.

Der Rubin gegen den Smaragd Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt